Waidhofen an der Thaya

Erstellt am 08. November 2017, 06:00

von René Denk

Molkerei-Haus wird angeboten: Mieter sollen ausziehen. Milchgenossenschaft bietet einvernehmliche Auflösung der drei bestehenden Mietverträge an, doch die Mieter wollen lieber bleiben.

Die Milchgenossenschaft Niederösterreich will das Gebäude zwischen Penny Markt und dem neuen Frank-Reisen-Bau verkaufen. Vielleicht müssen sich der Waidhofner Bauernladen, der Maschinenring Waldviertel Nord und die Energieagentur der Regionen bald einen neuen Standort suchen.  |  René Denk

Um 350.000 Euro wird das letzte verbliebene Gebäude der einstigen Molkereigenossenschaft Waidhofen-Waldkirchen, das nun zur Milchgenossenschaft Niederösterreich (MGN) gehört und sich zwischen Pennymarkt und den ehemaligen Postbusgaragen befindet, auf der Internetplattform „willhaben“ zum Verkauf angeboten.

Die Bemühungen, das Gebäude zu verkaufen, gehen schon zwei Jahre zurück, bestätigt MGN-Geschäftsführer Leopold Gruber-Doberer Gespräche mit einem Mitarbeiter des Bauernladens. In der Hans-Kudlich-Straße 2 sind der Waidhofner Bauernladen, der Maschinenring Waldviertel Nord und die Energieagentur der Regionen eingemietet.

Gruber-Doberer erklärt im NÖN-Gespräch, dass es derzeit keine Interessenten für das Gebäude gäbe, zumindest keinen, dessen Preisangebot für den Geschäftsführer interessant wäre. Vor rund zwei Wochen langte ein rechtsanwaltliches Schreiben bei den Mietern ein, das ihnen den Auszug bis zum 30. Juni 2018 nahe legt. Der MGN-Geschäftsführer bestätigt: „Wir haben den Mietern die Verkaufsabsicht mitgeteilt und ihnen eine einvernehmliche Auflösung der Mietverträge angeboten. Das ist aber keine Kündigung.“

Standortsuche für Maschinenring schwer

Für den Verkauf wolle man das Gebäude ohne bestehende Mietverträge anbieten, die MGN habe absolut kein Interesse, das Gebäude zu behalten. „Ob der neue Besitzer mit den Mietern neue Verträge macht oder nicht, ist dann seine Sache“, sagt Gruber-Doberer. Der Preis entwickle sich immer aus Angebot und Nachfrage, meint er auf die Frage, ob die 350.000 Euro ein Fixpreis seien. Ziel sei es, bis zur Jahresmitte 2018 zumindest eine Einigung mit den Mietern über den Zeitpunkt erzielt zu haben, an dem diese ausziehen.

Franz Mandl, Obmann des Waidhofner Bauernladens, meint: „Wir haben am 22. November mit Gruber-Doberer und den anderen Mietern Maschinenring und Energieagentur einen Gesprächstermin. Es wäre ewig schade, wenn wird dort weg müssten, der Standort ist gut“, sagt Mandl.

Maschinenring-Geschäftsführer Harald Weber betont, dass es grundsätzlich schwierig für das Unternehmen sei, in sieben Monaten einen neuen Standort zu finden: „Wir sind schon Jahre auf der Suche, am liebsten würden wir selbst in Waidhofen bauen.“

Man hatte es bisher aber weder eilig, noch fand man besonders ansprechende Grundstücke. „Wenn wir selbst bauen, würden wir ein Bürogebäude für rund 15 Personen und eine Halle mit 500 bis 600 m errichten“, skizziert der Geschäftsführer den Bedarf. Bis Mitte nächsten Jahres erscheine ein Neubau aber fast unmöglich zu sein.

Mieter wären bereit, mehr zu bezahlen

Energieagentur-Geschäftsführer Otmar Schlager sagt im NÖN-Gespräch, dass alle Mieter bereit wären, mehr Miete zu bezahlen: „Mit den geringen Mieten wird man keinen Käufer finden.“

Wenn man aber eine vernünftige Amortisationsrechnung anstelle und in Vorverträgen sich zu den höheren Mieten bereit erkläre, dann wäre ein Verkauf auch mit den bisherigen Mietern möglich. Gruber-Doberer habe aber nie eine höhere Miete oder dergleichen angesprochen. Das Schreiben des Rechtsanwalts stellt für Schlager eine Art Kündigung dar, denn „im Schreiben wollte man, dass wir eine Vereinbarung unterschreiben, dass wir bis 30. Juni das Gebäude räumen müssen“. Das haben, so Schlager, alle drei Mietparteien abgelehnt, deshalb fände nun das Gespräch mit der MGN statt.

Wenn man einen vernünftigen Investor fände, könnte man auch eine Mustersanierung anstreben, welche die MGN bisher abgelehnt hatte. „Diese wäre wirtschaftlich absolut unvernünftig. Ich bin Verwalter von fremdem Vermögen, auf dieses muss ich mehr aufpassen als auf mein eigenes“, meint Gruber-Doberer dazu. Er halte Vereinbarungen, die er gegeben habe — eben bis zum Juni 2018 die Verhältnisse so zu belassen. „Für mich gehörten da die günstigen Mietpreise auch dazu, daher habe ich auch in diese Richtung keine Überlegungen angestellt“, meint der MGN-Geschäfts führer.