Erstellt am 02. März 2016, 05:24

von René Denk

Kapeller: Eine "Ikone" geht. Fast drei Jahrzehnte war Leopold Kapeller Arbeiterkammerleiter in Waidhofen. Nun tritt er die Führung an Christian Hemerka ab.

Verabschiedung von Arbeiterkammerleiter Leopold Kapeller (3. von links) und Begrüßung des neuen Waidhofner Arbeiterkammerleiters Christian Hemerka (2. von links). Mit im Bild: AKNÖ-Direktor Helmut Guth (links) und Präsident Markus Wieser.  |  NOEN, René Denk

„Fast drei Jahrzehnte hat er die Kammer in Waidhofen geführt - mit eben einem sehr detaillierten Pensionswissen, das viele Kollegen immer wieder nutzten. Es ist Zeit, in den Unruhestand zu wechseln“, meinte AKNÖ Direktor-Stellvertreterin Bettina Heise bei der Verabschiedung von Arbeiterkammerleiter Leopold Kapeller und der Vorstellung des neuen Leiters, Christian Hemerka, am 25. Februar im Arbeiterkammersaal.

AKNÖ-Präsident Markus Wiese betonte, dass Kapeller die Sozialpartnerschaft immer sehr viel Wert gewesen sei. „Wichtig ist, dass man miteinander kann. Das setzt aber voraus, dass man sich auf Augenhöhe begegnet“, sagte Wieser stolz. Auch persönliche Worte fand er: „Wenn man ins Waldviertel kommt und es ums Schnapsen geht, dann gibt’s, glaube ich, nicht viele, die es mit ihm aufnehmen können.“

Bezirkshauptmann Günter Stöger wagte einen humorvollen Rückblick, für den er auch viele Lacher erntete: „Damals vor 30 Jahren arbeitete man noch mit Federkiel, Pergament und Brieftauben. Die Arbeiterkammer hat sich seither zu einer wirklich guten Service-Einrichtung entwickelt.“ Er dankte Kapeller für 30 Jahre im Namen der Bevölkerung.

„Er war als Bezirksstellenleiter eine Ikone und leuchtendes Vorbild der Arbeiterkammer NÖ. Sein Engagement hat seinen Beruf mit seiner inneren Einstellung verschmolzen“, würdigte AKNÖ-Direktor Helmut Guth Kapellers Arbeit.

Rückschau: Krisen und Erlebnisse in Waidhofen

Im Interview hielt Kapeller Rückschau. Bald nachdem er Bezirksstellenleiter im Jahre 1987 wurde, gab es die große Krise der Textilindustrie, die hauptsächlich in Groß Siegharts ansässig war. Rechtliche Ansprüche mussten geklärt werden. „Aber das war das Wenigste. Die Frage war: Wie geht‘s dann weiter? Viele waren arbeitslos. Man musste umschulen, manche hatten auch schon das eine oder andere Leiden, wo es dann nicht mehr so gegangen ist“, erklärte Kapeller. Bald darauf hieß es in der Kammer: „Ruft's den Kapeller an, des is a Sozialrechtler“.

Als aufregendste Erlebnisse schilderte er, als ein gerade in Waidhofen gastierender Zirkus Pleite machte und plötzlich rund 40 Personen aus zwölf Nationen in Waidhofen strandeten. Auch fieberte er mit, als sich plötzlich ein großer See vor der Arbeiterkammer bildete und die Waidhofner Feuerwehr gerade noch vor der Überflutung retten konnte. Und natürlich einen Nachtanruf der Feuerwehr: „Schreck dich ned, Leopold. Wir räumen da im Saal noch a bissal zusammen und bringen das Auto weg“, zitierte Kapeller den Floriani, als damals ein Auto in den Arbeiterkammersaal krachte.

Garant für vernünftige Lösungen

ÖGB-Regionalvorsitzender Günther Ehegartner meinte, dass Kapeller immer ein Garant für vernünftige Lösungen war. „Immer, wenn wir nicht mehr weiter wussten, hieß es, ruf ma den Leopold an, der weiß sicher Rat!“ Als Leiter des AK-Verbundes NÖ Nord wurde er auch von den anderen Bezirksstellenleitern mit einem Geschenk verabschiedet.

Als neuer AK-Leiter wurde der erfahrene Christian Hemerka begrüßt, der betonte, dass es nicht leicht wäre, in die großen Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Hermerka ist Jahrgang 1959 und war Fahrschullehrer, bis er 2002 in den Dienst der Arbeiterkammer Horn trat. „Es wird eine meiner Aufgaben sein, einen jungen Mitarbeiter als Nachfolger heranzuführen“, meinte er.