Erstellt am 11. April 2016, 20:48

von Thomas Werth

Pensionistin zückte in Kremser Tierheim Gaspistole. Eine circa 70 Jahre alte Frau bedrohte Mitarbeiterinnen. Sie wollte sich jenen Hund zurückholen, der ihr vor einer Woche behördlich abgenommen wurde.

 |  NOEN, privat
Den Schock ihres Lebens haben wohl drei Mitarbeiterinnen des Kremser Tierheims bekommen. Sie wurden von einer Pensionistin aus Karlstein (Bezirk Waidhofen/Thaya) mit einer Pistole bedroht, eine Mitarbeiterin wurde zudem von der Frau mit dem Gehstock geschlagen.

Hintergrund des Vorfalls soll eine Hundeabnahme gewesen sein. „Der  Mini-Dackel-Mischling der Frau wurde zu Beginn der Vorwoche behördlich beschlagnahmt und von uns abgeholt“, erklärt Nina Zinn-Zinnenburg vom Tierheim. Sie soll sich nicht um ihn gekümmert haben, außerdem soll er mehrmals ausbüxt sein und dabei auch in zumindest vier Fällen leicht zugebissen haben – auch wenn es keine Verletzten gegeben haben soll, aufgrund der Anzeigen wurde er laut Hundehaltegesetz als gefährlich eingestuft.

Bereits am Freitag hat die circa 70 Jahre alte Frau telefonisch mit dem Tierheim Kontakt aufgenommen und um ein Gespräch ersucht, das tags darauf auch mit Zinn-Zinnenburg stattgefunden hat.  „Sie wollte den Dackel wieder mitnehmen. Ich habe ihr erklärt, dass wir nur der Verwahrer sind und dazu das Okay der Behörde brauchen würden.“

Dienstagvormittag hat sie erneut angerufen und die Herausgabe von dem Hund gefordert. Wenige Stunden später, kurz nach 15 Uhr, kam sie mit zwei weiteren Hunden (insgesamt besitzt sie fünf kleine Vierbeiner) persönlich vorbei. „Sie wollte gleich zu den Hunden gehen.  Ich habe sie angesprochen und gefragt, was sie möchte – schließlich kannte ich sie nicht“, erzählt Mitarbeiterin Julia Fuchs (24).

"Es schrillten sofort die Alarmglocken"

Als sie antwortete, dass sie zu dem Dackel möchte, schrillten bei Fuchs die Alarmglocken. „Ich habe ihr gesagt, dass das nicht geht und gleich zwei Kolleginnen zu Hilfe gerufen“, erzählt die 24-Jährige. Zu dritt haben sie sich vor der Pensionistin aufgestellt, die daraufhin zu schimpfen begonnen und wild mit dem Gehstock herumgeschlagen hat – dabei hat sie auch eine Mitarbeiterin getroffen. „Und plötzlich zückte sie eine Pistole“, so Fuchs.

Ihre zwei Kolleginnen reagierten prompt, drückten der Hundehalterin den Arm runter und redeten auf sie ein, während Fuchs die Polizei alarmierte. „Sie hat dann freiwillig die Waffe wieder eingesteckt, wir haben sie zur Rezeption gebracht und ihr die beiden Hunde abgenommen“, erzählt die 24-Jährige. Wenig später war auch schon die Polizei mit mehreren Streifenwagen vor Ort und haben die Frau festgenommen. „Wir haben erst hinterher erfahren, dass es sich dabei ,nur‘ um eine Gaspistole gehandelt hat“, so Fuchs.

Aufgrund des Vorfalls und der Tatsache, dass die Pensionistin alleine lebt, werden auch die in Karlstein verbliebenen zwei Hunde vom Tierheim abgeholt. „Der Fall zeigt deutlich, von welcher Seite der Leine die Gefahr ausgeht“, erklärt Zinn-Zinnenburg. Ob die Frau in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wurde, ist derzeit noch nicht bekannt.

Die Mitarbeiter des Tierheims blieben unverletzt, erlitten aber einen Schock.