Erstellt am 22. Dezember 2015, 09:04

von Josef Kleinrath

Bausperren beschlossen. Teil des Zehnerviertels aus hydrologischen Gründen sowie sieben weitere Bereiche aus Stadtentwicklungs-Gründen wurden vom Gemeinderat mit Bausperre belegt.

Bei diesem Projekt auf dem Foto passen die Voraussetzungen. Aber mit der Bausperre soll hauptsächlich großvolumiger Wohnbau in Einfamilienhäuser-Bereichen verhindert werden.  |  NOEN, Foto: Baldauf
„Derzeit hinken wir Bauvorhaben hinterher.“ Das sagt ÖVP-Baustradtrat Franz Dinhobl, wenn er an die vielen Probleme rund um großvolumigen Wohnbau in Wiener Neustadt denkt. Jüngste Beispiele: Projekte in der Breitenauer-Siedlung und nahe der Schmuckerau. Deshalb hat die Stadt einerseits einen Fachbeirat eingesetzt, der derartige Projekte vorab einer Abklärung unterzieht.

Diesem Beirat sollen der Baudirektor Manfred Korzil, Robert Schweighofer von der Stadt- und Raumplanung, Wolfgang Rogl vom Verkehrsamt sowie ein vom Bürgermeister eingesetzter Fachmann – ein Architekt, der wirtschaftlich in Wiener Neustadt nicht aktiv ist - angehören. Dieser vom Gemeinderat nun beschlossene Beirat soll ein Fachgutachten über Wohnbauprojekte erstellen und alle Faktoren wie Verkehr, Veränderung der Siedlungsstruktur, aber auch gestalterische Elemente überprüfen. Das Gutachten sodann der Baubehörde als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung stehen.

Bausperre für eine gute Stadtentwicklung

Beschlossen wurden auch diverse Bausperren, etwa im Zehnerviertel. Der Bereich der Bausperre umfasst die Bereiche zwischen Zehnergasse, Wohlfahrtgasse, Fischabachgasse, Am Reitweg und Schützengasse. Hier hat es auch einen Grundwasser-spezifischen Grund, wie Baustadtrat Dinhobl erklärt: „1965 war das Grundwasser über der Geländeoberkante. Jeder Bau dort durchschneidet das Drainagesystem.“

Auslöser war letztlich das umstrittene Projekt in der Kolkengasse, mit der Bausperre sollen Tiefgaragen „in dem aus hydrogeologischer Sicht sensiblen Stadtgebiet“ vorerst verhindert werden, gleichzeitig werden konkrete Untersuchungen über die aktuelle Grundwassersituation eingeleitet, um geeignete Maßnahmen im Bebauungsplan durch ergänzende Bebauungsvorschriften vorschreiben zu können, erklärt Dinhobl.

Weiters wurden in folgenden Bereichen ebenfalls Bausperren beschlossen:

Bereich 1:
Zwischen der Döttelbachgasse, Pottendorfer Straße, Neufeldergasse, Zillingdorfer Weg und Am Schafflerhof.

Bereich 2 (Leithakolonie):
Zwischen Ungarfeldgasse, Franz von Furthenbach-Straße, Neudörfler Straße, Arbeiterturnverein-Weg, Leithafeldgasse, Leithamühlgasse, Rosaliagasse, Leithasandgasse und Leithakoloniestraße.

Bereich 3: 
Vier Grundstücke an der Leithakoloniestraße (Grundstücksnummer 1003/1, 1003/5, 1003/6 und .6694)

Bereich 4:
Alle Bauland-Wohngebiet-Grundstücke in der Frohsdorfersiedlung, die an den Straßenzügen Frohsdorfer Straße und Francesca Scanagatta-Straße zu liegen kommen.

Bereich 5:
Fünf Grundstücke an der Puchbergerstraße, direkt nach der Autobahnauffahrt Wiener Neustadt West.

Bereich 6:
Das Bauland-Wohngebiet zwischen den Straßenzügen Tulpengasse, Anemonenseestraße, Gemeindegrenze Bad Fischau und südliche Föhrenseestraße.

Bereich 7:
Das Bauland-Wohngebiet zwischen Luchspergergasse, Alois Wrubel-Gasse, Dreipappelstraße, Anna Czerny-Gasse, der Warmen Fischa und der Gemeindegrenze Bad Fischau.

Das Ziel dieser Bausperren geht über den hydrologischen Ansatz des Zehnerviertels weit hinaus, wie im § 3 der Verordnung festgehalten ist: „Ziel der Bausperre ist es einerseits, zum Thema „Sicherung des strukturellen Charakters“ eine vertiefende Studie auszuarbeiten.

Darin sollen die betroffenen Siedlungsbereiche beurteilt und auf die Möglichkeit der Einschränkung auf zwei Wohneinheiten je Bauplatz gemäß den Bestimmungen der NÖ Raumordnung analysiert werden.“ Darüber hinaus verfolgt die Bausperre die Zielsetzung, Neubauten von Mehrfamiliengebäuden in den definierten Bereichen vorerst zu verhindern. Festgelegt ist, dass im Geltungsbereich der Bausperre nur Gebäude mit insgesamt nicht mehr als zwei Wohneinheiten im Sinne der NÖ Bautechnikverordnung errichtet werden.

Wie denkt Ihr darüber? Stimmt ab!