Erstellt am 10. Oktober 2015, 05:07

von NÖN Redaktion

"Auftragslage generell gut". Das Karlsteiner Unternehmen Pollmann zählt zu den wichtigsten Industriebetrieben des Waldviertels. Robert Pollmann erzählt über die Lage am Weltmarkt und gibt Ausblicke.

Robert Pollmann im NÖN-Interview: »Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden.«  |  NOEN, zVg

Mit über 500 Mitarbeitern am Standort Karlstein, rund 400 Mitarbeitern in Jindrichuv Hradec in der Nähe zur österreichischen Grenze und weltweit insgesamt 1.400 Beschäftigten zählt Pollmann zu den wichtigsten Industriebetrieben des Waldviertels. In einem Gespräch mit Hannes Ramharter gibt Robert Pollmann Auskunft über die wesentlichen Vorhaben und Kennzahlen der Zulieferfirma für die Automobilindustrie.

NÖN: Wie ist derzeit die Situation am Markt für Pollmann?

Robert Pollmann: Im Großen und Ganzen sind wir zufrieden. Die Auftragslage ist generell gut, man muss allerdings nach Produktionsstandorten unterscheiden. In Europa sind wir bei Neuprojekten sehr gut unterwegs. In China sind wir im Bereich Schiebedach-Komponenten ausgesprochen erfolgreich, bei Komponenten für den Motorraum oder für Türschlösser haben wir unser heuriges Ziel noch nicht erreicht. In den USA wiederum haben wir unser Ziel bei den Neuaufträgen bereits erreicht.

Sind aber nicht gerade die Neuprojekte ein wichtiges Indiz?

Pollmann: Ja, diese sind ausschlaggebend für die Zukunft, wobei sich derzeit auch die Laufzeit für Projekte deutlich erhöht, früher waren diese auf fünf bis sieben Jahre ausgerichtet, heute auf sieben bis zehn Jahre.

Generell fällt aber auf, dass sich die Produktpalette von Pollmann verbreitert hat?

Pollmann: Grundsätzlich ja. Mittlerweile ist der Anteil von Baugruppen im Türbereich größer als Mechaniken im Schiebedachbereich. Zusätzlich haben wir unsere Produktpalette im Bereich Antriebsstrang erfolgreich erweitern können. Vor allem der sich neu entwickelnde Markt der Elektromobilität hat auch für Pollmann bereits erste Aufträge gebracht.

Dennoch ist man als Zulieferer für Komponenten auch vom Geschäft der Automobilindustrie abhängig. Wie sieht es da aus?

Pollmann: In Europa ist das Seriengeschäft der Automobilindustrie stabil, das Wachstum ist gering. Der Markt in China ist derzeit schwer einzuschätzen. Das euphorische Wachstum ist weg, die Transparenz ist nicht immer gegeben und man ist sich oft nicht sicher, welche Berichte stimmen. Die Auftragslage ist trotz einiger Durchhänger zufriedenstellend, wir werden dort unser Jahresziel erreichen. In den USA steigen derzeit die Verkaufszahlen in der Automobilindustrie auch aufgrund der sinkenden Spritpreise.

Gibt es bei Pollmann noch Projekte im nicht-automotiven Bereich?

Pollmann: Wir haben uns strategisch entschieden, uns auf den automotiven Bereich zu konzentrieren. „Nebenbei“ etwas zu machen, funktioniert nicht. Auch alle großen Mitbewerber konzentrieren sich zu 100 Prozent auf den automotiven Bereich. Da tut sich sehr viel, zum Beispiel bei den vorher erwähnten Antriebssystemen gibt es viele Chancen für Pollmann.

Hätten Sie in Karlstein eigentlich noch räumliche Reserven?

Pollmann: Eine neue Halle geht sich noch aus, es gibt dafür Pläne, aber noch keine Entscheidung. Und in Tschechien haben wir den bisher gemieteten Grund und die Hallen gekauft, auch dort ist noch Platz für neue Projekte.

Ist die Produktion in Tschechien nach wie vor wichtig?

Pollmann: Ja, es ist noch immer sehr interessant, vor allem wenn ein höherer Lohnkostenanteil vorhanden ist. Die Schere bei den Lohnkosten geht nur langsam zu.

Gibt es für den Standort Karlstein ausreichend Fachkräfte?

Pollmann: Wir haben da eine gute Situation, die lokale HTL hilft sicherlich. Manager mit internationaler Erfahrung für den Standort zu gewinnen, ist schon schwieriger. Facharbeiter bekommen wir unter anderem durch unsere gut funktionierende Lehrlingsausbildung.

Sie haben vor kurzem für Pollmann die komplette Unternehmensführung neu aufgestellt. Was tun da die Eigentümer?

Pollmann: Wir sind aktive Eigentümer. Wir kümmern uns grundsätzlich um Fragen der Zukunftsstrategie, wie „Wohin geht die Automobilindustrie?“, neue Standorte oder neue Technologien. Losgelöst vom operativen Tagesgeschäft haben wir jetzt Zeit uns auf die strategische Ausrichtung des Unternehmens mehr zu konzentrieren. Unser globales Wachstum hat es erfordert auch internationales Know-how und Erfahrung in die Geschäftsführung zu holen.