Erstellt am 20. Mai 2016, 04:54

von Michael Schwab

Integrationsklasse: Große Fortschritte beim Spracherwerb. Unterschiedliches Alter und bisherige Ausbildung sind die große Herausforderung für die Lehrer der Asylwerber in der Handelsakademie.

Die Turnstunden sind bei den Flüchtlingen besonders beliebt: vorne liegend Zain Al Abadien Al Ramah, dahinter hockend Mohamad Al Mashhadani, Maytham Kareem Al-Saedi, Kasem Alkhaualda, Maisam Alarrouf, Nur Al Mashhadani und Aiaat Naif, sowie hinten stehend Veian Hassan, Fadi Alawad, Karam Almas, Hassan Hussaini, Sayed Manssoor Fatemi, Mohammed Majid Waheeb, Murtaza Farzan, Mohammad Ward Al Ashurbaji und Mustafa Alawad.  |  NOEN, Michael Schwab

Große Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache haben einige Flüchtlinge in der Integrationsklasse in der Handelsakademie Waidhofen gemacht.

„Ich habe den Eindruck, die meisten Schüler haben das Ziel, sich beruflich zu integrieren und finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. Die Hängematte Mindestsicherung als Perspektive sehe ich da nicht“, erklärt Deutschlehrer Martin Hetzendorfer. Das passive Verstehen funktioniere schon recht gut, ebenso Lese- und Hörübungen.

„Man merkt, dass die Flüchtlinge sehr informiert über das Geschehen in Österreich sind“, merkt Hetzendorfer an.

Turnstunden sind bei Schüler sehr beliebt

Die Herausforderungen im täglichen Unterricht seien das unterschiedliche Alter und verschiedene Ausbildungsniveaus. „Wir haben hier eine Mischung vom Zuckerbäcker über Mechaniker bis zu Leuten mit einem Bachelor-Abschluss“, fasst Hetzendorfer zusammen. Die Flüchtlinge in der Klasse würden großteils aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammen. „Diese Leute haben ihre Lebenssituation durch die Flucht sicher nicht verbessert“, fügt Hetzendorfer hinzu.

Auf den Vorfall in der Neuen Mittelschule Waidhofen angesprochen, wo ein Flüchtlingsbub auf ein Flüchtlingsmädchen losging und der Lehrer einschreiten musste (die NÖN berichtete in der Vorwoche) angesprochen, erklärt Hetzendorfer, dass der Hintergrund ein Stammes- bzw. ethnischer Konflikt war.

„Es gibt die Sprachgruppen Farsi und Dari, zwischen denen es Konflikte gibt. Etwas Vergleichbares wie in der Neuen Mittelschule hatten wir hier aber noch nicht, wir sehen auch keinen Grund, deswegen jetzt irgendwelche Maßnahmen zu setzen“, stellt Hetzendorfer klar.

Sprachdiplom soll absolviert werden

Die Schüler erhalten pro Woche 29 Stunden Unterricht. „Neben Deutsch wird auch Englisch, Mathematik, EDV, Science und Persönlichkeitsbildung bzw. Werteschulung unterrichtet“, führt HAK-Direktor Johann Lehr an. Besonders beliebt sind die Turnstunden. „Da können sich die Burschen richtig auspowern. Das tut ihnen gut“, meint Hetzendorfer.

Das nächste Ziel für die Schüler der Integrationsklasse ist die Absolvierung der Prüfung zum österreichischen Sprachdiplom in den Grundstufen A1 und A2. „Die Stufe A1 ist die Mindestanforderung für eine Berufsvermittlung beim AMS. Wir nehmen an, dass einige Schüler auch gleich in A2 antreten können“, betont Lehr.

Dadurch ersparen sich die Schüler den sonst dafür nötigen Kurs. Auch für die weitere Ausbildung seien Deutschkenntnisse wesentlich. „Selbst ein gelernter Zuckerbäcker wird eine verkürzte Lehre absolvieren müssen, um seinen Beruf in Österreich ausüben zu können. Dazu gehört auch der Besuch einer Berufsschule. Und dafür muss man Deutsch können“, hebt Lehr hervor.

Für das kommende Schuljahr ist an der HAK übrigens wieder eine Integrationsklasse geplant, der Start soll wieder im November erfolgen.