Erstellt am 24. November 2015, 05:38

von Josef Kleinrath

Europahaus: Das neue Zuhause für 24 Asylwerber. Anstelle eines Herbergs-Betriebes wurde ein Betreuungsprojekt mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen etabliert.

Leiterin Iris Dorfmeister mit zwei Pädagoginnen, Magdalena Samstag und Katja Weidmüller (v.l.).  |  NOEN, Josef Kleinrath

Politisch ist die Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen umstritten (siehe Bericht unten). Die NÖN stattete der Einrichtung im Europahaus im Stadtpark einen Besuch ab.

24 Jungs zwischen 14 und 17 Jahren wohnen seit 1. Oktober dort. 21 davon kommen aus Afghanistan, zwei aus Syrien, einer aus dem Irak. Betreut werden sie von neuen Mitarbeitern der Kinderfreunde unter der Leitung von Iris Dorfmeister.

„Das sind ganz fantastische Jungs"

Die Mattersburgerin, die zuvor in der Jugendhilfe des Landes Burgenland tätig war, schwärmt geradezu von den Jugendlichen: „Das sind ganz fantastische Jungs, sie sind freundlich, hilfsbereit und höflich.“

Diesen Eindruck vermitteln die Burschen, die gerade von einer Musiklehrerin – ehrenamtlich – Gitarrenunterricht erhalten, auch beim Lokalaugenschein. Einer zeigt ein Video von seinen Boxkünsten, der andere die drei dicken Bände, aus denen er alle möglichen Informationen über die Medizin nur so aufsaugt. Er will unbedingt Medizin studieren, Dorfmeister wird ihm helfen, das auch realisieren zu können.

Die jungen Burschen sind zum Teil schon jahrelang auf der Flucht, haben zum Teil Eltern verloren, zum Teil leben die Eltern noch in Kriegsgebieten. 40 Euro Taschengeld bekommen sie pro Monat. „Das meiste Geld geht für Telefonwertkarten drauf, damit sie mit der Familie Kontakt halten können“, weiß Dorfmeister.

„Unvorstellbar, was sie erzählen“

Zwei bis drei Jugendliche leben in den kleinen Zimmern, Probleme gab es bislang noch nie. Langsam fassen sie auch Vertrauen, erzählt Dorfmeister, dann kommen auch die Geschichten von früher heraus. „Unvorstellbar, was sie erzählen“, sagt Dorfmeister, deshalb trifft sie manch öffentliche Debatte über Wirtschaftsflüchtlinge so sehr: „Unsere Jungs hier sind alle aus Angst um ihr Leben geflüchtet, sie waren monatelang alleine unterwegs.“ Hier, im Europahaus, hätten sie endlich wieder ein „Zuhause“ gefunden. Deshalb hoffen die Jungs, hofft auch die Leiterin, dass das Europahaus auch weiterhin ihr Zuhause bleiben kann.

Ein großes Thema für die Flüchtlinge: Nur die Schulpflichtigen können eine Schule besuchen, die anderen nicht. Obwohl alle liebend gerne zur Schule gehen würden. „Sie wollen sich integrieren, sie wollen Bildung, sie wollen hier Kontakte knüpfen“, weiß Dorfmeister.

Diverse Spenden  werden benötigt

Die 24 Burschen könnten auch diverse Spenden brauchen. Freizeitbekleidung, Instrumente, Outdoorspiele – wie etwa eine Slackline – wären toll, schildert Dorfmeister. Wobei sie darum ersucht, dass vorher nachgefragt wird, was konkret benötigt wird.

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Hintergrund

77 Euro erhalten die Kinderfreunde pro Tag und Jugendlichem über die Grundsicherung, davon müssen Unterbringung, Betreuung, Essen sowie die Dinge des täglichen Bedarfs finanziert werden.

40 Euro Taschengeld gibt es pro Monat für jeden Jugendlichen.

150 Euro gibt es jährlich pro Jugendlichem vom Land als Bekleidungsbeitrag.

10 Euro schießt das Land als Freizeitgeld pro Monat und Jugendlichem zu.

Für schulpflichtige unbegleitete Minderjährige gibt es 100 Euro pro Semester, dazu das TopTicket (Schülerfreifahrt) im Wert von 60 Euro.

Insgesamt entstehen so über 690.000 Euro an Kosten für diese Betreuungseinrichtung in Wiener Neustadt.

Alle Jugendlichen haben den Status eines Asylwerbers.

Die Jugendlichen sind über die NÖ Gebietskrankenkasse versichert.