Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 01. Dezember 2016, 03:30

von Michael Schwab

Geburtstag: Ältester Waidhofner spielt täglich Karten. Leopold Dungler trifft sich mit 102 Jahren noch immer jeden Tag im Wirtshaus mit seinen Freunden zum Schnapsen.

In seiner Schnapserrunde fühlt sich Leopold Dungler (3.v.l.) besonders wohl: Dungler mit Franz Gegenbauer, Anton Hofmann, Werner Neuwirth, Johann Litschauer und Herbert Wimmer im Gasthaus Kirchenwirt Jöch.  |  NOEN, Schwab

Seinen 102. Geburtstag feierte kürzlich Leopold Dungler. Er ist damit der älteste männliche Bürger der Stadt Waidhofen.

Nach wie vor trift er sich täglich mit seiner Stammtischrunde zum Schnapsen und lebt immer noch zu Hause. „Es geht mir ganz gut, ich bin zufrieden. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich ins Wirtshaus gehen kann, um mit meinen Kameraden zu schnapsen“, erzählt Dungler im Gespräch mit der NÖN. Außer an Samstagen trifft sich die Runde stets beim Kirchenwirt Jöch in Waidhofen, am Samstag (Ruhetag) weichen sie ins Stadtpub Löffler aus.

" Ich will nicht, dass am Ende jemand durch mich zu Schaden kommt"

„Ich spiele seit Jahrzehnten Karten, seit ich in der Pension bin, jeden Tag. Das ist mir sehr wichtig“, betont Dungler, der bis zum Sommer noch selbst mit dem Auto fuhr. „Ich bin 79 Jahre lang gefahren, und hatte nie einen Unfall. Jetzt habe ich aber selber erkannt, dass es sinnvoller ist, nicht mehr selber zu fahren. Ich will nicht, dass am Ende jemand durch mich zu Schaden kommt“, erklärt Dungler, warum er das Autofahren schließlich aufgab.

Dungler hatte vor dem zweiten Weltkrieg bei der Fleischerei Schöfbeck das Fleischerhandwerk gelernt. Er machte den Lkw-Führerschein und fuhr mit dem Lastwagen ein bis zweimal wöchentlich nach Wien zum Großmarkt. „Die erste asphaltierte Straße begann in Niederrußbach, man brauchte zweieinhalb bis drei Stunden nach Wien“, erinnert sich Dungler.

Im Krieg habe er großes Glück gehabt, dass er als Generalsfahrer eingesetzt wurde. „Das ersparte mir die Front“, ist Dungler überzeugt. Bekannt wurde er in Waidhofen als „Kirchenwirt“, als er 1946 in den Witwenbetrieb von Paula Langer eintrat und sie 1948 heiratete. Gemeinsam führten sie 25 Jahre lang das Wirtshaus.

„Mich erkennen auch heute noch immer wieder Gäste von damals“, erzählt Dungler. An seinem 102. Geburtstag ließ er die Schnapserrunde ausnahmsweise ausfallen, um die Glückwünsche am Telefon zu Hause entgegennehmen zu können. „42 Leute haben angerufen“, freut sich Dungler. Dankbar ist er auch für die Hilfe, die er von seinen Freunden und Nachbarn erhält. „Wenn ich eine Zeitung ins Fenster stecke, weiß meine Nachbarin sofort, dass ich etwas brauche. Und ein Bekannter bringt mich mit dem Auto ins Wirtshaus“, führt Dungler an.