Erstellt am 10. September 2015, 06:47

von Michael Schwab

Starker Zuwachs an Radlern. Neuer Radweg und stabiles Wetter führten zu einem deutlichen Gäste-Plus.

Johann Mayer, Leiter des JUFA Raabs, berichtet von guter Auslastung und ausreichenden Alternativen für Aktivurlauber.  |  NOEN, Michael Schwab

Der Sommer 2015 war ein Sommer der Hitzerekorde: Laut Wetterdienst ubimet war der Juli der heißeste Monat seit Beginn der Messungen 1767. Im östlichen Flachland gab es heuer über 40 Tage mit Werten jenseits der 30-Grad-Marke. Das hat vielen Branchen gute Umsätze beschert. Die NÖN hat nachgefragt, wer von der Hitze am meisten profitiert hat.

Ein Gewinner des heißen Sommers ist ohne Zweifel der Tourismus. „Vor allem die Zahl der Radfahrer ist stark gestiegen, nicht zuletzt auch wegen des Radwegs Thayarunde.

Unter den Radfahrern sind viele Gäste, die sich im Vorhinein nicht anmelden, sondern spontan kommen, sogenannte ‚Walk-Ins‘, wie wir in der Tourismusbranche sagen. Diese Leute kommen einfach spontan, und wir konnten gerade bei dieser Gästekategorie einen deutlichen Zuwachs verzeichnen“, fasst Gernot Holnsteiner, Direktionsassistent des Waidhofner Stadthotels zusammen. Die lange stabile Wetterlage habe seiner Ansicht nach dazu geführt, dass sich mehr Radtouristen zu größeren Touren entschlossen haben, da das Schlechtwetterrisiko gering war.

Auch Wanderer und Individualgäste, welche etwa das Thayatal erkunden wollen, seien im Sommer stärker als sonst vertreten gewesen. „Diese Gäste sind dann oft sehr erstaunt, was man hier bei uns im Waldviertel alles anschauen und tun kann“, berichtet Holnsteiner.

Kanufahren war heuer nicht möglich

Über einen guten Sommer freut sich auch Johann Mayer, der Leiter des Jugend- und Familiengästehauses (JUFA) in Raabs. „Ich kann mich nicht beklagen, wir waren gut ausgelastet“, erklärt Mayer. Da seine Gäste vor allem Aktivurlauber seien, hätten sich durch die fürs Waldviertel ungewöhnlich hohen Temperaturen gewisse Herausforderungen ergeben.

„Sportliche Betätigung im Freien ist bei über 30 Grad nicht so gefragt. Wir haben die Gäste dann zu den zum Glück zahlreich vorhandenen Bademöglichkeiten wie dem Waldbad oder dem Waidhofner Freibad geschickt, oder ihnen Museen und andere Indoor-Ziele nahegelegt“, gibt Mayer zu bedenken.

Durch die lange Trockenheit und den damit verbundenen niedrigen Pegelstand der Thaya fiel auch das beliebte Kanufahren sprichwörtlich ins fehlende Wasser. „Außerhalb der Staube reiche war kein Fahren möglich. Die üblichen Action-Touren fielen damit flach. Das Gute an unserer Region ist, dass man den Gästen genug Alternativen empfehlen kann. Wenn man nur Badeteiche und sonst nichts hätte, wäre das etwas eintönig“, meint Mayer.

"Die Tschechen sind ein radbegeistertes Volk,
und der neue Radweg lädt ein, über die Grenze zu fahren.
Wenn er fertig ist, wird es noch besser!“
Heinrich Strohmer, Raabs

Eine weitere Auswirkung der Hitze war eine Verschiebung der Zeiten, zu denen die Leute Schanigärten aufsuchen. „Zu Mittag war eher weniger los, da war es zum Sitzen im Freien einfach zu heiß. Dafür ging es dann am Abend richtig rund, wie im Süden“, erinnert sich der Raabser Wirt Heinrich Strohmer. Unter den Gästen seien sehr viele Radfahrer gewesen, vor allem aus Tschechien. „Der Anteil der Radler aus Tschechien war höher als jener aus Österreich. Die Tschechen sind ein sehr radbegeistertes Volk, und der neue Radweg lädt dazu ein, über die Grenze zu fahren. Ich denke, wenn er fertig ist, wird es noch besser werden“, ist Strohmer überzeugt.

Er weißt aber auch auf die Schattenseite der Hitzewelle hin: „Kanuwandern war dadurch leider nicht möglich, man konnte nur in den Staube reichen noch fahren“.

Auf der Suche nach Abkühlung abseits der Freibäder und Badeteiche, wo, wie im Waidhofner Freibad die Besucherzahlen buchstäblich in die Höhe schnellten, waren auch Ventilatoren äußerst gefragt. Zum Schluss sogar so stark, dass es zu Engpässen kam.

„Wir waren ausverkauft. Wir haben uns aufgrund der Erfahrungen aus den letzten Jahren ein großes Lager angelegt. Ein bis zwei Tage, bevor es jetzt kälter wurde, sind uns die Ventilatoren dennoch ausgegangen“, berichtet Gregor Hörmann, der Geschäftsführer von Expert Hörmann. Von Nachbestellungen habe man aufgrund der Preisentwicklung abgesehen. „Die Lieferanten haben geglaubt, sie können sich jetzt eine goldene Nase verdienen. Diese Erhöhung wollten wir unseren Kunden aber nicht zumuten. Warum sollen sie 50 Euro für ein Produkt zahlen, das 30 Wert ist?“, meint Hörmann.

Mitunter wurden manche Leute, die sich sportlich betätigen wollten und nicht gerade schwimmen gehen wollten, auch kreativ. Die Hitze trieb sie etwa ins klimatisierte Fit ins Waidhofen, wo sich die Eigentümerin Elisabeth Bittner zunächst über die Flut von Neuanmeldungen mitten im Sommer wunderte.


Die Gewinner der Hitzewelle

Tourismus: Die stabile Wetterlage lockte Radfahrer, Wanderer und Individualtouristen ins Waldviertel. Ein Mix von Freizeitmöglichkeiten von Baden bis Kultur ermöglichte auch bei hohen Temperaturen und gewissen Einschränkungen (z.B. kein Kanuwandern aufgrund des niedrigen Wasserstandes in der Thaya) eine ansprechende Freizeitgestaltung.

Freibäder: Die Besucherzahlen schnellten in die Höhe, in Waidhofen wurden gegen Ende der Hitzewelle mehr als doppelt so viele Badegäste wie im Vorjahr (23.000 statt 11.000) gezählt.

Gastronomie: Laue Abende luden zum Verweilen in Gast- und Schanigärten ein. Außerdem kamen vermehrt Radfahrer aufgrund des neuen Radwegs „Thayarunde“.

Elektrohandel: Ventilatoren waren derart gefragt, dass es sogar zu Engpässen kam.