Erstellt am 07. Oktober 2015, 04:27

von René Denk und Michael Schwab

Wirbel wegen Gynäkologie-Schließung: "Bin schockiert!". Büro Wilfing sieht mit dem Aufbau der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie eine nachhaltige Standortsicherung für das Waidhofner Spital.

Bürgermeister Robert Altschach, Eduard Köck, Bundesratsabgeordneter und ÖVP-Bezirksparteiobmann, SPÖ-Landesrat Maurice Androsch und Landesrat Karl Wilfing.  |  NOEN, Archiv
„Ich hatte ein persönliches Gespräch mit Landesrat Karl Wilfing, in dem er mir die Gründe für die Schließung der Geburtshilfe erörtert hat. Sie klangen prinzipiell plausibel, aber dennoch bin ich schockiert - wenn ich ein Krankenhaus habe, dann will ich auch, dass dort ein Kind zur Welt kommen kann!“, betont Waidhofens ÖVP-Bürgermeister Robert Altschach zur Schließung der Gynäkologie und Geburtshilfe des Waidhofner Krankenhauses.

Um Termin bei Pröll angesucht

Nach der Schließung von Allentsteig und Gmünd stelle die Gynäkologie Waidhofen für Altschach einen ganz wichtigen Teil der medizinischen Grundversorgung dar. „Ich unterstütze die Bürgerbewegung zu 100 Prozent. Wenn die Damen wünschen, fahre ich gerne mit ihnen zum Landeshauptmann und übergebe mit ihnen die Unterschriften. Ich hoffe, wir bekommen einen Termin. Angesucht darum wurde bereits“, will Altschach die Eigeninitiative der Bürger stärken.

In Facebook hatte Altschach in der Vorwoche dazu aufgerufen, ihn zu unterstützen und dem zuständigen Landesrat Wilfing eine Nachricht für den Erhalt der Gynäkologie und Geburtshilfe zu schicken. „Er soll dadurch erkennen, dass dies nicht nur der Wunsch einiger weniger Kommunalpolitiker ist, sondern dass dahinter auch die Bevölkerung steht“, schreibt der Bürgermeister auf Facebook.

Altschach und Köck unterstützen Bürger

Zur negativen Geburtenbilanz von Waidhofen, die letztlich auch zum Schließungsvorhaben führt, meint Altschach, dass man - wenn man als Frau weiterhin die Geburtshilfe in Waidhofen haben wolle - man auch in Waidhofen entbinden müsse, damit diese in Waidhofen bleiben kann.

Dass die Schließung der Geburtshilfe schon lange in Planung stand, kann Altschach nicht bestätigen. „Ich bin seit Dezember 2013 Bürgermeister. Diesbezüglich hat mit mir keiner gesprochen, aber es ist sehr ärgerlich und frustrierend, das so spät und so plötzlich zu erfahren!“ Ein Resolutionsantrag wurde von der ÖVP-Bezirksparteizentrale an alle Gemeinden gesandt.

"Nicht nur auf Zahlen, sondern
auch auf Menschen achten"

„In allen Gemeinden soll die Resolution beschlossen werden. Damit wollen wir die Herrschaften in St. Pölten dazu bewegen, nicht nur auf Zahlen, sondern auch auf Menschen zu achten“, meint Altschach. Auch für ÖVP-Bezirksparteiobmann Eduard Köck soll der Resolutionsantrag als zusätzliches Instrument dienen, um die Verantwortlichen zu überzeugen, von der Schließung abzusehen.

Kritik, die Köck in der Vorwoche wegen seiner Aussage in der NÖN erntete, sei falsch interpretiert worden: „Es wurde in Gesprächen immer wieder mal auf die schlechten Geburtenzahlen des Krankenhauses angespielt.“ Strukturveränderungen auf dem Krankenhaussektor wären schon länger im Raum gestanden. Der Bundesratsabgeordnete vermutete, dass die Gynäkologie bei Veränderungsplänen betroffen sein könnte.

Aber: „Seitdem ich von den konkreten Schließungsplänen weiß, habe ich mich stark für die Erhaltung eingesetzt. Ich war deshalb auch Ende September mit dem Gmünder Abgeordneten Johann Hofbauer unterwegs, um das vielleicht doch noch stoppen zu können“, so Köck. Auch für ihn ist die Schließung der Abteilung ein massiver Eingriff in die ärztliche Grundversorgung der Region. „Ich unterstütze alle Bewegungen und Initiativen, die gegen die Schließung vorgehen“, betont der Abgeordnete.

"Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten"

SPÖ-Landesrat Maurice Androsch erkärt im NÖN-Gespräch, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei: „Das Wesentliche ist, dass die Versorgung der Bevölkerung aufrechterhalten wird. Die Fahrzeiten aus dem nördlichen Bezirk Gmünd sind natürlich ein Thema, das noch besprochen werden muss. Es wird dazu diese Woche noch ein Gespräch geben, wo wir mögliche Lösungsansätze diskutieren werden. Es ist aber noch zu früh, um Konkretes zu sagen.“

Ziel des Landes sei es, die breite Versorgung in allen Regionen Niederösterreichs zu gewährleisten, heißt es aus dem Büro von ÖVP-Landesrat Karl Wilfing: „Dieser Weg hat uns in den vergangenen Jahren oft Kritik eingebracht: zu viele Kliniken, die zu viel kosten. Für uns ist Gesundheitspolitik aber mehr als reine Ökonomie. Daher bekennen wir uns zu allen Kliniken-Standorten in unserem Land.“ Klar sei aber auch, dass der medizinische Fortschritt, der in den vergangenen 20 Jahren enorm war, viel koste. Daher sei er auch nur in Schwerpunkten möglich und nicht in jedem Klinikum. Gerade auch mit der demografischen Entwicklung kommen neue Herausforderungen auf das Gesundheitssystem zu.

"Zukunftsperspektive und nachhaltige Standortsicherung"

„Wir brauchen mehr Neurologie-Plätze und auch eine stärkere dezentrale psychiatrische Versorgung – Stichwort Burn-Out. Zugleich verzeichnen wir im Klinikum Waidhofen drei Jahre in Folge sinkende Geburtenzahlen – in diesem Jahr voraussichtlich nur mehr rund 260 Geburten. Insgesamt erreiche man mit den gesetzten Maßnahmen – wie beispielsweise dem Aufbau der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie – eine klare Zukunftsperspektive und nachhaltige Standortsicherung für das Klinikum Waidhofen.

Landesrat Karl Wilfing antwortete auch einigen Personen auf Facebook, die sich mit ihren Nachrichten direkt an ihn wandten. Dabei wurde der Vorwurf laut, dass immer mit dem gleichen Wortlaut geantwortet wurde. „Die Gründe und Fakten für die nunmehr getroffenen Entscheidungen sind klar, daher legt Landesrat Wilfing diese auch entsprechend dar“, entgegnet dazu sein Büro.

Wie denken Sie darüber? Stimmen Sie ab bis Freitag, 15 Uhr!

Weitere Reaktionen, Leser-Meinungen, ein exklusives Interview mit der Gründerin der „Bürgerinitiative Pro Geburtshilfe Waidhofen“ - all das lesen Sie in der aktuellen Print-Ausgabe der Waidhofner NÖN.