Erstellt am 09. September 2015, 08:47

von Michael Schwab

Ganzes Dorf war Bühne. Stephan Rabl kehrte mit dem Festival-Tross Szene Bunte Wähne in sein Heimatdorf Radessen zurück. Vor 25 Jahren hatte er das Festival dort gegründet. Programm war vielfältig.

David Stellner, Bryan Benner und Raphael Widmann begleiteten, ihrem Namen als »Wandervögel« alle Ehre machend, die Gäste durch den Ort.  |  NOEN, Michael Schwab

Das beschauliche Dorf in der Nähe von Ludweis mit nur mehr sieben Hauptwohnsitzern wurde am Freitag zum Auftakt des Theaterfestivals „Szene Bunte Wähne“ regelrecht in Szene gesetzt.

Vor 25 Jahren war das Festival hier von Stephan Rabl gegründet worden. Sein Bauernhof in Radessen diente beim Festivalauftakt als Basis, von der aus man sich zu mehreren Spielorten im Dorf bewegen konnte. Nach der Eröffnung stimmten die „Wandervögel“, eine dreiköpfige Band mit David Stellner, dem Violinisten Raphael Widmann und dem US-Amerikaner Bryan Benner die Gäste auf den Beginn eines langen Abends voll Theaterkunst und Musik ein.

Theaterstück „Malala“ im Bus

Sie sorgten mit Neuarrangements österreichischer und jiddischer Volkslieder für eine heitere und unbeschwerte Atmosphäre, und zogen, ihrem Namen alle Ehre machend, mit einer Schlange von Gästen von Rabls Hof zum „DSCHUNGEL BUS“, einem alten Schulbus, dem Schauplatz des Theaterstücks „Malala“ mit der Oberösterreicherin Christina Scherrer als Darstellerin der Nobelpreisträgerin, die ihren Kampf für das Recht auf Bildung gegen die Taliban beinahe mit ihrem Leben hatte bezahlen müssen.

Die Enge des Busses, der als Bühne für das Einpersonenstück herhalten musste, ermöglichte einen unmittelbaren Kontakt zwischen Schauspielerin und Publikum, was Malalas Geschichte auf eine sehr eindrückliche und persönliche Weise nachvollziehbar machte, fast so, als wäre die Protagonistin in Person vor Ort gewesen.

Kurkonzerte im Kuhstall

Eine besondere Inszenierung waren auch die kurzen Kurkonzerte von Anna Starzinger im Kuhstall, die dabei an die Waldviertler Konzertreihe „Klassik der Milch“ anknüpfte. Die kleine Kapelle von Radessen erfüllte Futurelove Sibanda, ein aus Simbabwe stammender Sänger, Tänzer und Schauspieler, mit seiner raumfüllenden Stimme und afrikanischen Melodien.

Da die Darbietungen teilweise zeitgleich abliefen, war von den Gästen ein gewisses Setzen von Prioritäten gefragt. Wer sich lieber an einem Ort niederlassen und nicht durch Radessen streifen wollte, hatte dazu beim Nibelungenlied, einem Erzähltheater mit Hubertus Zorell, die Möglichkeit.

Sogar ein nie vorhandenes Gasthaus gab es an diesem Abend auf Rabls Bauernhof. Zwar ohne Speisekarte und Kellner, aber dafür mit einer Aufführung der Erzählung „Krambambuli“ von Marie von Ebner- Eschenbach mit Holger Schober als Jäger, der die berührende Geschichte seines Hundes am Stammtisch darbrachte.

Nach dieser eher schweren Kost war Party angesagt - „Future & The Lovers“ und DJ Lazer Jack heizten im Hof ordentlich ein und schlossen den Auftakt von „Szene Bunte Wähne“ ab.