Erstellt am 02. Dezember 2015, 06:03

von Tina Jedlicka

Geld für totes Kind kassiert?. Wiener Neustädterin soll zehn Jahre lang für ihr verstorbenes Kind Familienbeihilfe bezogen haben: Sie bestreitet Absicht dahinter.

 |  NOEN, Symbolbild

"Es tut mir sehr leid für Sie", begann Richterin Christina Kuzmany den ungewöhnlichen Prozess und hielt kurz inne. Erst dann befragte sie die Wiener Neustädterin zu der Anklage, die gegen sie erhoben wurde.

Die Frau verlor vor zehn Jahren ihr Baby: Nach drei Monaten starb es am plötzlichen Kindstod. Das Schicksal meinte es weiter nicht gut mit ihr. Ein älteres Kind hatte einen Unfall und ist pflegebedürftig, ein weiteres leidet an Epilepsie. Ihr jüngstes Kind wohnt bei dessen Vater.

„Ich habe es nicht gemerkt, da die Familienbeihilfe immer auf einmal ausbezahlt und nicht für jedes Kind gesondert ausgewiesen wird. Außerdem bekam ich für meine Kinder erhöhte Beihilfe und ich wusste nicht wie viel genau“, meinte die Frau.

Hat Frau Formulare selbst ausgefüllt?

Nach dem Tod sei sie zu nichts in der Lage gewesen. Ihr Ex-Mann und dessen Mutter hätten Formulare verschickt. Bei der Krankenkasse, der Gemeinde und weiteren Behörden sei das Kind tot gemeldet worden. „Wir sind untereinander nicht vernetzt“, meinte eine Finanzamts-Mitarbeiterin. Sie hätte die Info vom AMS bekommen, da dort der Bezug für drei Kinder aufschien, die Frau aber angab, zwei Kinder zu haben. „Meine Mandantin hat beantragt, dass die Familienbeihilfe einbehalten wird, bis der Schaden gutgemacht ist“, erklärte ihr Anwalt Johannes Zach.

Das Finanzamt bekam allerdings einige Formulare, auf denen das Kind auch nach dem Tod noch aufscheint. Sogar eine Volksschule wurde angegeben, die das Kind angeblich besuche. Unerklärlich für die Angeklagte. Sie beteuerte, nie ein Formular ausgefüllt zu haben.

Der Prozess wurde vertagt: Ein grafologisches Gutachten soll feststellen, ob die Frau die Formulare ausgefüllt hat.