Erstellt am 25. Mai 2016, 06:14

von Redaktion Gmünd

Historisch: Golfplatz „renaturiert“ sich. Millioneninvestition verfällt, weil Betreiber keinerlei Interesse mehr haben und auch einen Verkauf nicht zustandebrachten.

Eigentlich nicht mehr als Fairway erkennbar: Die Spielbahn 13 auf dem Golfplatz in Waidhofen, die bereits von der Natur zurück erobert wird.  |  NOEN, Hannes Ramharter

Die Stadt Waidhofen wird demnächst in die Geschichtsbücher des österreichischen Golfsports eingehen, leider aber auf der negativen Seite.

Wie es derzeit aussieht - die NÖN konnte sich in der Vorwoche von einem öffentlichen Weg aus davon überzeugen - sind die Fairways bereits komplett zugewuchert und die Grüns beginnen ebenfalls durchzuwachsen und vermutlich auch zu verfaulen.

Das bedeutet, dass für den Golfplatz nur mehr eine wahrscheinlich ganz kleine Frist besteht, innerhalb der dieser ohne weitreichende Investitionen nochmals gerettet werden könnte.

Und damit würde in Waidhofen ein historischer Moment eintreten. Noch nie ist in Österreich ein bestehender Golfplatz „renatuiert“ worden, weil die Betreiber kein Interesse mehr daran hatten. Dies ergaben Recherchen beim Österreichischen Golfverband.

Und das scheint tatsächlich so zu sein: Zuerst gab es das Verkaufsangebot der AT Golf GmbH an die Grundbesitzer, dann gab es Verhandlungen mit Interessenten aus der Region rund um den noch bestehenden, aber von der AT Golf Gmbh „entmachteten“ GC Waidhofen, die jedoch scheiterten.

Maschinen weggebracht und Beiträge verlangt

Das Personal wurde zur Gänze gekündigt, die Maschinen wurden von den Besitzern abtransportiert. Allerdings wurden jedoch vom Waidhofen Golf&Country Club Beitragsvorschreibungen an die in Waidhofen spielenden Golfer versandt (Mitglieder hat dieser Club nur ganz wenige, praktisch nur die von den Besitzern eingesetzten Funktionäre).

Rund 24.000 Euro dürften dafür einbezahlt worden sein. Gleichzeitig wurde allerdings der Club mit einer Forderung der Hotel-Gmbh konfrontiert, in der für die Benützung von Räumlichkeiten in den vergangenen vier Jahren 48.000 Euro in Rechnung gestellt wurden.

Darüber hinaus wäre für die Grundstückseigentümer die Pacht bereits Ende März fällig gewesen, sie erhielten jedoch bis jetzt kein Geld.

Dadurch sind von Golfspielern, die ihren Spielbeitrag bezahlt haben, Klagen gegen die AT Golf GmbH eingebracht worden. Auch Verpächter lassen sich bereits durch Anwälte vertreten.

Zukunft des Golfplatzes ist fraglich

In einem Gespräch mit einem Verpächter wurde klargelegt, dass es in den Pachtverträgen eine Klausel gibt, dass es im Falle einer Auflösung des Golfplatzes zu einem Rückbau des Platzes und zur Wiederherstellung der früheren Grundstücksflächen kommen muss.

Auch das ist teuer - wer das nun durchführen muss, erscheint mehr als fraglich, da sich der Waidhofen Golf&Country Club laut Aukunft des Österreichischen Golfverbandes nämlich bereits aufgelöst hat - Präsident Boris Szezemski ist nach gut informierten Kreisen bereits im Jänner zurückgetreten.

Es ist zu befürchten, dass die AT Golf GmbH nun Insolvenz anmeldet und dass es daher völlig fraglich ist, ob man die Beiträge der Golfer zurückzahlen bzw. ob man den Golfplatz in den ursprünglichen Zustand zurückführen kann.

Von Waldviertler Sparkasse errichtet

Nicht betroffen davon ist derzeit das Hotel, das in einer eigenen GmbH ausgelagert ist und das von dieser durchaus verkauft werden könnte.

Der Golfplatz Waidhofen und das Thayatal Hotel wurden ab 1997 von der damaligen Waldviertler Sparkasse von 1842 (mit Sitz in Waidhofen) zu errichten begonnen.

Die offizielle Eröffnung erfolgte 1999. Für die Errichtung des von Max Lamberg entworfenen Golfplatzes wurden über 1,4 Millionen Euro (20 Millionen Schilling) an öffentlichen Fördermitteln aufgebracht, die Waldviertler Sparkasse von 1842 investierte rund 1,8 Millionen Euro (25 Millionen Schilling) und die Stadtgemeinde Waidhofen beteiligte sich mit rund 363.300 Euro (fünf Millionen Schilling).

Tschechen hatten das bessere Angebot gelegt

Nachdem die Waldviertler Sparkasse von 1842 ins Trudeln gekommen war, wurde das Hotel 2005 an eine österreichische Gruppe verkauft und schließlich ein Jahr später Hotel und Golfplatz von der tschechischen Gruppe erworben.

2011 war es zur Entmachtung des bisherigen Clubs GC Waidhofen gekommen und der Waidhofen Golf&Country Club wurde gegründet. Ab diesem Zeitpunkt gab es einen enormen Mitgliederschwund, und es blieb nur etwa ein Drittel der einstigen Mitglieder übrig. Auch aus der Waldviertler Golf-Vereinigung „Heart of Golf“ schieden die Waidhofner schließlich aus.

Wenn man heute mit Funktionären des GC Waidhofen bzw. Golfern spricht, die weiterhin in Waidhofen den Sport ausübten, dann hört man nur eines: Empörung und die Worte „Das ist eine Katastrophe, das ist ein Skandal!“

Alle Anrufe der NÖN im Thayatal Hotel, wo angeblich noch eine Bedienstete tätig ist, bleiben unbeantwortet.