Erstellt am 10. Februar 2016, 04:48

von Jutta Hahslinger

Rumänische Pflegerin ließ Patient allein zurück. Hals über Kopf kehrte 24-Stunden-Betreuerin zwei Tage vor ihrer Ablöse in ihre Heimat zurück und ließ dementen Patienten ohne Versorgung einfach zurück.

 |  NOEN, Symbolbild
„Es war reiner Zufall, dass ich vorbeigeschaut habe. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was alles passieren hätte können“, schildert ein 74-jähriger Waldviertler aus dem Bezirk Waidhofen vor Gericht seinen Schrecken, als er im Herbst nach dem Kirchgang bei seinem Bekannten vorbeigeschaut, und einen Zettel an der Tür vorgefunden habe.

Auf dem habe die 48-jährige Pflegerin aus Rumänien ihre Abreise mitgeteilt, schildert der Waldviertler empört: „Sie hat den auf eine durchgehende Pflege angewiesenen Patienten, der dement ist und im Rollstuhl sitzt, alleine in seinem Haus zurückgelassen und dort eingesperrt.“

„Und sie wusste, dass eine Ersatzpflegerin frühestens nach zwei Tagen die Pflege übernehmen kann“, ergänzt Anklägerin Susanne Waidecker.

Gesamtwert von 30.000 Euro

Nachdem der Waldviertler Alarm geschlagen hatte, stellten Familienangehörige das Fehlen von Schmuck, Golddukaten und Goldbarren im Gesamtwert von über 30.000 Euro fest.

„Ich habe nichts gestohlen“, beteuert die Rumänin unter Tränen. Ihre überstürzte Abreise erklärte sie erst mit Familienproblemen, der Ehemann habe Selbstmordabsichten geäußert, dann mit Ängsten vor dem aggressiven Patienten und einem zudringlichen Nachbarn.

„Wie erklären Sie sich, dass Sie auf einem Foto eine Kette der verstorbenen Waldviertlerin tragen“, will die Anklägerin wissen. Die Antwort geht in Tränen und Schluchzern der Rumänin unter. Sie akzeptiert dann den Schuldspruch mit 24 Monaten, davon acht hintern Gittern.