Erstellt am 16. Dezember 2015, 05:33

von Mathias Schranz

Diskussion: Wieviel ist die Jugend wert?. Einen Abend lang wurde im Triebwerk über den Status Quo der Wiener Neustädter Jugend diskutiert.

Am Podium: ÖVP-Kulturstadtrat Franz Piribauer, FPÖ-Jugendstadtrat Markus Dock-Schnedlitz, Manfred Zentner (Institut für Jugendforschung), Elena Schwarz (Filmemacherin), Ida Schmidl (Pfadfinder) und Julia Boschmann (Jugendexpertin und Sozialarbeiterin). Schranz  |  NOEN

Immerhin: Knapp 50 Besucher waren am Donnerstagabend im "Triebwerk", wo über die aktuellen Einsparungen im Jugendbereich – übrigens überraschend sachlich – diskutiert wurde. Der Wermutstropfen dabei: Jugendliche unter 20 Jahren waren kaum vor Ort.

FPÖ-Jugendstadtrat Markus Dock-Schnedlitz betonte zu Beginn, dass die Einsparungen im Jugendbereich zwar schmerzhaft, aber angesichts der Sparmaßnahmen von 16,5 Millionen Euro pro Jahr unumgänglich seien. „Wir müssen uns auf das Wesentliche besinnen.“

Gegendwind: keine kulturelle Identität

Gegenwind erhielt er vor allem von Künstlerin Elena Schwarz und Sozialarbeiterin Julia Boschmann. Wiener Neustadt besitze keinerlei kulturelle Identität meinte etwa Elena Schwarz, auch junge Künstler würden es hier schwer haben. Julia Boschman kritisierte: „Der Stadt geht mit megafon viel verloren“, die Jugendbeauftragten hätten sich für die Entstehung von Freiräumen eingesetzt. Die von ihr in den Raum gestellte Frage „Wann ist Jugendarbeit ihr Geld wert?“ konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden, denn das sei einfach nicht bezifferbar, waren sich die Podiums-Teilnehmer einig.

Pfadfinderin Ida Schmidl meinte in Richtung Stadtpolitik: „Wichtig wäre, dass die Jugendlichen eine Stimme haben. Etwa durch einen Sprecher, der einmal pro Jahr gewählt wird.“ Für Jugendkulturforscher Manfred Zeltner müssen in einer Stadt vor allem Räumlichkeiten da sein.

ÖVP-Kulturstadtrat Franz Piribauer betonte, dass die Stadt in Zukunft auch weiterhin auf Jugend/Kultur Events setzen würde, auch wenn dafür weniger Geld ausgegeben werde. So sei etwa ein Straßenkunstfestival im kommenden Jahr in Planung, auch ein Jugendsymposium soll stattfinden.


Christian Spritzendorfer, Herrengassen-Gastronom im Gespräch:

NÖN: Wie sehen Sie die Kürzungen im Jugendbereich (Jugendbeauftragte/Megafon/UVZ/Triebwerk-Förderung…)?
Christian Spritzendorfer: Da Wiener Neustadt aufgrund der herrschenden finanziellen Situation in allen Bereichen sparen muss, bleibt leider dieses Übel auch der Jugend nicht erspart. Es wird in diesem Sektor meiner Meinung nach in Zukunft Kreativität gefragt sein, um die Mittel, die von der öffentlichen Hand im Moment nicht aufgebracht werden können, auf andere Weise zu lukrieren. Etwa private Sponsoren.

Was fehlt im Jugendbereich in Wiener Neustadt Ihrer Meinung nach? Oder ist für Jugendliche alles abgedeckt?
Spritzendorfer: Ich glaube, dass diese Frage ausschließlich von der Jugend selbst beantwortet werden kann.

Wie sehen Sie die Zukunft der Herrengasse? Was muss/soll/wird sich hier ändern?
Spritzendorfer: Die Herrengasse spürt momentan sehr stark die Auswirkungen der kritischen Wirtschaftssituation im Allgemeinen und die Auswirkungen der Vorkommnisse und Fehler der Vergangenheit.

Es wird für die Zukunft sehr wichtig sein, die Konzepte für Sicherheit weiterzuentwickeln und den beschrittenen Weg fortzusetzen. Außerdem müssen meiner Meinung nach alle Lokale versuchen, besser auf die Bedürfnisse der jungen Menschen einzugehen, jedes Lokal sollte seine Eigenständigkeit herausarbeiten. Das in Kombination mit einem funktionierenden Sicherheitskonzept steigert zukünftig das Image und auch die Frequenz.