Erstellt am 12. April 2016, 05:54

von NÖN Redaktion

Aufregung über aufgerüstetes Flugzeug. Das Unternehmen Airborne Technologies soll Agrarflugzeuge für Kriegseinsätze adaptiert haben - in Zusammenarbeit mit Blackwater-Gründer Eric Prince.

Aus einem Folder des Unternehmens: Dieses Flugzeug, die Trush 510 G, soll für den Einsatz in Kriegsaktivitäten aufgerüstet worden sein. Ziele aufspähen und mit Gewehrfeuer attackieren sollte möglich gemacht werden.  |  NOEN, Airborne

Es ist eine brisante Angelegenheit, die von der Aufdeckerplattform „The Intercept“ an die Öffentlichkeit gebracht wurde. Wie die Plattform und „Der Standard“ berichten, sollen in Wiener Neustadt Agrarflugzeuge mit Waffen ausgerüstet werden.

Verantwortlich dafür soll laut „The Intercept“ die Firma Airborne Technologies mit Sitz in der Civitas Nova sein. Die Firma soll mit Eric Prince, dem Gründer der Söldnerfirma Blackwater, zusammengearbeitet haben. Zwei Trush-510-Agrarflugzeuge, die eigentlich zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, sollen ab Juli 2014 umgebaut worden und schlussendlich in der Lage gewesen sein, Ziele auszuspionieren und mit Gewehrfeuer zu attackieren.

Laut „Standard“ sollen in dem Flugzeug neben Überwachungsausrüstung eine Panzerung, kugelsicheres Glas und weitere Schutzvorrichtungen installiert worden sein. Außerdem seien Vorrichtungen für den Einbau von Maschinenpistolen eingebaut worden, so die Zeitung.

Mitarbeiter soll Infos weitergegeben haben

Im Oktober 2014 soll sogar ein Testflug stattgefunden haben. Laut dem „Standard“ habe es einem Mitarbeiter der Firma Airborne danach gedämmert, was das Unternehmen produziere – deshalb habe er als „Whistleblower“ Unterlagen an die Aufdeckerplattform „The Intercept“ geliefert, die von zwei ehemaligen Mitarbeitern von Edward Snowden gegründet wurde.

Die zwei Flieger sollten in den Südsudan verkauft werden, was aber laut Standard nicht passiert sei. Das Projekt wurde laut „The Intercept“ schließlich eingestellt. Über eine Anwaltskanzlei erklärte das Unternehmen gegenüber „The Intercept“, dass es „allen relevanten und anwendbaren Exportbeschränkungen und Regulierungen Folge geleistet hat“. Peter Pilz, Nationalrat der Grünen, kündigte eine Untersuchung zu dem Fall an.

Firma weist Aufrüstung des Fliegers zurück

Die NÖN hat am Montag-Nachmittag mit Wolfgang Grumeth und Kristof Nagl, den beiden Geschäftsführern des Unternehmens, telefoniert. Die kolportierten Fakten seien zum größten Teil falsch. Etwa, dass der Flieger mit Halterungen für Waffen ausgerüstet worden sei: „Einen Einsatz im Krieg kann ich ausschließen, das Flugzeug kann keinen Schuss abgeben.“

Bestellt worden sei von einem Unternehmen, in dem Eric Prince im Management tätig ist, ein Flugzeug zur Überwachung von Ölpipelines in Kenia. Dass Flugzeuge mit Panzerungen ausgestattet werden, komme vor – zum Schutz der Piloten. Die Trush-510 sei jedenfalls mit gültigen Exportgenehmigungen von Wiener Neustadt Richtung Kenia abgehoben. Wo das Flugzeug jetzt eingesetzt sei, wisse er nicht: Was Kunden dann machen, entziehe sich seiner Kenntnis und auch der Verantwortung des Unternehmens.

Grumeth ist auch überzeugt, dass Daten, auf die sich die Berichte beziehen, von einem ehemaligen Mitarbeiter stammen könnten, von dem sich das Unternehmen getrennt hat, weil man mit seinem Arbeitsstil nicht zufrieden gewesen sei.

Zuletzt machte das Unternehmen positive Schlagzeilen. Für 10 Millionen Euro wird ausgebaut, weil das Wiener Neustädter Unternehmen mehrere signifikante Auftragseingänge von internationalen Polizei- und Militäreinheiten erhalten hat. 40 neue Arbeitsplätze werden durch die Verdreifachung des Betriebes geschaffen.