Erstellt am 22. September 2015, 09:02

von Michael Schwab

Große Dankbarkeit. 33 Waidhofner Rotkreuz-Mitarbeiter halfen am Grenzübergang Nickelsdorf bei der Flüchtlingsbetreuung mit.

Josef Zimmermann, Johann Eggenhofer, Michael Dabergotz, Franz Riegler, Michael Jäger, Alexandra Pollak und Werner Kronsteiner waren in Nickelsdorf im Flüchtlingseinsatz.  |  NOEN, Michael Schwab

Es war am Samstag vor zwei Wochen um 3:15 Uhr in der Früh, als der Rotkreuz-Bezirkskommandant Josef Zimmermann ein SMS auf sein Handy erhielt - und, da er schlief, den Signalton nicht hörte. Es ging darum, dass dringend Leute für den Einsatz am Grenzübergang Nickelsdorf zur Flüchtlingsbetreuung gebraucht wurden.

„Zehn Minuten später rief mich der Bereitschaftskommandant an. Es folgte eine interne Alarmierung per SMS, die Erwartungshaltung, wie viele sich melden würden, war groß“, erinnert sich Zimmermann an den Tag, als alles begann.

Noch am selben Morgen war er mit einem Kollegen nach Nickelsdorf unterwegs. „Als wir dort ankamen, regnete es und circa 2.500 Flüchtlinge waren völlig durchnässt. Bei dem Anblick bekam man spontan Depressionen“, erzählt Zimmermann. Zu Beginn des Einsatzes habe man erst einmal die Organisation auf die Beine stellen müssen. „Die Burgenländer hatten bereits eine kleine Sanitätshilfsstelle eingerichtet, auf der wir aufbauen konnten“, setzt Zimmermann fort.

Nach der Organisationsphase wurde ein Betrieb in zwei Schichten zu 12 Stunden eingerichtet. „Insgesamt waren bis jetzt 33 unserer Mitarbeiter in Nickelsdorf vor Ort, darüber hinaus standen 25 Mitarbeiter in fünf Schichten im Bereitschaftsdienst“, fasst Zimmermann zusammen.

Erlebnisse bleiben Helfern im Gedächtnis

Einer dieser Mitarbeiter, die sich für den Einsatz an der Grenze gemeldet hatten, war Johann Eggenhofer. Er war eine Woche nach Zimmermann in Nickelsdorf „Ich wollte einen Beitrag leisten, um das Leid der Flüchtlinge zu lindern. Ich war im Zeltspital in der Verbandsstation im Einsatz. Dort waren vor allem Blasen an den Füßen zu versorgen. Außerdem litten viele Flüchtlinge an Verkühlungen und Bronchitis sowie wundgescheuerten Schenkeln, wir hatten als ernste Sache aber auch mit einem Herzinfarkt zu tun“, berichtet Eggenhofer.

Eine größere Gruppe aus Waidhofen machte sich am 15. September auf den Weg nach Nickelsdorf. Werner Kronsteiner, Alexandra Pollak, Michael Jäger, Michael Dabergotz und Franz Riegler machten Erfahrungen, die sie noch länger beschäftigen werden.

Fast jedes Kind hatte Fieber

Kronsteiner erinnert sich besonders an eine Familie mit einem zwei Monate alten Kind, das auf der Flucht in der freien Natur zur Welt gekommen war. Alexandra Pollak war in der Frauen- und Kinderbehandlungsstelle tätig. „Fast jedes Kind hatte Fieber, sehr viele litten auch an Durchfall. Babys hatten Ausschläge wegen fehlender frischer Windeln und manche Menschen waren barfuß ohne Schuhe gekommen, weil sich diese unterwegs aufgelöst hatten“, schildert Pollak .

Michael Jäger ist vor allem die große Zahl an Kindern im Gedächtnis geblieben, es habe zeitweise beinahe wie ein Lehrausgang einer Schule gewirkt. Besonders beeindruckte ihn die Dankbarkeit der Flüchtlinge für die Hilfe. „Ich hatte einem Mann eine Schmerztablette gegen Zahnschmerzen gegeben. Er hat mich den ganzen Nachmittag lang gesucht, um sich zu bedanken“, erinnert sich Jäger.

Michael Dabergotz blieb ein Flüchtling im Gedächtnis, der um Müllsäcke fragte. „Einige Leute haben dann selber den Müll weggeräumt. Sie haben sich offensichtlich für die anderen, die den Müll liegen ließen, geschämt“, erzählt Dabergotz.

Franz Riegler beschrieb den Andrang bei der Essenausgabe, wo Flüchtlinge mit den Händen in die Salatschüsseln griffen, aus Angst, nichts mehr zu bekommen, und Kinder sich über eine Banane freuten.

Allen fünf Helfern ist klar - sie würden jederzeit wieder zum Einsatz an die Grenze fahren.