Erstellt am 29. Dezember 2015, 08:47

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Der Jahresbeginn brachte in Wiener Neustadt und Gutenstein einen politischen Wechsel, im Sommer war die Flüchtlingskrise das beherrschende Thema.

Foto des Jahres: Die Feldbetten stehen bereit: 250 Flüchtlinge werden im Juni in der Arena Nova untergebracht, Privatsphäre gibt es auf engstem Raum nicht. Die Männer werden über zwei Monate vom Roten Kreuz versorgt, ehe sie im September in andere Quartiere verlegt werden.  |  NOEN, APA/Jäger

Knalleffekt Anfang 2015

Mit einem Knalleffekt startet das Jahr 2015 in Wiener Neustadt: Nach 70 Jahren absoluter SPÖ-Regierung stürzt die SPÖ des damaligen Bürgermeisters Bernhard Müller am 25. Jänner bei den Gemeinderatswahlen auf 40 Prozent ab, während die ÖVP unter dem überraschenden Spitzenkandidaten Klaus Schneeberger 33 Prozent erreicht. SPÖ-Bürgermeister Müller tritt noch am Wahlabend zurück, Horst Karas übernimmt das Zepter in der SPÖ.

Dem Wahlerdrutsch nicht genug, finden sich FPÖ sowie die Listen von Evamaria Sluka-Grabner und Wolfgang Haberler mit der ÖVP zu einer „bunten“ Regierung zusammen, die noch dazu von den Grünen – die sich daraufhin spalten –  unterstützt wird. Schneeberger erfüllt sich einen Lebenstraum und startet als Bürgermeister eines der größten Sanierungsprojekte einer Kommune, 15 Millionen Euro sollen jährlich im Haushalt eingespart werden. Darüber hinaus wird Ende des Jahres noch der erste Schritt der Strukturreformen am Magistrat vollzogen. Aber auch einige Projekte gehen auf den Weg: FH im Zentrum oder „Naschmarkt“ in der Innenstadt.
 

Große Änderung in Gemeinde Gutenstein

Gleich zwei große Änderungen gibt es 2015 in der Gemeinde Gutenstein. Kaum jemand hatte im Januar mit einem Sieg der neuen Partei „Gut für Gutenstein“ von Michael Kreuzer gerechnet. Mit sieben Mandaten zieht der gebürtige Klostertaler im Gemeinderat ein, durch eine Koalition mit der SPÖ hat Kreuzer dann im März auch den Posten des Bürgermeisters inne, mit Christian Zak als SPÖ Vize an seiner Seite. VP-Ortschef Hannes Seper ist abgewählt. Auf Michael Kreuzer warten eine verschuldete Gemeinde, ein marodes Freibad, eine Zertifikatsverlängerung für den Luftkurort und die Diskussion über das Betreute-Wohnen- Projekt, Letzteres der ursprüngliche Grund für Kreuzers politisches Engagement.

Ebenfalls im Dezember fällt die Entscheidung zur neuen künstlerischen Leitung der Festspiele. Nachdem die Gemeinde den Vertrag mit Isabella Gregor nicht mehr verlängert hat, entscheidet eine Jury Anfang Dezember über ihre Nachfolge. Die Wahl zur neuen Intendantin gewinnt Andrea Eckert, Kammerschauspielerin und schon vor ihrer ersten Saison deklarierte Gutenstein-Liebhaberin.
 

Beachtliche Ergebnisse bei Gemeinderatswahlen

Abgesehen von den Erdrutschen in Wiener Neustadt und in Gutenstein (siehe Punkt 1 und 2) gibt es einige beachtliche Ergebnisse bei den Gemeinderatswahlen im Bezirk Wiener Neustadt. Etwa in Wöllersdorf. Dort kommt der junge ÖVP-Bürgermeister Gustav Glöckler, der vor fünf Jahren mit fünf (!) Mandaten Ortschef werden konnte, auf 16 Mandate. Die Bevölkerung goutiert es, dass die Gemeinde trotz der komplizierten Machtverhältnisse profund durch die Periode geführt wurde. Die SPÖ, die vor 10 Jahren noch über 16 Mandate verfügen konnte, schafft lediglich vier Sitze im Gemeinderat.

Auch in Lanzenkirchen wird der Weg des vor fünf Jahren an die Spitze gelangten Ortschefs bestätigt. Bernhard Karnthaler holt die absolute Mehrheit, kann jetzt alleine regieren.

Einen Dämpfer gibt es hingegen für die ÖVP in Wiesmath. Die ÖVP stürzt dort von 70 auf 54 Prozent ab, hält zwar die absolute Mehrheit, allerdings tritt der langjährige Bürgermeister Roland Weber unmittelbar nach der Wahlniederlage zurück. Ihm folgt Erich Rasner als neuer Ortschef nach.
 

Arena Nova wird Flüchtlingsquartier

Im Sommer zieht ein Thema einen tiefen Graben durch die Stadt: Überraschend wird bekannt, dass die Arena Nova für zwei Monate zum Flüchtlingsquartier wird. ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger hilft damit ÖVP-Innenministerin Johanna Mikl-Leitner, die nach Quartieren für Flüchtlinge sucht. Anfangs ist noch von 400 Menschen die Rede, Mitte Juni ziehen 250 Männer in die Arena Nova, die dort vom Roten Kreuz versorgt werden. Stadtchef Schneeberger muss für seinen Alleingang viel Kritik einstecken. Sowohl aus der Politik, aber auch aus der Bevölkerung hagelt es Proteste. Auch auf Facebook sind die Flüchtlinge ein Thema – vielfach werden hetzerische und rassistische Postings geschrieben.

Nur wenige Meter von der Flüchtlingsunterkunft entfernt kommt es nach einem Monat zu einem Übergriff auf eine Gruppe Flüchtlinge. Aus einem fahrenden Auto wird mit einem Softgun-Gewehr auf die Männer geschossen, die dabei verletzt werden. Die Polizei kann die Täter – vier Burschen im Alter von 19 und 20 Jahren – rasch ausforschen, derzeit läuft ein Prozess am Wiener Neustädter Landesgericht.

Allerdings gibt es auch eine Welle der Hilfsbereitschaft rund um die Flüchtlinge in der Arena Nova: Freiwillige lernen mit den Männern Deutsch, spielen Fußball oder verbringen sonst Zeit mit ihnen. Auch zahlreiche Sachspenden werden abgegeben. Großteils läuft die Versorgung der 250 Männer auf engstem Raum ohne Probleme ab, Anfang September wird das Flüchtlingsquartier in der Arena Nova wieder aufgelöst.
Aber auch in den folgenden Monaten bleiben Flüchtlinge in Stadt und Bezirk Wiener Neustadt ein Thema – über die Unterkünfte laufen bis jetzt Diskussionen.
 

Umbau des Fischaparks

Nach einer großen Um- und Ausbauphase geht der neue Fischapark an den Start und wird an den ersten beiden Tagen von 70.000 Shoppingwilligen gestürmt. 1.000 Mitarbeiter sind nun laut Center Manager Christian Stagl im Fischapark beschäftigt, doppelt so viele als vor Beginn des Umbaus 2012. Auch die Verkaufsfläche wird verdoppelt – auf rund 43.000 m2 bieten 120 Shops ihre Waren feil. Neu: Zara eröffnete im Fischapark erstmals außerhalb einer Landeshauptstadt – ausgenommen der SCS – eine Filiale. Groß ist die Erleichterung bei den alteingesessenen Mietern: „Die Umbauphase war extrem schwierig“, berichtet einer, der nicht namentlich genannt werden will.

ÖVP-Stadtchef Klaus Schneeberger spricht bei der Eröffnung auch das Spannungsfeld Innenstadt zu Einkaufszentren an und betont, dass ihm die Weiterentwicklung der Innenstadt am Herzen liege. Einige Geschäfte übersiedelten von der Fußgängerzone in das Einkaufszentrum. Als Arbeitgeber und Kundenmagnet wisse Schneeberger auch den Fischapark zu schätzen. Eine Umfrage in der NÖN-Community auf nön.at ergibt, dass die Innenstadt derzeit noch knapp die Nase vorne hat. 52 Prozent der teilnehmenden User gehen lieber in der Innenstadt einkaufen. Aktuelle Werte, nach der Eröffnung, liegen nicht vor.
 

Sparprogramm der Stadtregierung

Das Sparprogramm der neuen Stadtregierung sorgt für heftige Diskussionen. Vor allem ein Thema sorgt für emotionale Wortmeldungen: das Stadtheim. Im Zuge der Einsparungspläne wird bekannt gegeben, dass das „Traude Dierdorf Stadtheim“ privatisiert werden soll. Das sorgt vor allem bei der SPÖ für einen Aufschrei, die unter anderem einen Leistungsabfall bei der Betreuung aber auch eine Verschlechterung der Situation für die Mitarbeiter befürchtet. Allerdings stellt die neue Stadtregierung klar: Das Heim verursacht jährlich einen Abgang von mehreren hunderttausend Euro, eine Privatisierung sei deswegen unumgänglich.

Rückendeckung erhält ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger – seine Mutter lebt im Stadtheim – vom Ternitzer SPÖ-Bürgermeister Ruppert Dworak, das dortige Heim werde von einer privaten Institution bestens geführt. Trotzdem wird von Alt-SPÖ-Bürgermeisterin Traude Dierdorf und Alt-SPÖ-Vizebürgermeister Peter Geyer ein Personenkomitee gegen die Privatisierung des Heims ins Leben gerufen, 3.117 Unterschriften werden gegen den Verkauf gesammelt. Trotzdem steht mittlerweile fest: Das Stadtheim soll am bestehenden Standort neu gebaut werden, Mitte Jänner soll entschieden werden, welcher Träger den Zuschlag bekommt. Im Gespräch sind Senecura und das Haus der Barmherzigkeit.
 

Verladebahnhof auf Eis

Groß ist die Aufregung und breit die Front gegen den geplanten Verladebahnhof für Ausbruchmaterial des Semmeringtunnels an der Ortsgrenze zu Sollenau. Dieser soll beim B17-Kreisverkehr Sollenau Nord auf Schönauer Gemeindegebiet errichtet werden. Täglich könnten hier bis zu 3.300 Tonnen Material von Zügen auf LKWs verladen werden. Über die B17-Umfahrung soll das Material in eine Deponie nach Eggendorf – Entfernung 4,4 Kilometer – gebracht werden.

Im März lädt die Wopfinger Transportbeton GmbH zu einem Infoabend, an dem über 100 Zuhörer teilnehmen – unter ihnen auch Sollenauer. Die Stimmung ist sehr emotionsgeladen. Die Grünen rund um Helga Krismer küren das Projekt zum Schildbürgerstreich des Monats April. Bei einer Bürgerbefragung in Schönau im Mai sagt die Mehrheit „Nein“. Da die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent liegt, ist der Schönauer Gemeinderat am Zug: Dieser gibt im Juni grünes Licht für den Bau.

Danach wird es still um das Projekt. Im November wird bekannt, dass das Ausbruchmaterial in Schönkirchen bei Gänserndorf deponiert wird. Wolfgang Moser, kaufmännischer Geschäftsführer der Wopfinger Transportbeton GmbH, will jedoch nicht von einem generellen Aus für den Standort bei Sollenau sprechen.
 

Aufschrei in der Bildungslandschaft

Vier höhere Schulen in Wiener Neustadt kämpfen 2015 um ihren Fortbestand. Im ersten Halbjahr versucht die Schulgemeinschaft des Militärrealgymnasiums, mittels Klage gegen einen Aufnahmestopp und somit das Auslaufen der Schule vorzugehen. Bis zum Schulschluss wird gekämpft, das angestrebte Ziel aber nicht erreicht. Zu Beginn des Schuljahres 2015/16 im September kommen keine neuen Schüler mehr ans MilRg. Somit zählt das Oberstufenrealgymnasium nur noch drei Jahrgänge. Das 50-jährige Bestandsjubiläum wird deshalb kein Grund zu feiern. Nur im internen Rahmen wird auf das vergangene halbe Jahrzehnt Schulgeschichte zurückgeblickt.

Mehr Glück haben die drei höheren städtischen Schulen (BaKip, HLM, HLW) bei ihrem Kampf gegen die Schließung im Herbst dieses Jahres. Um das Budget der Stadt Wiener Neustadt weniger zu belasten, will ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger die Schulen verbundlichen. Schließlich wird für die nächsten drei Jahre ein finanzieller Zuschuss von je 100.000 Euro für HLW und BaKip vom Bund und 100.000 Euro vom Land NÖ für die HLM ausverhandelt. Zudem versichert Schneeberger den Fortbestand der Schulen auch darüber hinaus.
 

Triumph in der Krise

Der Unterwäschehersteller Triumph steckt im Frühjahr des Jahres in der Krise. Im April wird überraschend bekannt, dass am Wiener Neustädter Standort – hier arbeiten hauptsächlich Frauen – rund 170 Mitarbeiter entlassen werden. Noch schlimmer trifft es das Werk in Oberwart, dort wird der Standort mit 210 Mitarbeitern geschlossen.

Triumph gibt bekannt, dass sich das österreichische Netzwerk endgültig auf die Marke Sloggi fokussieren werde. Am Standort Wiener Neustadt sollen daher die Vorproduktionsfunktionen der Marke Sloggi erhalten bleiben.
 

Zitate des Jahres

„Das ist das Schönste, was mir politisch bisher passiert ist – und eine Genugtuung nach 40 Jahren, die ich politisch in diese Stadt investiert habe.“
Klaus Schneeberger nach dem Wahlsieg im Jänner.

„Sieht er nicht aus, als wäre er 40? Niemand in Österreich sieht mit 23 so aus. Wir sind so abgekämpft von dem, was wir erlebt haben.“ 
Ein im Sommer in der Arena Nova untergebrachter Flüchtling über einen 23-jährigen Nigerianer.

„Es lastet ein enormer Druck auf allen Beteiligten – Schülern, Lehrern und Eltern. Es ist aus meiner Sicht ein politischer Skandal, was hier passiert.“
MilRG-Direktor Werner Sulzgruber über den Aufnahmestopp und die geplante Schließung des Militärrealgymnasiums.

„Das tut mir sehr, sehr weh.“
SPÖ-Altbürgermeisterin Traude Dierdorf über die Privatisierung des nach ihr benannten Stadtheims.

„Der Großteil der Betroffenen hat es gefasst aufgenommen. Die Stationen, die eingespart werden, sind ja bekannt. Es gab aber auch Fälle, wo die Mitarbeiter schockiert waren.“
Betriebsrätin Traude Gruber über die Kündigungswelle bei „Triumph“.
 


2015 nahmen wir Abschied von ...

... Paul Natlacen aus Wiener Neustadt. Der ehemalige stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Volksbank NÖ Süd verstirbt Anfang Dezember unerwartet im 73. Lebensjahr.

... Josef Patzelt aus Wiener Neustadt. Der Architekt, Künstler und Autor Josef Patzelt, der auch jahrelang als Professor an der HTL tätig gewesen ist, verstirbt im November im 90. Lebensjahr.

... Christa Ferstl aus Wiener Neustadt. Schock im August dieses Jahres: Christa Ferstl, die gute Seele des Konditorei-Betriebes am Hauptplatz, dürfte beim Schwimmen einen Herzinfarkt erlitten haben, verstirbt im 75. Lebensjahr.

... Hans Sederl aus Bad Fischau-Brunn. Nach schwerer Krankheit verstirbt im Februar Hans Sederl im Alter von 76 Jahren. Am Valentinstag schläft er im Kreise seiner Familie friedlich ein.

... Peter Janisch aus Gutenstein. Mitbegründer und Intendant der ersten Jahre der Festspiele Gutenstein, Peter Janisch, verstirbt im August im 91. Lebensjahr.

... Franz Berger aus Miesenbach. Trauer um den ehemaligen Ortschef: VP-Altbürgermeister Franz Berger verstirbt im Mai im Alter von 99 Jahren.

... Johann Trimmel aus Bromberg. Schock in Bromberg im März dieses Jahres: Johann Trimmel, ehemaliger Wirt der Backhendlstation Stupfenreith, erliegt im 68. Lebensjahr einem plötzlichen Herztod.

... Rosina Höller aus Lichtenegg. In Lichtenegg trauert die Gemeinde um die ehemalige Volksschuldirektorin Rosina Höller. Sie verstirbt am 18. November im 90. Lebensjahr.

... Alexander Prandl aus Schwarzenbach. Am 14. Mai verstirbt unerwartet im 69. Lebensjahr Holzbildhauer Alexander Prandl. Er hat wie kein anderer das Ortsbild der Keltengemeinde geprägt.

... Erwin Steiner aus Lanzenkirchen. Groß ist im April die Trauer um ein Lanzenkirchner Urgestein: Erwin Steiner, Gründer und langjähriger Eigentümer von „Eurofox“, verstirbt nach schwerer Krankheit im 61. Lebensjahr.

... Gerti Swoboda aus Lanzenkirchen. Tragödie um die ehemalige Wiener Neustädter Kaffeehaus-Besitzerin Gerti Swoboda, die zuletzt im Café Fellinger in Bad Erlach tätig gewesen ist: Bei einem Autounfall im November kommt sie im Alter von 52 Jahren in Bad Erlach ums Leben.

... Walter Simon aus Krumbach. Große Trauer um Walter Simon im November: Der langjährige Regionalrat bei der Raiba und EX-NÖN-Mitarbeiter verstirbt nach schwerer Krankheit im 69. Lebensjahr.

... Günter Reisenberger aus Krumbach. Trauer um den ehemaligen Gemeindearzt: Er verliert im Oktober den Kampf gegen den Krebs.