Erstellt am 29. September 2015, 10:21

von Michael Schwab

Besseres Kennenlernen in Groß Siegharts. Iranerin erzählt, dass sie flüchten musste, weil sie sich zum Christentum bekannt hatte. Im Iran hätte ihr dafür der Tod gedroht.

Bei der Infoveranstaltung waren auch einige Asylwerber anwesend: Jawad Jamsheedy, Araz Jamsheedy, Mehrab Chegini, Arezu Friduny, Midia Sido ,Mehdi Chakoshi, Hanif Kola, Maryam Judaki, Mahmoud Ramli, Kawin Quaderi, Shiar Sliman, Milana Giloyan, Far Sallar Khossrowany, Masa Alyamani und Jeehan Alkdmani mit Stadtpfarrer Josef Pichler, Bürgermeister Gerald Matzinger, Enver Velagic, Stadtamtsdirektor Jochen Strnad, Roland Schneider, Doris Eder und Peter Werle.  |  NOEN, Michael Schwab

Das Interesse war groß, als am vergangenen Donnerstag zum Infoabend „Bevölkerung und Asylwerber - gemeinsam eine Herausforderung meistern“ in den Stadtsaal geladen wurde.

Im vollgefüllten Saal mit dicht gedrängten Tischreihen wurde vor Beginn fleißig diskutiert. Auch einige der in Groß Siegharts untergebrachten Flüchtlinge waren gekommen und hatten sich an einem der Tische am Saalrand zusammengesetzt.

Einblicke in Erlebnisse als Polizist in Traiskirchen

Bürgermeister Gerald Matzinger ergriff als Erster das Wort, und ging auf seine Erlebnisse als Polizist in Traiskirchen ein, wo er bereits seit drei Jahren regelmäßig im Einsatz ist. „Der Großteil der Asylwerber hat seine Heimat nicht aus Jux und Tollerei verlassen. Die Beweggründe sind unterschiedlich, aber wenn manche Familienväter erzählen, warum sie ihr Land verlassen mussten, lässt das auch einen abgebrühten Polizisten nicht kalt“, betonte Matzinger. Viele hätten nicht die nötigen finanziellen Mittel, um die ganze Familie mitzunehmen, daher geht dann der Mann auf die Flucht, während die übrigen Familienmitglieder bei Verwandten bzw. im benachbarten Ausland Unterschlupf suchen, bis eine Nachholung möglich sei.

Matzinger räumte ein, dass er die unmittelbar betroffenen Anrainer der Flüchtlingsquartiere im Vorfeld hätte informieren sollen. Er stellte sich vor der Pause auch den Fragen der Besucher, die von der Zahl der derzeit untergebrachten Asylwerber (41, Anm.) bis zur Frage reichten, ob Flüchtlinge auch in der Gemeinde geringfügigen Beschäftigungen nachgehen dürfen (was bis zu maximal 100 Euro pro Monat erlaubt ist, Anm.).

Roland Pollak, einer der Quartiergeber, beschrieb den Tagesablauf eines Asylwerber in Groß Siegharts. „Der sieht so aus wie überall, die Familie steht in der Früh auf, frühstückt, geht einkaufen. Die Leute sind in der Selbstversorgung, damit sie beschäftigt sind“, berichtete Pollak. Die Flüchtlinge hätten anfangs vor der Unterbringung in einer Kleinstadt Angst gehabt. „,Alle starren einen an‘, hat es geheißen. Mittlerweile sind sie aber froh, in einer kleinen Stadt zu sein“, erzählte Pollak.

Iranerin war neun Tage in Lkw eingeschlossen

Höhepunkt war ein Bericht einer iranischen Asylwerberin, die als Christin das Land verlassen musste. Sie habe sich zum Christentum bekannt, weil sie gegen Krieg und für den Frieden sei. Im Iran habe ihr dafür der Tod gedroht, man habe ihr den Reisepass abgenommen, weshalb nur eine Flucht per Schlepper, neun Tage in einem LKW eingeschlossen, blieb. Es gab jede Menge Fragen der Besucher an die Frau, die im Iran 30 Jahre lang als Buchhalterin tätig gewesen war und ein Magisterstudium absolviert hatte. Ihr aktuelles Ziel sei, Deutsch zu lernen.

Matzinger kündigte an, ein gemeinsames Kochen zum besseren Kennenlernen veranstalten zu wollen. „Es sollte dann so sein, dass nicht mehr so wie heute Groß Sieghartser und Asylwerber getrennt sitzen, sondern an einem Tisch!“