Karlstein an der Thaya

Erstellt am 27. Juli 2016, 04:40

von Redaktion Gmünd

Im Gespräch mit Feuerwehr-kommandant Erwin Hofstätter. Hagel machte sofortiges Ausfahren unmöglich, Ausfälle von Strom und Handynetz erschwerten die Kommunikation. Einsatz dauerte bis Freitag Mittag.

Der Kommandant der Feuerwehr Karlstein, Erwin Hofstätter, zeigt die enormen Schäden durch den Sturm im sogenannten Holzgraben, der noch immer für den Verkehr gesperrt ist.  |  NOEN

Die Marktgemeinde war das Zentrum der schweren Verwüstungen durch Sturm und Gewitter am Donnerstag. Der Kommandant der Feuerwehr Karlstein, Erwin Hofstätter, erinnert sich an den Abend.

NÖN: Wie ist das Unwetter am vergangenen Donnerstag losgegangen?

Erwin Hofstätter: Wir haben am Abend schon mächtige Wolken bemerkt und dann über das Regenradar auch gesehen, dass sich das Unwetter in unsere Richtung bewegt. Um 21.30 Uhr ist dann der Wind losgegangen und wir sahen eigenartige Blitze unter der Wolkendecke, die fast nicht abgerissen sind.

Wie ging es dann weiter?

Hofstätter: Um 21.43 Uhr genau wurden wir durch die Landesfeuerwehrzentrale in Tulln alarmiert, da begann dann auch schon der Sturm, wobei ich fast glaube, dass es sich dabei schon um einen Tornado gehandelt hat. Da hat es auch schon zu hageln begonnen, wobei das Eis ungefähr die Größe des oberen Daumengliedes hatte.

Sind sie dann gleich ausgerückt?

Hofstätter: Nein, das war nicht möglich, weil der Hagel so stark und die Sicht viel zu schlecht war. Dann ging es Schlag auf Schlag: Der Strom ist ausgefallen, das Handynetz hatte ebenfalls Ausfälle und ab 22 Uhr bekamen wir ständig Meldungen, dass Bäume umgestürzt sind, so zum Beispiel in der Thuma-Straße, dem Holzgraben und in der Raabser Straße, wo auch ein Felsbrocken auf die Straße gefallen war, auf den ein Auto aufgefahren ist.

Schäden in Karlstein an der Raabs nach einem Hagelunwetter am 21. Juli samt Tornado; die Schäden im Bezirk Waidhofen/Thaya werden auf bis zu zwei Millionen Euro geschätzt.  |  NOEN, Hannes Ramharter

Aufgrund der Netzstörungen waren alle Meldungen sehr schwer verständlich und wir konnten Feuerwehr-intern eigentlich nur über Handfunkgeräte miteinander kommunizieren.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Hofstätter: Wir haben mehrere Gruppen zusammengestellt, um die verschiedenen Vorfälle aufarbeiten zu können. Ein weiteres Problem war dabei, dass wir durch den Dunst nur eine sehr eingeschränkte Sicht hatten.

Wie lange hat der Einsatz dann noch gedauert?

Hofstätter: Bis 3 Uhr, dann haben wir noch mit der Polizei vereinbart, dass der Holzgraben zur Gänze gesperrt wird. Am Freitag waren wir dann auch noch bis Mittag im Einsatz, dann haben wir abgebrochen, sodass sich einmal jeder Feuerwehrkamerad auch um sein eigenes Haus kümmern konnte.

Welchen Eindruck haben Sie von dem Unwetter drei Tage später?

Hofstätter: Es war wie ein Weltuntergang, alles ist von der Seite gekommen, auch der Hagel, der so sogar Fenster zerstört hat. Das Wasser wurde in manchen Gebäuden durch die Fenster hineingedrückt. Den „Praterstern“ - das ist die Kreuzung der Hauptstraße Richtung Holzgraben - mussten wir mit Baggern vom Eis befreien. Und auch heute noch gibt es zum Beispiel vor dem Feuerwehrhaus und im Holzgraben enorm große Haufen von Eis.

Welche Feuerwehren waren im Einsatz?

Hofstätter: Außer der Feuerwehr Karlstein waren noch die Wehren aus Obergrünbach, Eggersdorf, Goschenreith, Speisendorf, Thures, Münchreith und Griesbach im Einsatz, insgesamt aus dem Gemeindegebiet von Karlstein rund 100 Personen.

Wenn man Sie drei Tage danach fragt, was sie heute noch ärgert?

Hofstätter: Dass es zum Beispiel Neugierige gibt, die die Absperrung des Holzgrabens ignorieren und trotzdem mit dem Auto dort einfahren, ohne zu wissen, wie weit sie überhaupt durchkommen und wie sehr sie sich in Gefahr begeben.