Erstellt am 26. April 2016, 01:04

von Mathias Schranz

FPÖ jubelt auch im Bezirk Wr. Neustadt über Hofer-Sieg. Norbert Hofer ist sowohl in Stadt und Bezirk klar vorne. Katerstimmung herrscht indessen bei SPÖ und ÖVP.

Gute Stimmung bei der FPÖ: Dietmar Seiser, Kevin Pfann, Michael Schnedlitz, Wilhelm Buchwitz, Annabell Wafrek, Markus Dock-Schnedlitz, Udo Landbauer, Philipp Gerstenmayer und Markus Ortner.  |  NOEN, Foto: Schranz

SPÖ-Bezirksparteichef Peter Wittmann bringt es kurz vor der ersten Hochrechnung auf den Punkt: „Hoch werden wir heute nicht mehr gewinnen.“ Das stimmte – SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer blieb deutlich unter den Erwartungen.

Nach den Umfragen sei es zwar zu erwarten gewesen, dass Hundstorfer es nicht in die Stichwahl schaffe, das Ergebnis habe Wittmann in der Dimension aber nicht erwartet. „Das ist bitter.“ Und er meint: „Für mich ist das Ergebnis keine Protestwahl gegen, sondern für etwas. Nämlich eine Haltung in der Flüchtlingsfrage.“

Eine Wahlempfehlung mache jetzt keinen Sinn. Die Stadt-SPÖ hingegen hat bereits eine Wahlempfehlung für Van der Bellen ausgesprochen. Geschockt in der SPÖ-Bezirksstelle waren Bundesrätin Ingrid Winkler und Ex-Nationalrat Noldi Grabner – für Letzteren habe die SPÖ ihren Kandidaten auch zu wenig unterstützt.

Ärger über falsche Umfrageergebnisse

Nur wenige Meter entfernt, in der ÖVP-Zentrale am Neuklosterplatz, ist das Szenario nicht anders. Gefasst reagieren die ÖVP-Mitglieder auf das Wahlergebnis. Für ÖVP-Bezirksparteichef Franz Rennhofer kommt die Dimension des Ergebnisses überraschend. Verärgert ist er über die weit daneben gelegenen Umfrageergebnisse, „ich glaube, deswegen haben viele taktisch gewählt.“

Das habe Khol geschadet, der in den Umfrageergebnissen hinten gelegen ist. Dabei sei Khol von den persönlichen Eigenschaften her nach wie vor der beste Kandidat. ÖVP-Nationalrat Hans Rädler sieht in dem Ergebnis das europäische Versagen in der Flüchtlingspolitik, aber auch das zu späte Einschwenken der Bundespolitik in der Frage. „SPÖ und ÖVP wurden von den Wählern für ihre Fehler abgestraft.“

"Abfuhr an die Faymann-Regierung"

ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger: „Das Wahlergebnis ist für unseren Kandidaten enttäuschend und eine Abfuhr an die Faymann-Regierung. Abzulehnen ist die von den Medien mit falschen Umfragen gemachte Politik im Vorfeld der Wahl. Damit wurden die Wähler manipuliert.“

Jubel herrscht indessen bei der FPÖ: „Ein grandioses Ergebnis“, meint etwa Landtagsabgeordneter Udo Landbauer. Für ihn ist klar: „Die Politik der Regierung wurde abgewählt, die Bevölkerung will etwas anderes. Das junge Alter von Norbert Hofer hat glaube ich keine Rolle gespielt.“ Wie Rennhofer ärgert er sich über die Meinungsumfragen im Vorfeld und auch darüber, dass es noch einen Monat bis zum Stichwahltermin dauert – das koste viel Geld.

"Chancen für Norbert Hofer sehr gut“

Trotzdem: „Ich sehe die Chancen für Norbert Hofer sehr gut.“ Über ein „tolles Ergebnis“ freut sich auch FPÖ-Bezirksparteichef Peter Schmiedlechner: „So einen großen Vorsprung hätte ich mir nicht erwartet.“ Genauso wie Landbauer sieht auch er ein „Abstrafen der Regierungspolitik“ in dem Ergebnis, Hofer hätte jetzt eine sehr gute Ausgangsposition für die Stichwahl.

Grüne-Nationalrätin Tanja Windbüchler-Souschill: „21,4 Prozent in Wiener Neustadt sind ein großartiger Wahlerfolg für Alexander Van der Bellen. Jetzt beginnt der Wahlkampf neu, und es gilt eine breite Allianz für den Zusammenhalt in Österreich zu bilden. Es geht darum, der spaltenden Politik der FPÖ ein klares Zeichen entgegenzusetzen. Wir werden uns nicht der Angstmacherei und der Hetze ausliefern.“