Erstellt am 14. Oktober 2015, 05:27

von René Denk

Bürger gingen auf die Straße. In Waidhofen wurde am Sonntag gegen die Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe protestiert.

Plakativer Protest: Bei der Demonstration gegen die Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe des Landesklinikums Waidhofen wurden auf dem Hauptplatz symbolisch zwei Papier-Störche aufgehängt.  |  NOEN, René Denk

Viele - laut Veranstalter weit über 1.500 Menschen - kamen zur Demonstration gegen die Schließung der Gynäkologie- und Geburtshilfeabteilung am vergangenen Sonntag auf den Krankenhausparkplatz. Der dort formierte Menschenzug marschierte zum Hauptplatz, um die Zufahrt zum Landesklinikum nicht zu versperren.

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Initiatorin Michaela Köck bedankte sich bei den Menschen für das zahlreiche Erscheinen und beim Waidhofner ÖVP-Bürgermeister Robert Altschach für die große Unterstützung.

Altschach sprach der Bevölkerung seinen Dank für das große Engagement aus, denn diese Initiative sei viel stärker, als wenn zwei, drei oder sogar 15 Bürgermeister bei Landesrat Karl Wilfing vorsprechen würden.

„Es ist für einen Kommunalpolitiker irrsinnig frustrierend, wenn man nur drei Tage im Vorhinein vom Landesrat erfährt, dass die Abteilung geschlossen werden soll und vorher kein Wort darüber gesprochen wurde“, betonte Altschach.

Er würdigte die besondere Leistung, innerhalb so kurzer Zeit bereits über 10.000 Unterschriften gegen die Gyn-Schließung gesammelt zu haben. „Ich habe in meiner ganzen kommunalen Tätigkeit noch nie ein solches Engagement aus der Bevölkerung und eine solche Einigkeit gesehen“, hob der Bürgermeister hervor.

„Hätte man nach Zwettl fahren müssen,
wäre es zu spät gewesen! Eine Geburtenabteilung
gehört zur Grundversorgung eines jeden Bezirks!“
Ulrike Pecina, Hebamme

„Ich war 35 Jahre mit Leib und Seele Hebamme und habe über 3.000 Babys zur Welt gebracht“, meinte die früher in Waidhofen tätige Ulrike Pecina, die betonte, dass die Geburtshilfe in Allentsteig und die Geburtshilfe in Gmünd bereits geschlossen worden sind. „Trotz des hervorragenden Rufes soll jetzt Waidhofen geschlossen werden. Auch die Rettung wird in der Peripherie über eine Stunde ins Krankenhaus brauchen!“, sagte Pecina. Sie warf die Frage auf, wieviel den Verantwortlichen das Leben des Kindes und der Mutter Wert sei und schilderte einen dramatischen Vorfall in der eigenen Familie: Nach der Lösung der Plazenta war der Kaiserschnitt bereits nach 25 Minuten durchgeführt worden. „Hätte man nach Zwettl fahren müssen, wäre es zu spät gewesen! Eine Geburtenabteilung gehört zur Grundversorgung eines jeden Bezirks!“, meinte Pecina weiter.

Weiters verstehe sie auch nicht das Ungleichgewicht, denn südlich der Donau gäbe es in Niederösterreich zwölf Krankenhäuser mit Geburtenstationen, wenn Waidhofen geschlossen wird, gibt es für das gesamte Waldviertel nur mehr drei: in Krems, Zwettl und Horn. „Sind wir Gottes zweite Garnitur und wer ist hier der liebe Gott?“, efragte die ehemalige Hebamme unter viel Applaus und Jubel energisch.

„Ich habe in 25 Jahren mein ganzes Herzblut in die Waidhofner Abteilung gesteckt“, meinte der ehemalige Primarius der Gynäkologie Waidhofen, Johannes Burkl, der auch in der ORF-Sendung „Konkret“ am Montag gegen die Schließung auftrat „Wenn mit geschönten Zahlen gearbeitet wird, ist das nicht sehr fein“, so Burkl.
FPÖ-Vizebürgermeister und Landtagsklubobmann Gottfried Waldhäusl kündigte an, im Landtag den Antrag zu stellen, den Beschluss zur Schließung aufzuheben.

„Ich werde jedem einzelnen der 55 Abgeordneten nochmals klarmachen, dass sie sich schuldig machen. Das ist Mord an einer gesamten Region!“ Verkehrsforum Waldviertel-Obmann Josef Baum erklärte, dass er eine Studie zum Infrastrukturabbau gemacht habe. „Die kritische Größe der minimalen Infrastruktur ist erreicht. Wenn noch mehr weggenommen wird, dann müssen die Leute der Region als Wirtschaftsflüchtlinge auswandern“, betonte der Akademiker.

„Wenn unser Protest nicht gehört wird,
was sollen wir machen? Sollen wir schießen?"
ÖVP-Bundesratsabgeordneter Eduard Köck versucht,
sich nach Pfiffen zu rechtfertigen.

ÖVP-Bundesratsabgeordneter Eduard Köck hob hervor, dass er sofort mit Altschach Protest angemeldet habe, als er von der Schließung konkret erfahren habe. „Wir müssen aber auch einsehen, dass in Österreich in den letzten Jahren 14 Geburtenstationen geschlossen wurden“, meinte Köck und bekam dafür Pfiffe und Buh-Rufe von den Demonstranten. „Wenn unser Protest nicht gehört wird, was sollen wir machen? Sollen wir schießen? Ich bin hier nicht der Verantwortungsträger“, versuchte sich Köck zu rechtfertigen, was ihm aber abermals nur Pfiffe und Buh-Rufe einbrachte.

Bezirkssprecher Martin Litschauer von den Grünen betonte, dass sich Verantwortung nie mit betriebswirtschaftlichen Zahlen messen lasse. „Es gibt aber sehr wohl ein Faktum, das zeigt, dass der Standort gebraucht wird - und zwar die Entfernung. Das Risiko darf hier nicht noch größer werden, hier gilt es, Verantwortung zu übernehmen“, äußerte Litschauer.