Erstellt am 17. Mai 2017, 04:34

von Hannes Ramharter

Neustart für die Waldviertelautobahn?. Bezirkspolitiker zeigen sich über Aussagen des neuen Landesrats Ludwig Schleritzko erfreut, Region schöpft Hoffnung.

Wird es doch noch etwas mit einer Autobahn im Waldviertel? Der neue Landesrat will die Situation neu bewerten  |  shutterstock/TTstudio

Landesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) ist nach dem Rücktritt von Landeshauptmann Erwin Pröll für die Finanzen und den Straßenbau in Niederösterreich zuständig. In seiner ersten Pressekonferenz deutete er eine mögliche Kursänderung in Sachen Waldviertel-Autobahn an.

Schleritzko betonte, dass derzeit das rund 140 Millionen kostende „Waldviertelpaket“ umgesetzt werde, durch das die Achsen Wien-Stockerau-Horn-Gmünd“ sowie Krems-Zwettl-Vitis ausgebaut werden.

Eine Autobahn bzw. eine Schnellstraße in das Waldviertel wurde seit einiger Zeit massiv durch die Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG) und die FPÖ eingefordert.

Straßenbaudirektor Decker und Landesrat Ludwig Schleritzko bei der Bekanntgabe der wichtigsten Straßenbauvorhaben in St. Pölten.  |  LK/Burchhart

Während Landeshauptmann Erwin Pröll immer davon sprach, keine „Schneisen in die Waldviertler Landschaft zu schlagen“, hört sich das nun vom aus dem Waldviertel stammenden Landesrat etwas anders an: „Ich bin viel in meiner Heimatregion unterwegs und höre mir die Bedürfnisse der Arbeitnehmer genauso an wie die der Wirtschaftstreibenden. Wir werden schauen müssen, was sinnvoll und umsetzbar ist, aber eines betone ich klar: Ich verschließe mich nicht von vornherein der Idee einer Waldviertelautobahn!“

Wirtschaft, SPÖ, FPÖ und Bauern dafür

Die erste Reaktion auf die Aussagen von Schleritzko kam aus der eigenen Partei. Nationalratsabgeordneter Werner Groiß, Waldviertel-Sprecher des Wirtschaftsbundes und derzeitiger Vorsitzender des Finanzausschusses im Nationalrat sicherte dem Landesrat „volle Unterstützung aus der Wirtschaft zu, wenn es um den Infrastruktur-Ausbau im Waldviertel geht“.

Werner Groiß: „Wichtig ist, dass wir offen für den Wunsch nach einer hochwertigen Verbindung sind.“  |  NOEN

Auch Groiß unterstreicht die Wichtigkeit des Ausbaus der beiden Achsen. Ob das Waldviertel eine Autobahn brauche oder nicht, will Groiß auch nochmals mit der Unternehmerschaft und der Bevölkerung aus der Region abstimmen. „Wichtig ist, dass wir offen für die Anliegen der Region auch im Hinblick auf eine hochwertige Verkehrsverbindung sind“, stellt er klar.

Erfreut reagiert auf die Aussagen von Ludwig Schleritzko auch Landesrat Maurice Androsch (SPÖ), SPÖ-Vorsitzender des Bezirks Waidhofen. „Seine jüngste Aussage, dass er sich der Idee einer Waldviertelautobahn nicht verschließe, gibt der ganzen Region Hoffnung. Nach jahrzehntelangem Stillstand in dieser Frage muss die Gunst der Stunde genutzt werden“, meint Androsch und will sich rasch gemeinsam an einen Tisch setzen.

Androsch betont, dass Städte und Gemeinden entlang von leistungsfähigen Verkehrsachsen kaum bis gar nicht von Abwanderung betroffen sind und als Standort für Unternehmensansiedelungen attraktiv seien. Im Waldviertel sei es jedoch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs versäumt worden, leistungsfähige Anbindungen an die Zentralräume zu schaffen. „Das Waldviertel braucht attraktive Verkehrswege, die Hand in Hand mit einer echten Wirtschafts- und Ausbildungsoffensive gehen müssen. Die Region selbst hat viel Potenzial. Ohne entsprechender wirtschaftlicher Entwicklung und dem Ausbau der Standortqualität wird dieses aber schwer zu heben sein“, ist Androsch überzeugt.

Koalitionsfrage für SPÖ und FPÖ

Maurice Androsch: „Am Ausbau internationaler Verkehrsachsen führt kein Weg vorbei.“  |  NOEN

Androsch meint auch, dass bei etwaigen Koalitionsverhandlungen nach der Landtagswahl 2018 u.a. „der Ausbau starker internationaler Verkehrsachsen“ auf der Tagesordnung stehen muss, wenn das Waldviertel besprochen wird. „Daran führt kein Weg vorbei!“ Trotzdem sollte der regionale Prozess gleich gestartet werden, unter dem Motto „nicht warten, sondern handeln“.

Androsch hat bezüglich der Trassenführung auch bereits eine Präferenz: „Eine starke internationale Achse von Wien beginnend durch das Waldviertel nach Gmünd, um die internationale Anbindung Richtung Budweis, Prag und Berlin zu sichern.“ Trotzdem ist Androsch offen für eine breite und offene Diskussion zur Trassenführung.

Gottfried Waldhäusl: „Endlich trauen sich auch die, die sich vor Prölls Abgang nicht getraut haben.“  |  NOEN

Klubobmann Gottfried Waldhäusl, der auch schon eine Unterschriftenaktion für den Bau einer Waldviertel-Autobahn organisiert hatte, hat die Kunde Schleritzkos „sehr positiv vernommen“. Er fühlt sich bestätigt, dass sich nach der Pensionierung Prölls auch die Befürworter einer Autobahn aus den Verstecken trauen, die das bisher nicht gewagt hatten. Waldhäusl warnt auch davor, die Waldviertelautobahn zu sehr von den Kosten abhängig zu machen.

„Bei der Nordautobahn und anderen Projekten hat man auch nicht von den Kosten gesprochen, es kann nicht sein, dass für das Waldviertel andere Regeln gelten. Falls die ÖVP mit der FPÖ nach der im nächsten Jahr stattfindenden Landtagswahl über eine Koalition verhandelt, wird die Waldviertelautobahn eine ‚Koalitionsbedingung‘ darstellen.“ Auch Waldhäusl kann sich in etwa bereits jetzt eine Trasse vorstellen: „Die Waldviertelautobahn müsste in etwa so wie die Franz-Josefs-Bahn verlaufen.“

Edi Köck: „Der Bauernbund trat schon lange für eine Autobahn ein!“  |  NOEN, Archiv

ÖVP-Bundesratsabgeordneter Eduard Köck reagiert ebenfalls erfreut. „Ich hatte gestern ein Arbeitsgespräch mit dem Landesrat und wir werden sondieren, wie wir dieses Thema auf Schiene bringen können“, meint er. Köck ist ebenfalls der Meinung, dass das Waldviertel eine Autobahn oder höherwertige Straße braucht.

Er ist aber auch überzeugt davon, dass die Verwirklichung ein langer Weg wird. „Bis es soweit ist, brauchen wir auch noch andere Verbesserungen“, hebt er hervor. Und Köck unterstreicht auch noch, dass der Bauernbund schon lange die Forderung nach einer Autobahn im Waldviertel erhoben hat.

Er betont auch, dass die Autobahn vom Bund über die ASFINAG finanziert werden müsste, nachdem sie vom Land in das Ausbauprogramm genommen wurde.

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