Erstellt am 18. Mai 2016, 05:14

von Victoria Schmidt

Mathe-Matura: Viele Fünfer. Keine Komplikationen in den BHS, in den AHS herrscht großer Unmut über Mathematik.

Mathematikbeispiele mit kniffligen Texten wie dieser Vergleich zweier Konfidenzintervalle sorgten bei den Maturanten für Unmut. Foto: Schmidt  |  NOEN, Victoria Schmidt

Das Schreckgespenst Zentralmatura hat mit dem heurigen Schuljahr auch die Berufsbildenden höheren Schulen getroffen. Zumindest organisatorisch dürfte es aber keine Zwischenfälle gegeben haben.

Das bestätigten HLW-Direktor Harry Komuczky, HAK-Direktor Gerhard Janovsky und HTL-Direktorin Ute Hammel auf NÖN-Anfrage. Auch inhaltlich hätte es zunächst keine gröberen Beschwerden der Kollegen und Maturanten gegeben.

„Es ist wirklich eine Frechheit, wie mit
unserer Jugend verfahren wird.“
Werner Schwarz,
Direktor BG Zehnergasse


Anders sieht es da schon an den AHS aus. Deutsch und Englisch liefen eher entspannter ab. Zwar seien die Beispiele nicht gut gewählt gewesen, die Schüler hatten aber die Wahlmöglichkeit. BRG-Gröhrmühlgassen-Direktor sah in den beiden Literaturthemen auch Vorteile für Literatur-begeisterte Schüler.

Unterdessen schüttelten bei der Mathe-Klausur Maturanten wie Lehrer und Direktoren den Kopf. „Die Mathe-Matura war ein Witz. Ich bin stinksauer, weil hier mit unserer Jugend experimentiert wird“, meint BG-Zehnergassen-Direktor Werner Schwarz.

Es sei eine Frechheit, wie mit den Maturanten verfahren werde. Nichts von dem, was das Bifie in zahlreichen Übungsbüchern und Beispielsammlungen vorgegeben hatte, sei geprüft worden.

„Die 16 Punkte waren einfach zu erreichen“

Auch BORG-Direktor Herbert Jantscher spricht von hinterhältigen Fallen in der Mathe-Matura. „Die Fragen waren verdreht“, meint er, der gleichzeitig vermutet, dass die Mathe-Matura heuer vermutlich nicht so gut ausfallen wird wie im Vorjahr.

BRG Gröhrmühlgassen-Direktor Günther Hofmann ist nicht so negativ gestimmt. „Die Mathe-Matura war deutlich schwerer als im Vorjahr, allerdings waren die 16 Punkte im ersten Teil, die man braucht, um positiv abzuschließen, einfach zu erreichen.“

Fragt man die Maturanten selbst, wird schnell klar: Die Enttäuschung über das Bifie ist riesengroß. All das, was in vier Jahren Oberstufe in Mathematik erlernt worden war, sei zur Bewältigung der Aufgabenstellung bei der Mathe-Klausur nur bedingt hilfreich.

Beispiele mit doppelten Verneinungen und gefinkelten Aufgabenstellungen machten den Maturanten das Leben schwer. So wurden etwa der Vergleich zweier Konfidenzintervalle oder die Interpretation einer mittleren Änderungsrate geprüft.

Hat es 21 alleine am Babenbergerring erwischt?

Die Unsicherheit der Maturanten nach den Klausuren war enorm – und diesem Gefühl entsprechen auch die ersten kolportierten Zahlen.

Demnach soll es allein am BG Babenbergerring 21 Schüler erwischt haben, die im Juni zu den sogenannten Kompensationsprüfungen antreten müssen. Am BG Zehnergasse sowie am BORG sollen über 50 Prozent der Maturanten bei der Mathe-Klausur einen „Fleck“ kassiert haben. Einzig am BRG Gröhrmühlgasse dürfte die Tendenz positiver sein.

Die genauen Ergebnisse werden erst nach den Konferenzen bekannt gegeben. Erst dann herrscht tatsächlich Gewissheit über die Klausur-Noten.