Kleingöpfritz

Erstellt am 19. Oktober 2016, 06:45

von René Denk

Bewilligung für Teich nach 30 Jahren eingefordert. 440 m² großes Teichareal sorgt für Aufregung. Bezirkshauptmann-Stellvertreter Peham: „Teich wurde ohne Bewilligung angelegt“. Witwe fühlt sich schikaniert.

Die Kleingöpfritzerin Rosa Nadler zeigt den kleinen Fischteich, der jetzt in den Fokus der Behörden geraten ist. Es war der Lieblingsplatz ihres Mannes, eines begeisterten Fischers. Jetzt füttert sie die wenigen Fische jeden Tag.  |  NOEN, René Denk

Rosa Nadler ist verzweifelt. Vor 30 Jahren legte ihr mittlerweile verstorbener Mann einen kleinen Fischteich an. Der Grund dazu wurde gepachtet. Der begeisterte Fischer kümmerte sich bis zu seinem Tode um das rund 440 m große Areal. „30 Jahre war alles in Ordnung. Jetzt macht die Behörde plötzlich Probleme. Ich weiß nicht, warum das auf einmal so ist“, erzählt Rosa Nadler.

Grab des Gatten befindet sich bei Teich

Als ihre Gatte Otmar Nadler vor sieben Jahren verstarb, war sein letzter Wille, dass er beim Fischteich begraben wird. Die Witwe erfüllte den letzten Wunsch ihres Gatten - seither befindet sich das Urnengrab des Mannes dort.

Nachdem der Verpächter das Grundstück nicht mehr behalten wollte, konnte Sohn Harald Nadler das Grundstück mit dem Grab seines Vaters im Frühjahr erwerben. Kurz vor dem Kauf hätte sich plötzlich die Behörde eingeschaltet, erzählt Rosa Nadler.

Im Frühjahr hätte es dann die Auflage für ihren Sohn gegeben, den Teich zuzuschütten und den Zaun wegzureißen. Nachdem der Sohn den Rechtsanwalt eingeschalten und den Bescheid angefochten habe, erreichte man, dass der Teich weder zugeschüttet noch der Zaun weggerissen werden müsse.

„30 Jahre hat sich keiner gekümmert und jetzt plötzlich schlägt die Bürokratie zu und alles ist anders. Überall hier gibt es Wasserlacken, in denen sich Fische befinden. Da ist überall nichts, nur bei mir.“

Witwe Rosa Nadler äußert ihren Unmut.

Aber: „Jetzt gibt es die Auflage, dass wir den Teich abfischen müssen. Seit sieben Jahren gehe ich jeden Tag zum Fischteich hinaus und füttere die Fische - da sind circa zehn Karpfen und vielleicht noch ein paar kleinere Fische drinnen“, schildert Rosa Nadler. Zudem müsse es laut der Witwe sehr rasch gehen, weil man nur bis 31. Oktober Zeit habe. Die Arbeit würde sich zudem sehr erschweren beziehungsweise unmöglich sein, weil man auf dem Weg, der dem Vernehmen nach der Gemeinde gehöre, nicht zufahren könne. „Wir müssen das Wasser des Teiches abpumpen. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Ich bezweifle aber, dass man hier mit dem Traktor überhaupt noch zufahren kann“, so die Witwe.

Nadler verstehe den zu bewerkstelligenden Aufwand nicht, den die Behörde hier plötzlich veranlasse. Dieser sei extrem hoch.

„30 Jahre hat sich keiner gekümmert und jetzt plötzlich schlägt die Bürokratie zu und alles ist anders. Überall hier gibt es Wasserlacken, in denen sich Fische befinden. Da ist überall nichts, nur bei mir“, ist Nadler entrüstet. Der Bescheid des Abfischens wurde angefochten, der Anfechtung wurde aber nicht stattgegeben. Als einzige Möglichkeit gäbe es noch die Klage vor Gericht, diesen Weg wolle man aber nicht gehen, so die Witwe.

Wie man das Abpumpen für das Abfischen des Teiches ohne Zufahrt bewerkstelligen soll? Im NÖN-Gespräch zeigt sich Bezirkshauptmann-Stellvertreter Markus Peham verwundert. Zum einen heiße Abfischen nicht unbedingt, dass man das Wasser des Teiches abpumpen müsse, da müsste man den Sachverständigen im gegenständlichen Fall fragen, ob das hier notwendig sei. Zum anderen hätte der Bescheidadressat bisher keine Rechtsmittel ergriffen“, sagt Peham (zum Zeitpunkt des Gespräches war diese nahezu abgelaufen).

Fakt sei, dass vor langer Zeit ein Teich ohne Bewilligung angelegt wurde. Diese müsse erbracht werden. Dem Vernehmen nach dürfte der Sachverständige die Bewilligung zur Nutzung als Fischteich nicht als genehmigungsfähig erachten, eine Nutzung als Landschaftsteich dürfte er aber als genehmigungsfähig erachten.

Grundsätzlich müsse einem rechtskräftigen Bescheid nachgekommen werden, meint der Bezirkshauptmann-Stellvertreter.

Weiters betont Peham, dass in der Gegend um Kleingöpfritz sehr viele kleine Teiche genehmigt sind.