Wiener Neustadt

Erstellt am 26. Juli 2016, 04:07

von Mathias Schranz

Julia Kautz: „Hatte zum ersten Mal so richtig Angst“. Die Musikerin Julia Kautz verbarrikadierte sich mit Kollegen in einem Tonstudio. Stadt im Schockzustand.

 |  privat

Die Aufnahmen zu ihrem neuen Album waren gerade abgeschlossen, als die Wiener Neustädterin Julia Kautz im Studio die Nachricht vom Amoklauf ereilte. „Wir haben uns sechs Stunden im Studio verbarrikadiert und wie gebannt die Nachrichten im Fernsehen verfolgt“, erzählt die Musikerin (aktuelle Single „Blechmann“).

Via facebook und auch im Fernsehen seien viele Falschmeldungen über weitere Schießereien gemeldet worden, was zusätzliche Panik bei den Menschen in München verbreitet hätte. „Ich hatte zum ersten Mal im Leben so richtig Angst, das war eine ganz neue Stufe. Angst, dass wenn man vor die Tür geht, erschossen werden könnte“, sagt Kautz. Vom Studio aus hätten sie ständig Polizeisirenen und Hubschrauber gehört.

"Das ist eine völlig andere Dimension“

Nach dem Amoklauf seien viele Veranstaltungen in der Stadt abgesagt worden, viele Clubs blieben geschlossen. Auch am Wochenende war die Stimmung in München noch gedrückt gewesen, „überall hat man darüber gesprochen, die Menschen haben einfach darüber reden müssen, um damit fertig zu werden. Die Stadt war in einem Ausnahmezustand.“ Allerdings hätte man in diesen Stunden auch den unglaublichen Zusammenhalt der Münchner gespürt.

„Es ist halt etwas anderes, wenn du Dinge im Fernsehen siehst oder das dort passiert, wo du wohnst und wo du täglich die Straße entlang gehst. Das ist eine völlig andere Dimension“, sagt die Musikerin. Trotzdem: „Jeder muss jetzt wieder mit seinem Leben weitermachen. München ist eigentlich eine sichere Stadt, ich hoffe, dass das auch so bleibt. Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Ich hoffe, dass die Verletzten bald wieder genesen.“

Die Wiener Neustädter Musikerin Julia Kautz lebt und arbeitet seit vielen Jahren in München (hier vor dem Isartor). „Die Stadt war in einem Ausnahmezustand“, sagt sie über die vergangenen Tage.  |  NOEN, Sascha Wernicke