Erstellt am 25. September 2015, 09:57

von Michael Schwab

Kein „normales“ Theater. Bus und Wirtshaus dienten als Bühne für „Die Postbotin“ und „Krambambuli“, Band „Boutros Boutros“ sorgte in der „Raabser Kutschn“ für tolle Stimmung

Holger Schober erzählte als Revierjäger die Geschichte seines geliebten Hundes »Krambambuli«.  |  NOEN, Michael Schwab

„Kultur muss ein wenig von der Norm abweichen“, meinte Bürgermeister Rudolf Mayer bei der Eröffnung des „Raabser Kulturherbstes“ im Rahmen des Theaterfestivals „Szene Bunte Wähne“ am vergangenen Freitag.

Dass dies keine leere Floskel war, zeigte sich gleich beim ersten Programmpunkt des Abends, dem Theaterstück „Die Postbotin“ mit der Puppenspielerin Myriam Rossbach, die im „Dschungel Bus“ mit ihrer Geschichte um einen Sperling, der gerne Post bekommen würde, vor allem die jüngeren Zuschauer begeisterte, aber auch die Herzen der Erwachsenen erwärmen konnte. Auf diese Weise aufgewärmt, marschierte die Zuschauergruppe aus dem voll besetzten Bus zum Stadtkrug, wo Holger Schober als „Revierjäger“ bereits am Stammtisch wartete, und sich mit einem Kartenspiel und einigen Stamperln Schnaps beschäftigte. Akkordeonspieler sorgten für eine beschwingte Stimmung, die bald durch den Jäger mit einem Bild seines Hundes in der Hand und der Frage an einen Gast: „Haben Sie je so ein edles Geschöpf gesehen?“ unterbrochen wurde.

Die Rede war vom Hund „Krambambuli“, bekannt aus der Erzählung von Marie von Ebner Eschenbach, in einer Inszenierung als „Wirtshaustheater“. Holger Schober gelang es, den Revierjäger überzeugend zu spielen, der seinem Hund, den er durch eine Verkettung tragischer Umstände verloren hatte, noch immer nachtrauerte.

Der Griff zum Flachmann, ein zunächst eher sachlicher, später erkennbar betrübter Gesichtsausdruck und wechselnde Erzählpositionen, einmal stehend und gestikulierend im Raum, dann wieder am Tisch sitzend - das Stück war voll von kleinen, stimmig arrangierten Details, welche der Erzählung des Jägers eine spürbare Lebendigkeit verliehen.

Publikum durfte mittanzen und mitfeiern

Nach dieser berührenden Tiertragödie setzte die fünfköpfige, griechisch-türkisch-österreichische Band „Boutros Boutros“ in der „Raabser Kutschn“ einen passenden Kontrapunkt. Ihre Verschmelzung von Blues, Pop, Ballade, Hymne und Wienerlied mit Klängen vom Balkan, dem Bosporus und der Ägäis schaffte es, das sonst eher als zurückhaltend geltende Waldviertler Publikum zum Mittanzen und Mitfeiern zu bewegen.

Zum Schluss war die Tanzfläche gut gefüllt, und als vehement eine Zugabe nach der anderen gefordert wurde, musste die Band schließlich zu Wiederholungen greifen, was der Tanzlaune allerdings keinerlei Abbruch tat und diesen Abend zum unvergesslichen Höhepunkt machte.


Weiterer Spielplan

Sonntag, 27. September:  „So Klein“ - Theaterstück für Kinder von 6 bis 11 Jahren, im Schüttkasten im Lindenhof um 16 Uhr.

Mittwoch, 23. September: „Der Zauberlehrling“, Musiktheater für Kinder von 6 bis 10 Jahren (für Schulen) im Schüttkasten im Lindenhof um 10 Uhr.

Dienstag, 29. September: „Die Legende von Wilhelm Tell“ - Puppentheater für Kinder und Jugendliche von 10 bis 15 Jahren (für Schulen), im Schüttkasten im Lindenhof um 10 Uhr.