Erstellt am 02. März 2016, 06:19

von Redaktion Gmünd

Altschach: „Glaube, dass wir Schiene noch brauchen“. Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) spricht im großen NÖN-Interview über die Zusammenarbeit mit der FPÖ, große Projekte und den Gemeindebetrieb.

»Wir haben ein für die wirtschaftliche Entwicklung Waidhofens sehr wichtiges Projekt abgeschlossen, nämlich die Erschließung der Betriebsgrundstücke hinter dem Lagerhaus, gemeinsam mit dem Lagerhaus und EKZ-Betreiber Reinhold Frasl«, sagt Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) im NÖN-Gespräch.  |  NOEN, Hannes Ramharter

Rund ein Jahr nach Abschluss der Koalitionsvereinbarung mit der FPÖ zog Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP) eine für ihn durchaus zufriedenstellende Bilanz über die Gemeindepolitik.

NÖN: Ein Jahr nach Abschluss der Koalition die Frage: Wie funktioniert es mit der FPÖ?

Robert Altschach: Auf sachlicher Ebene sehr gut. Wir haben einige Projekte vorbesprochen, waren uns einig und setzen das nun um. Die FPÖ Waidhofen ist paktfähig und die Koalition ist das, was wir uns erwartet haben.

Dennoch gab es bereits einen Fall, wo die FPÖ nicht mitgegangen ist, die finanzielle Unterstützung des Asylkoordinators.

Altschach: Sowohl wir als auch die FPÖ haben in einigen Dingen andere Ansichten. Man kann auch in einer Koalition nicht immer einer Meinung sein. Aber wir streiten nicht, sondern diskutieren das aus. Am Tag dieser Abstimmung wären wir auch allein stark genug gewesen, das zu beschließen.

Wie ist das Verhältnis zu den anderen Fraktionen?

Altschach: Auf persönlicher Ebene korrekt, auf sachlicher Ebene tun wir uns manchmal schwer, weil wir zuweilen Handschlagqualität vermissen und auch völlig andere Ansichten haben. Deshalb haben wir uns ja auch für die FPÖ entschieden.

Was ist eigentlich konkret seit der Gemeinderatswahl passiert?

Altschach: Wir haben ein für die wirtschaftliche Entwicklung Waidhofens sehr wichtiges Projekt abgeschlossen, nämlich die Erschließung der Betriebsgrundstücke hinter dem Lagerhaus, gemeinsam mit dem Lagerhaus und EKZ-Betreiber Reinhold Frasl. Beide wollen dort expandieren und kaufen Gründe von der Gemeinde dazu, weitere Gründe dort können nun ebenfalls verkauft werden. Wir haben das seit 2012 verhandelt und Ende des vergangenen Jahres finalisiert. Das ist für die Schaffung weiterer Arbeitsplätze sehr wichtig. Im Rathaus ist es uns gelungen, Ruhe in den Gemeindebetrieb zu bekommen, bis auf einen kleinen Ausrutscher. So können wir uns auf die Weiterentwicklung Waidhofens konzentrieren.

Dennoch wird 2016 ein Jahr des Sparens...

Altschach: Wir werden trotzdem Infrastrukturprojekte umsetzen, so zum Beispiel eine bessere Zufahrt zur Firma Henkel und die Straße beim Lagerhaus. 2017 werden wir einen größeren finanziellen Spielraum haben, weil wir mit der KRAZAF-Ausfinanzierung eine Last abwerfen.

Ist eigentlich im Bereich der Innenstadt auch ein Fortschritt erzielt worden:

Altschach: Das ist ein schwieriges Thema. Es sind zwei neue Geschäfte entstanden, das sind kleine Erfolge. Der Adventzauber mit 70 Ausstellern war ebenfalls ein Erfolg, da hat auch die Gemeinde Geld investiert. Seit meinem Amtsantritt fördern wir auch verstärkt Aktivitäten in der Innenstadt, wie zum Beispiel auch das Sommerkino. Markengeschäfte und Supermärkte verabschieden sich aber auch anderswo aus der Innenstadt. Ich werde jedoch weiterhin alles dran setzen, die Innenstadt attraktiv für Betriebsansiedelungen zu gestalten.

Was geschieht 2016 außerdem noch?

Altschach: Wir beteiligen uns an überregionalen Projekten. Wir wollen den Radweg finalisieren. Dieser soll am Bahnhof Waidhofen enden. Der Bahnhof selbst soll von der NÖVOG übernommen werden, da sind die Verhandlungen schon im Laufen. Auch die Bahnlinie zwischen Waidhofen und Schwar zenau soll gekauft werden, da wollen wir die Schienen erhalten und vorerst mit dem Martinsberger Eisenbahnverein für Nostalgiefahrten nutzen. Die Erhaltung dieser Schiene ist mir wichtig, ich glaube, dass wir sie noch brauchen werden! Auch das Glasfaser-Internet Projekt ist wichtig. Es gibt bereits einen Ausbauplan für Waidhofen und die Katastralgemeinden.

Ist die Neugestaltung der Innenstadt kein Thema mehr?

Altschach: Für eine komplette Neugestaltung fehlt der finanzielle Background. Ich sehe nur die Möglichkeit einer Sanierung. Das betrifft sowohl die Landesstraße als auch die Gehsteige nach dem Einbau der Verrohrung für das Glasfaser-Netz. Auch die Schadekgasse gehört da dazu.

Und was ist mit der Pestsäule? Ist diese nicht auch dringend renovierungsbedürftig?

Altschach: Wir haben dort ein Problem: Einerseits bekommen wir für die Renovierung nur dann Geld, wenn die Bäume dahinter wegkommen, andererseits sind diese aber Naturdenkmäler, die nur dann umgeschnitten werden dürfen, wenn sie kaputt sind.

Und der von der Sparkasse anlässlich des Bestandsjubiläums gespendete Muhr-Brunnen, der seit vielen Jahren im Bauhof gelagert wird?

Altschach: Ich kann mir vorstellen, dass dieser im Zuge der Arbeiten wieder aufgestellt wird, zum Beispiel wo einmal die Schirmbar gestanden ist.

Wie sieht es in ihrer Fraktion aus. Die jüngeren Gemeinderäte sind ja bei der Wahl zum Großteil nicht mehr in den Gemeinderat gekommen?

Altschach: Vorerst zeichnet sich kein Wechsel ab. Wir arbeiten anders als früher, aber sehr gut zusammen. Es gibt keine Grabenkämpfe und wir versuchen alles auf kollegiale Weise zu machen. Wir haben im Vorjahr bewusst wenig eigene Botschaften ausgeschickt. Aber in Zukunft wird es notwendig sein, unser Profil als Volkspartei wieder zu schärfen.