Erstellt am 07. April 2016, 05:34

von Michael Schwab

Abschied von der „Gyn“. Mit Expertengutachten wurde Hoffnung auf den Erhalt zerstreut, Bürgerinitiative verabschiedete sich unter Tränen.

Betretene Gesichter bei der Kundgebung und Umut über die Gyn-Schließung: Der Waldkirchner Bürgermeister Rudolf Hofstätter, der Waidhofner Bürgermeister Robert Altschach, Martina Frey-Freyenfels, Ulrike Pecina, Christine Pröstling, Tina Novak, der Groß Sieghartser Bürgermeister Gerald Matzinger, Gregor und Petra Kapinus, Reinhard Ringl, Alexandra Weber, Josef Baum, Franz Pfabigan und Martin Litschauer.  |  NOEN, Michael Schwab
Mit Tränen und weißen Lilien verabschiedeten sich die Frauen der Bürgerinitiative „Pro Gyn Waidhofen“ am Donnerstag auf der Geburtshilfestation vom Stationspersonal.

Die Initiative hatte außerdem im Vorfeld zu einer Kundgebung auf den Krankenhausparkplatz um 18.30 Uhr geladen. Angesichts des Ergebnisses des Expertengutachtens zur Schließung der Gynäkologie und Gerburtshilfe war es eine Trauerstunde, zu der über 100 Besucher gekommen waren. Liedermacher Günther Novak brachte mit nachdenklichen Liedern die von Enttäuschung getragene Stimmung zum Ausdruck, die sich auch deutlich in den Gesichtern der anwesenden Bürger zeigte.

„Leider gibt es keinen schönen Grund, warum wir hier sind. Ich habe vom Büro Pröll bzw. der Holding erfahren, dass die Stationen morgen (Freitag, 1. April, Anm.) dicht sind. Wir haben uns gerade auf der Station unter Tränen verabschiedet“, verkündete Petra Kapinus, die Sprecherin der Initiative, die dabei selbst mit den Tränen kämpfte.

Die letzte Hoffnung, Landeshauptmann Erwin Pröll könnte die Schließung der Abteilungen am Landesklinikum Waidhofen noch abwenden, wurde am Vormittag endgültig zerstreut.
In einer Zusammenfassung des Gutachtens der internationalen Prüfer Thomas Eggimann (Generalsekretär der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe) und Birgit Seelbach-Göbel (1. Vizepräsidentin der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und Fachgesellschaften) wird die Richtigkeit der Entscheidung, die Stationen in Waidhofen zu schließen, auf Grundlage der bereits umfassend vorhandenen Daten der NÖ Landeskliniken-Holding und international publizierter Studien bestätigt.

Kritik am neuen Expertengutachten

So schreibt Eggimann: „Wenn an einer Klinik Geburtshilfe sicher betrieben werden soll, muss permanent eine Notfallsectio durchgeführt werden können. Wenn ich Ihre Zahlen von Geburten und notwendigen Stellen (am Beispiel der Hebammen) vergleiche, dann wird offensichtlich, dass die Vorhalteleistungen in keinem Verhältnis stehen.“

Seebach-Göbel sieht es ähnlich. „Die Studienlage spricht im Trend für eine niedrigere perinatale Mortalität (Todesfälle bis zum siebenten Tag nach der Geburt) in Kliniken mit hoher Geburtenzahl, eine eindeutige Evidenz zur Kausalität zwischen Entfernung zur geburtshilflichen Einrichtung und perinataler Sterblichkeit liegt nicht vor“, schreibt sie.

Josef Baum, der Obmann des Verkehrsforums Waldviertel, nahm das neue Expertengutachten scharf in die Kritik. „Aus meiner Sicht ist komisch, dass nur zwei der drei Gutachter auf der Zusammenfassung des Gutachtens stehen“, führte Baum an und spekulierte, dass die Experten möglicherweise nicht einer Meinung gewesen seien.

„Aufgeben tut man einen Brief -
ich werde nicht müde werden zu betonen,
dass eine Geburtenstation für mich
zur Grundversorgung gehört.“
Waidhofens Bürgermeister Robert Altschach.

Schwer entsetzt zeigte sich die langjährige Hebamme Ulrike Pecina über das Ergebnis der Gutachten. „Wir haben sicherlich immer eine sehr gute und frauenfreundliche Abteilung geführt. Es tut fürchterlich weh, wenn man jetzt hört, dass wir dazu nicht die Kompetenz haben“, wandte sich Pecina an die Zuhörer.
Steuerberater Hanno Wobisch plädierte, realistische Ziele zu verfolgen. „Eine Ambulanz soll die Zielrichtung sein“, betonte Wobisch. Als erster Vertreter der Politik kam der Groß Sieghartser Bürgermeister Gerald Matzinger (SPÖ) zu Wort. „Ich bin maßlos enttäuscht und angefressen. Mir tut es sehr leid für euch, die ihr euer Herzblut reingesteckt habt“, fand Matzinger deutliche Worte.

Der Waidhofner Bürgermeister Robert Altschach (ÖVP), der in einem schriftlichen Statement am Nachmittag von einem schweren Schlag sprach, sich zugleich aber beim Landeshauptmann auch für die erfolgte neuerliche Prüfung bedankte, brachte bei der Kundgebung seinen Unmut deutlicher vor. „Ich bin schwer angefressen, weil ich die leise Hoffnung hatte, dass sich der Landeshauptmann noch einmal der Sache annimmt. Aufgeben tut man einen Brief - ich werde nicht müde werden zu betonen, dass eine Geburtenstation für mich zur Grundversorgung gehört“, nahm Altschach Stellung.

Stadtrat Martin Litschauer, Bezirkssprecher der Grünen, versprach, man werde der Holding künftig mehr auf die Finger schauen, auch im Landtag. „Bedürfnisse kann man nur befriedigen, nicht wegdiskutieren. Das muss man den betreffenden Herren noch klarmachen“, hob Litschauer hervor.

Zum Schluss der Kundergebung wandte sich noch einmal Petra Kapinus an die Zuhörer: „Ich hoffe, Sie stehen weiter hinter uns!“

Zitiert

„Ich bin überzeugt, dass unsere Geburtenbadewanne bald herausgerissen wird. So viel zum Geld!“
Uli Pecina, Hebamme

„Es ist eine Frechheit, dass keiner vom Land da ist. Ich finde, wir sollten weitermachen.“
Gerald Matzinger, Bürgermeister der Stadt Groß Siegharts

„Positiv an der Sache ist, dass sich eine derartig große Bürgerbewegung etabliert hat.“
Robert Altschach, Bürgermeister von Waidhofen

„Es stellt sich die Frage, ob die Personen, die die Holding führen, die richtigen sind, oder ob man sie bei nächster Gelegenheit austauschen sollte.“
Martin Litschauer, Stadtrat und Bezirkssprecher der Grünen

„Wenn man ein Gutachten in Auftrag gibt und bezahlt, erwartet man auch ein bestimmtes Ergebnis.“
Franz Pfabingan, Stadtrat der SPÖ
 


Fahrt zur Sitzung des NÖ Landtags

Die Initiative „Pro Gyn Waidhofen“ plant eine Fahrt zur Landtagssitzung im Landhaus in St. Pölten am 21. April. Der Beginn der Sitzung ist um 13 Uhr. Wie bei der Kundgebung zu hören war, soll es im Rahmen der Sitzung eine „Aktuelle Stunde“ geben, in der das Thema Gynäkologie Waidhofen/Thaya auch nochmals zur Sprache kommen dürfte.