Erstellt am 14. Oktober 2015, 11:35

von René Denk und Michael Schwab

Über 10.000 Unterschriften. Gegner der Gynäkologie-Schließung errechnen klare Unterversorgung für zwei Bezirke. Landeskliniken-Holding erläutert ihre ermittelten Daten.

Diese Frauen kämpfen für die Gynäkologie und Geburtshilfe im Landesklinikum Waidhofen: Michaela Köck, Isabella Polly, Ulrike Ullrich und Petra Kapinus (von links).  |  NOEN, René Denk
Über 10.000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative zur Erhaltung der Gynäkologie und Geburtshilfe in Waidhofen schon gesammelt. Die Unterschriftenaktion läuft erst seit knapp zwei Wochen und soll auch noch weitergehen.

„Wir bedanken uns für die große Unterstützung der Bevölkerung, ohne sie wäre dies nicht möglich. Wir sind stolz, solch einen Zusammenhalt in unserer Region zu haben! Unterschriften werden weiterhin gesammelt, unter dem Motto: jede Unterschrift zählt - egal, welches Alter, ob Mann oder Frau“, erklärt Initiatorin Isabella Polly.

Weiters errechnete die Bürgerinitiative auf Basis der Daten von Wikipedia mit Stand von Jänner 2015, wie viele Personen in den beiden Bezirken durch die 45-Minuten-Anfahrtsgrenze nicht versorgt seien. Wichtig sei hier, dass man den Anfahrtsweg zu den Spitälern errechnen müsse. In Zwettl muss man hier beispielsweise noch durch die Stadt auf die Propstei zum Krankenhaus fahren, meint Initiatorin Ulrike Ullrich.

„Wesentlich für mich ist, dass es zu
keinen Engpässen kommt und dass
der Klinikstandort erhalten bleibt“
SPÖ-Landesrat Maurice Androsch

Im Bezirk Waidhofen sieht die Initiative die Grundversorgung für die Gemeinden Dobersberg, Gastern, Karlstein, Kautzen, Pfaffenschlag, Thaya und Waldkirchen nicht gegeben. In diesen Gemeinden leben fast 8.400 Einwohner, das sind fast 32 Prozent der Gesamteinwohner des Bezirks. Für den Gmünder Bezirk führt die Initiative folgende Gemeinden an, die nicht versorgt sein sollen: Amaliendorf-Aalfang, Bad Großpertholz, Brand-Nagelberg, Eggern, Eisgarn, Haugschlag, Heidenreichstein, Litschau, Moorbad Harbach, Reingers und Unserfrau-Altweitra. In diesen Gemeinden leben fast 14.600 Personen, was rund 39 Prozent der Gesamteinwohner des Bezirks Gmünd ausmachen. Insgesamt würden in den beiden Bezirken fast 23.000 Personen länger als 45 Minuten benötigen. „Sind wir Menschen zweiter Klasse im Waldviertel? So darf man mit uns nicht umgehen“, meint Ulrike Ullrich zu den Zahlen.

Die Berechnungen der Landesklinikenholding mit dem Planungstool „NÖGIPS“ zeigen ein anderes Bild. Demnach würde man aus der Gemeinde Haugschlag (486 Einwohner), nördlichen Teilen der Gemeinde Litschau (Einwohner des nördl. Gemeindegebiets unbekannt, gesamt: 2.283) und nördlichen Teilen der Gemeinde Reingers (das gesamte Gemeindegebiet verzeichnet 672 Einwohner) teilweise länger als 45 Minuten brauchen. Laut ÖSG (Österreichischer Strukturplan Gesundheit) ist die Mindesterreichbarkeit im Fach Gynäkologie und Geburtshilfe definiert mit 90% der Bevölkerung in 45 Minuten. Dieser Wert wird, so die Holding, für das Waldviertel deutlich übertroffen. Das Modell basiere auf konstanten, reproduzierbaren Ergebnissen, und könne daher Ausnahmesituationen (Straßenglätte, Staus etc.) nicht berücksichtigen.

Für Landesrat Maurice Androsch (SPÖ) habe es natürlich Bedeutung, dass die Bevölkerung so stark hinter dem Klinikum stehe. „Wesentlich für mich ist, dass es durch die Entscheidung, die Gynäkologie zu bündeln, zu keinen Engpässen kommt, und dass der Klinikstandort Waidhofen erhalten bleibt“, betont Maurice Androsch.
Bezüglich der Fahrzeiten habe es bereits ein Gespräch gegeben, in dem Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) zugesichert habe, dass 98 Prozent der Waldviertler eine Klinik rechtzeitig erreichen können. Das Büro des Landesrats Karl Wilfing betont, dass die Entscheidung, die Gynäkologie und Geburtshilfe in Waidhofen zu schließen, zur Sicherheit der Patienten geschehe, eine Ansicht, die auch der Niederösterreichs Patientenanwalt Gerald Bachinger teilt.