Erstellt am 11. Februar 2016, 05:18

von Redaktion Gmünd

Nach der Flucht: Glückliches Wiedersehen. Eine Familie aus Afghanistan, die während ihrer Flucht getrennt wurde, konnte in Waidhofen wieder vereint werden. Koordinator Gilbert Brodar hilft nun bei der Integration.

Gilbert Brodar mit der afghanischen Familie, die in Waidhofen nach acht Monaten Trennung wieder zusammengeführt werden konnte.  |  NOEN, privat

Nach acht Monaten Trennung konnte der Waidhofner Asylkoordinator Gilbert Brodar eine afghanische Familie wieder zusammenführen.

Die Mutter der Familie stammt aus Daikondi in Afghanistan, einer Stadt, die vor 20 Jahren völlig zerstört wurde. Von dort ging sie nach Teheran im Iran, wo sie ihren ebenfalls aus Afghanistan stammenden Mann kennenlernte. Angeblich war die Familie aber, weil sie aus Afghanistan stammte, immer wieder Repressalien ausgesetzt. Der Familienvater wurde schließlich vor vier Jahren verhaftet, inhaftiert und wieder nach Afghanistan zurückgeschickt. Seither verlor sich seine Spur.

Wegen Asthma getrennt

Vor acht Monaten trat die Frau mit ihren vier Kindern, drei Mädchen im Alter von 9, 14 und 16 Jahren sowie einem Buben im Alter von fünf Jahren die Flucht nach Salmas, einer Grenzstadt an der syrisch/türkischen Grenze an. Weil die 14-Jährige aber Asthma hatte, wurde die Familie dort getrennt. Ihre Schwestern blieben bei ihr, die Mutter behielt ihren Sohn bei sich.

Mit diesem brach sie schließlich zu Fuß auf, um in der Türkei die Mittelmeerküste zu erreichen, kam mit einem Schlauchboot nach Griechenland und zu Fuß und auch mit dem Bus über Mazedonien und Serbien nach Ungarn, um schließlich in Österreich im Lager Traiskirchen zu landen. Von dort kam sie über ein organisiertes Quartier mit anderen Asylsuchenden in Oberösterreich schließlich nach Waidhofen.

Aus dem Urlaub die Zusammenführung

Die drei Töchter waren noch ein paar Wochen länger in Salmas und kamen schließlich über Slowenien nach Österreich, wobei sie an der Grenze mit Erfrierungen an den Füßen gestrandet waren und in das Krankenhaus Braunau in Oberösterreich gekommen waren.

Die Bezirkshauptmannschaft Braunau konnte über das Handy der Mädchen, die damit mit ihrer Mutter in Kontakt geblieben waren, herausfinden, dass die Mutter nun in Waidhofen ist. Die Bezirkshauptmannschaft rief die Gemeinde Waidhofen an, die wiederum mit Asylkoordinator Gilbert Brodar Kontakt aufnahm, der sich in den Semesterferien zwar mit seiner Familie auf Urlaub befand, aber trotzdem durch ein Mail an die Landesregierung die Familienzusammenführung organisieren konnte.

„Die Familie muss derzeit noch alles aufarbeiten, was passiert ist. Es ist auch notwendig, dass die Kinder für Schule oder Kindergarten angemeldet werden“, erzählt Gilbert Brodar im Gespräch mit der NÖN.

Entsetzt über Umgang im sozialen Netz

Brodar ist aber momentan entsetzt, wie mit dem Thema Asylsuchende in sozialen Netzwerken umgegangen wird. So tauchte plötzlich gestern ein Artikel der NÖN Waidhofen vom Juni 2015 wieder auf Facebook auf, damals hatte es in Waidhofen noch gar keine Asylwerber gegeben.

Als Brodar auf das Posten dieses Artikels geantwortet hatte, wurde er prompt als „Volksverräter“ beschimpft. „Ich arbeite, um derartige Vorfälle zu verhindern, solche Anfeindungen stören“, meint Brodar weiter. Und er hält fest: „Wenn es trotzdem Vorfälle gibt, wäre ich dagegen, diese zu vertuschen!“