Erstellt am 19. Juli 2017, 04:53

von Michael Schwab

Borkenkäfer bedroht Wälder im Bezirk. Lage ist schon ziemlich schlimm, betroffene Bäume müssen rasch entfernt und abtransportiert werden.

shutterstock.com/D. Kucharski, K. Kucharska

Extreme Trockenheit, hohe Temperaturen und warme Winde - für den Borkenkäfer herrschen heuer ideale Bedingungen.

Aufgrund des schneearmen Winters, der ausgebliebenen Winterfeuchte und des niederschlagsarmen Frühjahrs sind bereits jetzt massive Borkenkäferschäden in Fichtenbeständen festzustellen. „Der gesamte Bezirk ist betroffen, es ist ziemlich schlimm. Rasches Handeln der Waldbesitzer ist nun notwendig“, schildert Franz Fischer, Obmann der Waldwirtschaftsgenossenschaft den Ernst der Lage.

Durch die Dürre sind auch starke Bäume befallen. Hat sich der Borkenkäfer erst einmal unter der Rinde eingenistet und zu vermehren begonnen, gibt es für den Baum keine Rettung mehr. Die Käferlarven fressen Gänge in die saftführenden Schichten der Rinde, was bis zum Absterben des Baumes führen kann. „Oft handelt es sich um schöne, reife Bäume, die 100 Jahre alt sind, um die es wirklich schade ist“, erklärt Fischer.

Käferbefall mindert Wert des Holzes enorm

Von Borkenkäfern befallenes Holz lässt sich nur mit Preisabschlägen verkaufen. „Eine gute Fichte bringt 100 Euro, mit Käferbefall nur 70 Euro. Wir sprechen hier von einer Wertminderung von 30 Prozent“, rechnet Fischer vor. Die einzige Bekämpfungsmaßnahme ist, befallene Bäume rechtzeitig zu entfernen und aufzuarbeiten.

„Es ist wichtig, nicht nur den ‚Käferbaum‘ umzuschneiden, sondern auch die Bäume darum herum. Der Käfer hat sich darin mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bereits eingenistet, selbst wenn der Baum äußerlich noch gut aussieht“, führt Fischer aus. Befallenes Holz muss außerdem so schnell wie möglich aus dem Wald hinausgebracht werden. Bei einer Zwischenlagerung ist ein Sicherheitsabstand von mindestens 200 Metern zu befallsgefährdeten Beständen einzuhalten.

Kritisch, wenn grüne Nadeln abfallen

Erkennbar ist Borkenkäferbefall an typischen Warnzeichen: Zuerst kommt es zum Abfallen noch grüner Nadeln, es sind Einbohrlöcher und braunes Bohrmehl an der Rinde oder am Baumfuß zu erkennen, und ein verstärkter Harzfluss. Im fortgeschrittenen Stadium blättert die Rinde ab, und die Baumkronen verfärben sich rot. „Alle Waldbesitzer sind jetzt angehalten, ihre Wälder auf solche Käferbäume zu untersuchen und bei Befall entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Der Borkenkäfer kennt keine Grundstücksgrenzen, wenn jemand seinen Wald vernachlässigt, kann er dadurch auch seinen Nachbarn schädigen“, warnt Fischer. Wer selbst nicht in der Lage ist, sich um befallene Bäume zu kümmern, kann sich an den Niederösterreichischen Waldverband wenden. „Wir können von der Schlägerung bis zur Abfuhr alles abwickeln. Der Sinn ist, die kleinen Waldbesitzer zu unterstützen und zu stärken“ sagt Michaela Strohmer von der NÖ Waldverband GmbH. Jeder sei aufgerufen, Verantwortung für seinen Wald zu übernehmen. „Bleibt der Regen weiter aus, wird es keine Entspannung geben“, betont Strohmer.

Auf diesem stark befallenen Stamm sind die Fraßspuren und einige Käfer deutlich zu sehen.  |  Schwab

„Problematisch sind in diesem Zusammenhang hoffremde, nicht-bäuerliche Waldbesitzer, die ihren Wald irgendwann einmal geerbt haben und nicht hier leben. Diese Leute kennen oft nicht einmal die Grundstücksgrenzen ihrer Wälder“, merkt Fischer an und stellt klar, dass man einen Wald aktiv bewirtschaften müsse. Er rät, Altholzbestände, die „reif“ sind, zu ernten und nicht zu warten, bis der Borkenkäfer kommt. Es sei auch ein Umdenken bei der Bewirtschaftungsstrategie nötig, um auf die zunehmenden Wetterextreme zu reagieren.

„Die Fichte war in den letzten Jahrhunderten der Brotbaum der Holzwirtschaft. Das wird sich ändern müssen, man wird auf Tiefwurzler wie Kiefer, Lärche, Douglasie und Tanne umsteigen müssen, oder auf Laubholz, welches in der Regel nicht vom Borkenkäfer befallen wird“, meint Fischer.