Erstellt am 10. Juni 2016, 07:00

von Michael Schwab

„Hotel Savoy“ stilvoll inszeniert. Bühnenadaption von Joseph Roths Buch mit Holger Schober schuf beklemmende Atmosphäre.beschreiben.

Holger Schober als Kriegsheimkehrer Gabriel Dan im Hinterzimmer des Hotel Thaya in Raabs.  |  NOEN, Michael Schwab

Bedrückend, beklemmend und stilvoll in Szene gesetzt - so kann man die Bühnenadaption von Joseph Roths Roman „Hotel Savoy“ von Julia Faßhuber beschreiben. 

Das Stück wurde am Freitag im Hinterzimmer des Hotel Thaya in Raabs im Rahmen von „Szene Bunte Wähne“ aufgeführt. Holger Schober verkörperte den Kriegsheimkehrer Gabriel Dan, der auf dem Weg nach Hause aus dreijähriger Kriegsgefangenschaft im Hotel Savoy im polnischem Lodz hängenbleibt und dort in einen Aufstand der Bevölkerung gegen die schlechten Arbeitsbedingungen und sozialen Nöte gerät.

Wenige Requisiten

Die Einrichtung, ergänzt durch wenige Requisiten wie Waschbecken oder Rasierspiegel, vermittelte eine Atmosphäre des frühen 20. Jahrhunderts und schuf damit eine hervorragende Bühne für die 1919 spielende Handlung.

Schober zeigte eine immense Bühnenpräsenz, in den Erzählpausen seiner Figur, in denen er in nachdenklicher, grübelnder Haltung verweilte, hätte man eine Stecknadel fallen hören können. Alle Zuschauer warteten schweigend und gespannt, wie es weitergeht. Schober bewegte sich quer durch den Raum, bedächtig, dann wieder hektisch und aufgebracht - stets dem Wechselspiel der Emotionen folgend.

Nur durch Worte, ohne unterstützende Effekte, schaffte es der Darsteller auch, die dramatische Schlussszene, bei der das Hotel in Flammen aufgeht, eindrucksvoll zu vermitteln. Die anschließende Stille vermochte erst der Schlussapplaus zu brechen - ein Hauch von Bedrückung blieb.