Erstellt am 12. Januar 2016, 05:48

von Josef Kleinrath

Café Bernhart geht an Schärf & Linauer. Mit Roman Schärf und Karl Linauer gewinnt Cafétier Gernot Bernhart zwei Unternehmer-Größen als Nachfolger.

 |  NOEN, Franz Baldauf

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Gernot Bernhart hört als Cafétier am Wiener Neustädter Hauptplatz auf, für das Traditions-Café kann er allerdings zwei prominente Wiener Neustädter Unternehmer sowie einen weiteren Profi aus der Gastronomieszene als Nachfolger präsentieren: Roman Schärf, 65-jähriger Spross aus der Wiener Neustädter Kaffee-Dynastie, Bäcker und Unternehmervereinsobmann Karl Linauer sowie Gerfried Rieger, der sich seine Sporen in Österreichs Vier-Hauben-Gastronomie verdient hat.

In München funkte es bei Schärf & Linauer

Roman Schärf – er betreibt im alten Schlachthof in der Neunkirchner Straße die Daniel-Moser-Rösterei – ist seit eineinhalb Jahren am Café Bernhart dran, hat viele Ideen und Konzepte für eine Neuaufstellung des Lokals entwickelt. Aber erst im Oktober des Vorjahres kam der letzte, mitentscheidende Baustein dazu. „Bei der Bäckermesse in München, die nur alle drei Jahre stattfindet, habe ich Karl Linauer getroffen“, erinnert sich Schärf, „wir haben über den Hauptplatz geredet.“

Dabei trat zu Tage, dass auch Linauer seit eineinhalb Jahren an einem Konzept arbeitet, kompromisslos in Sachen Qualität wieder „back to the roots“ zu gehen. Rasch erkannten beide, dass ihre Ideen kompatibel sind. Und genauso rasch wurden Linauer und Schärf handelseins. Dazu hatte Schärf schon längere Zeit Gerfried Rieger sozusagen an der Hand. Der Unternehmensberater und Gastronomie-Experte Gerfried Rieger wollte bei Schärfs „Cottage“ im 19. Bezirk in Wien andocken, das soll jetzt allerdings verkauft werden.

Rieger hat etwa mit Betriebskonzepten für das Herberstein in Linz und den Kursalon in Mödling bei der Tropheé Gourmet reüssiert und war im Steirereck und im Corso in Wien tätig. „Die Seele stimmt, das Projekt stimmt, die Konzepte stimmen. Das ist ganz wichtig für Wiener Neustadt“, sind Schärf und Linauer vom Erfolg überzeugt.

Café Bernhart, Café Kontor und Bäckerei

Die Familie Bernhart wird das Café noch bis Ende Jänner selbst betreiben, in den Semesterferien wird das Traditionscafé wie in den vergangenen Jahren auch geschlossen sein. „Am 8. Februar, am Rosenmontag, wird das Café Bernhart unter der neuen Führung wieder geöffnet“, erklären Schärf und Co. Vorerst wird nichts geändert, das Team wird übernommen – und aufgestockt. Denn die Öffnungszeiten wollen Linauer und Schärf jedenfalls umgehend ausweiten.

Einen ersten Eindruck in die Pläne gewährten Schärf und Linauer bereits: Vorne, am Hauptplatz, wird das Café Bernhart als traditionelles Wiener Kaffeehaus bestehen bleiben, allerdings, wie früher, mit dem Haupteingang links im Gebäude.

Rechts sollen die Bäckerei und die Konditorei von Karl Linauer hinkommen. „Wir wollen damit die Fesseln der Kompromisse sprengen, Produkte aus der Region für die Region, einen Schwerpunkt auf Bio und Dinkel setzen“, erklärt Linauer. Gebacken soll alles vor Ort werden, in einem Holzbackofen. Auch in Sachen Konditorei sollen neue Maßstäbe gesetzt werden, wobei eines klar ist: Die berühmte Cremeschnitte bleibt.

Ofen für Rösterei im Billard-Zimmer

Im hinteren Teil, dem jetzigen Billard-Zimmer, will Schärf nach Hamburger Vorbild ein „Café Kontor“ errichten – mit einem Ofen für eine Rösterei inklusive. Dazwischen will er im jetzigen Gang die Idee des Blauen Montags mit einer „Blue Bar“ wieder aufleben lassen.

Wichtig für Schärf und Linauer: die Unterstützung, die von der derzeitigen Stadtführung und der Stadtverwaltung signalisiert wurde, um das Projekt in der Form auch umsetzen zu können.