Erstellt am 06. Januar 2016, 06:03

von Redaktion Gmünd

Vom Windpionier zur Elektromobilität. Nun kann man vor der „ella“ Zentrale auch sein E-Auto laden. Andreas Dangl will weitere Akzente für E-Mobilität setzen.

»ella«-Chef Andreas Dangl mit seinen Mitarbeitern Lisbeth Albrecht und Ewald Redl vor dem neuen Firmengebäude in Pfaffenschlag, das zugleich eine Schnellladestation ist und das gleiche Design aufweist, wie alle anderen »ella«-Ladestationen.  |  NOEN, Hannes Ramharter
Das Zeitalter der Elektromobilität hat endgültig begonnen. Knapp neben der Mutterfirma W.E.B. Windenergie AG hat „ella“ in Pfaffenschlag nicht nur ein eigenes Firmengebäude, sondern auch eine Standard-Schnellladestation errichtet.

Damit zeigt „ella“ an seinem Firmensitz, wie die über das gesamte Bundesgebiet verstreuten Schnellladestationen aussehen werden, wobei es zum Unterschied von Pfaffenschlag bei den anderen Stationen zusätzlich eine zweite Ladesäule geben wird.

Warum man so etwas in Pfaffenschlag braucht? - Eigentlich würde man dort so etwas noch nicht brauchen, wäre da nicht die W.E.B., die zunehmend elektrisch unterwegs ist und 2016 zusätzlich fünf neue Elektro-Autos bekommen wird. Doch „ella“-Vorstand Andreas Dangl - Windkraftpionier im Waldviertel der ersten Stunde - denkt weiter: „Unsere Ladestation erhöht die Einsatzfähigkeit der E-Autos entlang der Bundesstraße 5 und im gesamten nördlichen Waldviertel, das ist für Einheimische genauso interessant wie für Durchreisende und für Touristen.“

Andreas Dangl ist überzeugt, dass sich die E-Mobilität trotz der derzeit eher günstigen Benzinpreise rasch weiterentwickeln wird. So hat zum Beispiel der neue Nissan bereits eine Reichweite von 150 Kilometer, Ende 2016 wird es bereits Autos geben, die rund 300 Kilometer Reichweite haben.

„Die E-Mobilität ist wie ein Wetterleuchten
am Horizont. Man sieht es schon!“
Andreas Dangl CEO bei „ella“

„ella“ hat sich das Ziel gesetzt, Österreich flächendeckend mit Ladestationen zu versorgen. Natürlich sucht man dabei die Nähe zu Hauptverkehrsrouten, wie zum Beispiel neben der Donauuferautobahn bei Stockerau (Kaiserrast) oder in Brunn am Gebirge und im Auhof-Center nahe der Wiener Westausfahrt. Auch in Wieselburg soll es eine „ella“-Ladestation geben, der Plan ist, dass man alle 60 Kilometer eine Ladestation anfahren kann.

Auf klassischen Autobahnraststationen wird es „ella“ vorerst nicht geben, da dort für den benötigten Grund ein sehr hohes Kostenniveau besteht, daher will man die Stationen vor allem an Schnittstellen mit wichtigen Bundesstraßen errichten, wie zum Beispiel in der Nähe von Sattledt in Oberösterreich. Auch mit Hofer wurde eine Partnerschaft geschlossen und „ella“-Ladestationen wird es künftig auch bei wichtigen und strategisch gut gelegenen Hofer-Märkten geben.

x  |  NOEN, zVg


Weil man sich beim Laden schon einige Minuten bei der Ladestation aufhalten wird - 80 Prozent der Ladung sind in 20 bis 30 Minuten erledigt - gibt es auch Überlegungen, ob man dazu auch etwas braucht wie zum Beispiel einen Shop, ein Restaurant oder Cafe.

Auch eine Erweiterung der Stationen bei zunehmendem Bedarf ist jederzeit möglich. Grundsätzlich kann man pro Säule zwei Autos aufladen, weil es immer zwei Säulen geben wird, also insgesamt vier.

Dangl verrät auch ein Grundprinzip der E-Mobilität: „Schnellladen ist teurer als normales Laden. Der Kunde wählt aus, je nachdem wie viel Zeit er hat.“ Für 100 Kilometer muss man derzeit beim Schnellladen zwischen fünf und sechs Euro bezahlen. Wenn man daheim lädt - man braucht dazu lediglich Kraftstrom - ist das rund um die Hälfte billiger. Die Ladestation in Pfaffenschlag zum Beispiel entspricht vom Stromanschluss her einer größeren Tischlerei.

Derzeit behandelt „ella“ das Waldviertel, Weinviertel und Mühlviertel beim Ausbau der Ladestationen leicht vorrangig, weil sehr viele W.E.B. Aktionäre aus diesen Regionen sind. So sollen demnächst auch Ladestationen bei Freistadt und in Zwettl kommen.

Die Finanzierung des „ella“-Netzes soll wieder über Bürgerbeteiligung funktionieren. Es wird ein Modell geben, dass Personen, die sich am Unternehmen beteiligen ein Mitladerecht für 50 Jahre bekommen, erklärt Andreas Dangl weiter. Dieses soll auch verwertbar und verschenkbar sein. „Wir wollen, dass die Personen, die beim Aufbau geholfen haben, langfristige Nutznießer sein können“, stellt Dangl klar.

Nach großem Risiko sieht das Engagement im Moment nicht aus, „wenn man die E-Mobilität genauer kennt“. Und regionalwirtschaftlich gesehen will „ella“ für die Nutzer „meine Tankstelle“ sein.
Andreas Dangl ist jedoch mit „ella“ nicht nur mit dem Ausbau des Ladestations-Netzes beschäftigt, er ist auch immer wieder Ansprechpartner für Personen, die an der E-Mobilität interessiert sind. Daher soll man zukünftig bei „ella“ auch E-Autos zum Testen ausleihen können. „Für mich ist E-Mobilität mehr, als Ladesäulen aufzustellen“, meint Dangl.



Und es wäre nicht Andreas Dangl, wenn er nicht nochmals über den Tellerrand blickt. Er will ein Modell entwickeln, in dem Kurgäste der Region oder Urlauber ein E-Auto ausleihen können, um damit die Region zu erkunden - ähnliche Modelle gibt es bereits in Deutschland und der Südsteiermark.
Bezahlen wird man mit einer Karte können, es wird bereits ein Verrechnungssystem geschaffen, sodass man mit der Karte nicht nur bei einem Anbieter, sondern bei mehreren laden kann.

Doch auch bei größeren Firmen soll man sein E-Auto laden können, ebenso in Einkaufszentrem, wie dies in Krems auch bereits verwirklicht wurde. „ella“ bietet solchen Firmen vor allem das Verrechnungssystem an.
Andreas Dangl, der 1995 dank seiner Windkraft-Aktivitäten von der NÖN Waidhofen zum Mann des Jahres erkoren wurde, sieht die E-Mobilität so wie ein Wetterleuchten am Horizont: Man sieht es schon!