Erstellt am 22. Dezember 2015, 15:43

von Tina Jedlicka

Falsche Tierärztin verurteilt. Eine falsche Tierärztin aus Wiener Neustadt sorgte in den Social-Medias für Aufruhr. Nach nicht rechtskräftigem Gerichtsurteil droht der Frau nun ein Verwaltungsstrafverfahren.

 |  NOEN, APA

Zwanzig Jahre lang war eine Wiener Neustädterin als mobile Tierärztin unterwegs und versorgte unzählige Tiere. Durch die Beschwerde eines Hundebesitzers flog plötzlich auf, dass die Frau gar keine echte Tierärztin ist. In den Social-Medias wurden weitere Opfer gesucht.

Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt ermittelte ausführlich und erhob schließlich Anklage: Jedoch lediglich wegen eines Tieres, das eingeschläfert wurde und bei dem nicht ganz „lege artis“ gehandelt worden sein soll. Das bestätigte später auch ein Sachverständiger für Tiermedizin. Mehr Fälle wurden nicht angeklagt. Am Landesgericht Wiener Neustadt machte Richterin Karina Matkovits der Frau den Prozess.

Studium: Prüfungen aus Angst nicht absolviert

Mit Tränen in den Augen erzählte sie, dass sie Tiermedizin studiert habe, das Studium jedoch nicht zu Ende gebracht habe. Prüfungsangst sei einer der Gründe dafür gewesen. Der Sachverständige staunte nicht schlecht über das enorme Wissen der falschen Tierärztin. Diese bedauerte ihr Verhalten zutiefst: „Es tut mir leid!“ 50 Euro wurden an die Hundebesitzer als Schadenswiedergutmachung bezahlt.

150 Euro muss die Frau als Beteiligung an den Prozesskosten bezahlen. Richterin Matkovits verurteilte sie zu einer Diversion (nicht rechtskräftig) mit einer zweijährigen Probezeit. Die Frau war bisher unbescholten und der Gerichtsprozess beschäftigte sich ausschließlich mit dem angeklagten Vorfall. Zum Lachen war der Frau trotz des milden Urteils nicht zumute, sie weinte noch nach der Verhandlung.

Nun droht ihr ein Verwaltungsstrafverfahren bei der zuständigen Behörde. Der Verstoß nach dem Tierärztegesetz beschäftigt sich mit den zwanzig Jahren, die die Frau sich fälschlicherweise als Tierärztin ausgegeben haben soll. Der Magistrat zeigte sich auf Anfrage der NÖN zugeknöpft. Aus der Rechtsabteilung hieß es, dass „eine Auskunft über ein anhängiges Verwaltungsstrafverfahren im Hinblick auf das Gebot der Amtsverschwiegenheit, das es den Organen der Strafbehörde verbietet, Auskünfte über den Fortgang oder das Ergebnis von Verwaltungsstrafverfahren zu erteilen, nicht möglich ist“.

Strafe bis zu 4.360 Euro droht vom Magistrat

Allgemein werde eine Tat, die nicht in die Zuständigkeit der Gerichte fällt, als Verwaltungsübertretung nach dem Tiergesetz geahndet. Hier sei eine Geldstrafe von bis zu 4.360 Euro möglich.