Erstellt am 14. Oktober 2015, 11:36

von Michael Schwab

Patientenanwalt: „Routine ist notwendig“. Patientenanwalt Gerald Bachinger betont Wichtigkeit einer gewissen Mindestauslastung, Waldhäusl kritisiert hohe Kosten bei schrumpfendem Angebot.

Medizinische Gründe sprechen für die Schließung, wie Regionalmanager Andreas Reifschneider, Primar Friedrich König, Primar Gerhard Wolfram, der kaufmännische Geschäftsführer der Landeskliniken-Holding Helmut Krenn, der medizinische Geschäftsführer der Landeskliniken-Holding Markus Klamminger und der ärztliche Standortleiter Manfred Weissinger von Beginn an betonten.  |  NOEN, Michael Schwab
Patientenanwalt Gerald Bachinger kann die Unsicherheit und Angst der Bevölkerung angesichts der bevorstehenden Schließung der Geburtenabteilung und Gynäkologie in Waidhofen verstehen.
„Aber: Ich unterstütze das. Es muss eine Tendenz zu mehr Kompetenzzentren in diesem Bereich geben. Zwar ist die emotional-menschliche Zuwendungskomponente bei kleinen und Kleinstabteilungen besser.

Doch das höchste Ziel sind Qualität und Patientensicherheit. Eine gewisse Routine – egal ob beim Arzt oder der Krankenschwester – ist notwendig, damit das fachliche Ergebnis gut ist. Eine gewisse Mindestquantität ist ein Faktor für die Qualität. Daher bin ich schon seit Jahren der Meinung, dass fachliche Kompetenz in der Medizin gebündelt werden muss. Darüber hinaus geht heutzutage die internationale Entwicklung dahin, dass die geburtshilflichen Abteilungen in unmittelbarer Nähe zu Kinderabteilungen sind, um bei Komplikationen bestmögliche, fachliche Kompetenz zur Verfügung zu haben“, erklärt Bachinger.

Standortbeitrag nahezu verdoppelt

Eine Ansicht, die auch das Büro von Landesrat Karl Wilfing teilt. Die Entscheidung, die Gynäkologie und Geburtshilfe in Waidhofen zu schließen, sei auf Rat von medizinischen Experten gefällt worden, und keineswegs aus wirtschaftlichen Gründen.

Der Waidhofner Vizebürgermeister und FPÖ-Landtagsklubobmann Gottfried Waldhäusl kritisiert, dass trotz steigendem Standortbeitrag das Leistungsangebot reduziert werde. „Der Zusperrwahn der ÖVP Niederösterreich, dem jetzt diese Abteilungen am Landesklinikum Waidhofen zum Opfer fallen, trifft den Steuerzahler gleich mehrfach“, meint Waldhäusl in einer Aussendung. Denn nach der Übernahme durch die Landesklinikenholding vor zehn Jahren hätten sich die Nögus-Standortkosten verdoppelt, eine Abteilung nach der nächsten sei jedoch wegrationalisiert worden. „Diese Vorgangsweise, wie sie typisch ist für die ÖVP, ist ein Verbrechen an der Gesundheit der Waldviertler“, findet Waldhäusl scharfe Worte.

Im Jahr nach der Übernahme, 2006, beliefen sich, so der Vizebürgermeister, die Standortkosten auf 175.683 Euro. Geld, das über die Ertragsanteile jährlich zwischen Gemeinde und Land NÖ gegenverrechnet wird. „Im Vorjahr wurden bereits 303.600 Euro abgezogen, und für 2016 belaufen sich die Aufwendungen bereits auf 314.500 Euro“, führt Waldhäusl an. Dem gegenüber stünde eine ständige Schrumpfung des Angebots. „Und jetzt gibt es Anweisung aus St. Pölten, dass die beliebte Geburtenstation samt Gynäkologie geschlossen wird. Die Freiheitlichen wehren sich nicht nur gegen diese weitere Ausdünnung der Region, die eine massive Gesundheitsgefährdung für Frauen und Kinder nach sich zieht. Wir überlegen zudem rechtliche Schritte, denn es kann nicht sein, dass für die halbe Leistung das Doppelte an Steuergeld eingehoben wird“, stellt Waldhäusl klar.

Hinsichtlich der Standortkosten verweist das Büro Wilfing auf die Landeskliniken-Holding. „Die Standortbeiträge wurden im Jahr 2006 festgelegt (§ 66a NÖKAG). Gleichzeitig wurde geregelt, dass diese in den Folgejahren jeweils um den Faktor, um den auch der Landes- und NÖKAS-Beitrag steigt, erhöht werden. Dadurch ergibt sich der für 2016 von Waidhofen zu leistende Standortbeitrag“, heißt es in einer Stellungnahme der Holding.

Im Jahr 2016 sei eine Evaluierung des Standortbeitrages vorgesehen. Dabei seien die im NÖKAG (NÖ Krankenanstaltengesetz) vorgesehenen Kriterien zu berücksichtigen. Ob bzw. in welcher Form bei einer Neufestsetzung der Standortbeiträge auch das Leistungsspektrum eines Krankenhauses bzw. Änderungen des Leistungsspektrums Berücksichtigung finden, werde Ergebnis der diesbezüglichen Gespräche und Festlegungen sein.