Erstellt am 14. Oktober 2015, 06:02

von René Denk

"Patricia wäre tot". Johannes Christian-Weber ist sich sicher: Wenn schon damals die Gynäkologie Waidhofen zugesperrt hätte, wäre seine Frau tot.

Johannes Christian-Weber ist sich sicher: Vor elf Monaten wäre auch seine Frau und nicht nur sein Baby gestorben, hätte es die Gynäkologie-Abteilung in Waidhofen nicht mehr gegeben.  |  NOEN, René Denk

Bei der Demonstration gegen die Schließung der Gynäkologie war Johannes Christian-Weber dabei. Weil er genau diesen Fall vor elf Monaten miterlebt hat, den die Gegner der Schließung immer wieder in den Vordergrund bringen: Trotz des raschen und vorbildlichen Handelns der Rettungskräfte hat der 27-Jährige Dobersberger seine Tochter verloren. Und um ein Haar auch seine Frau...

NÖN: Was ist da damals genau passiert?

Johannes Christian-Weber: Meine Frau Patricia war in der 40. Schwangerschaftswoche, genau drei Tage vor dem Geburtstermin. Mitten in der Nacht - von Sonntag auf Montag - sagt sie plötzlich, dass sie denkt, die Geburt gehe los. Ich habe mich gefreut, weil ich davon ausgegangen bin, dass die Fruchtblase geplatzt ist.

Dem war aber nicht so?

Christian-Weber: Nein, sie ging auf die Toilette und schrie plötzlich, dass alles voller Blut sei. Ich habe sofort den Notarzt gerufen, der sehr rasch in Dobersberg war, ich glaube, es waren nur zwölf Minuten. Ich bin dann sofort ins Krankenhaus nachgefahren.

Warum wurde sie zur Sicherheit nicht vorher im Krankenhaus stationär aufgenommen?

Christian-Weber: Weil es eine total unkomplizierte Schwangerschaft war. Der Arzt hat immer von einer Lehrbuch-Schwangerschaft gesprochen. Bis sich die Plazenta plötzlich abgelöst hat und die starken Blutungen auftraten, war alles in bester Ordnung.

Sie sind dann in Krankenhaus nachgefahren.

Christian-Weber: Ja, als ich ankam, hörte ich nur mehr: „Jetzt geht es nicht mehr nur ums Kind, jetzt geht es auch um die Mutter.“ Das war schrecklich, dort vor dem OP zu warten.

Das Baby ist gestorben?

Christian-Weber: Ja, sie haben Laureen sehr lange reanimiert, aber sie hatte keine Chance mehr, obwohl sie sonst gesund gewesen wäre.

Und die Mutter?

Christian-Weber: Patricia hat es knapp überstanden. Sie hat etliche Blutkonserven gebraucht und war kurz davor, ins Koma zu fallen. Wenn sie nach Zwettl hätte fahren müssen, wäre sie mit 100-prozentiger Sicherheit gestorben.

Warum erzählen Sie diese sehr private Geschichte so öffentlich?

Christian-Weber: Wir verdanken der Gynäkologie-Abteilung Waidhofen das Leben meiner Frau. Sie haben uns beide nach unserem schweren Verlust nicht nur fachlich, sondern auch menschlich sehr gut betreut. Die Anteilnahme des gesamten Teams war so überwältigend, das werden wir nie vergessen. Wenn diese Station zugesperrt wird, dann wird bei Paaren mit ähnlichem Fall auch die Mutter sterben. Vielleicht können wir damit einen Beitrag leisten, die Gynäkologie in Waidhofen doch noch vor der Schließung zu bewahren.