Wiener Neustadt

Erstellt am 24. August 2016, 06:13

von NÖN Redaktion

Forschen für Bestrahlung. Beschleunigeranlage wird neben der klinischen Anwendung auch für die nichtklinische und translationale Forschung genutzt. Bestrahlungsraum an Wissenschaft übergeben.

MedAustron-Geschäftsführer Alfred Zens, ÖVP-Vizekanzler und Bundesminister für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Reinhold Mitterlehner, ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll und MedAustron-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Schneeberger.  |  NOEN, Franz Baldauf

Ein Bestrahlungsraum, der uneingeschränkt der Wissenschaft zur Verfügung steht – das ist eine Besonderheit, die MedAustron von anderen Ionentherapiezentren klar abhebt. Ebendieser Raum erfüllt bereits alle technischen Erfordernisse, das Team von MedAustron hat alle Vorbereitungen am Equipment, den Softwaresystemen und dem Protonenstrahl zeitgerecht abgeschlossen. Nun wird dieser Raum gemeinsam mit jenen Wissenschaftern, die darin den Strahl für ihre Experimente nutzen, in Betrieb genommen.

„Jährlich erkranken 39.000 Menschen in Österreich an Krebs. Heute setzen wir im Kampf gegen diese Krankheit einen neuen medizinischen Meilenstein. MedAustron wird eines von weltweit nur sechs Hochtechnologie-Krebstherapiezentren sein, die mit der neuesten Technologie therapieren“, sagte ÖVP-Vizekanzler Mitterlehner. Dieser Schritt sei „ein perfektes Beispiel für den funktionierenden Kreislauf von der wissenschaftlichen Arbeit zur Umsetzung neuer Technologien in der Praxis.

„Dass Österreich damit auf dem richtigen Weg ist, zeige auch das Interesse des CERN. Das international renommierte Institut überlegt bereits, einen ähnlichen Forschungsbetrieb in Genf einzurichten“, sagt Mitterlehner.

„Langjährige Planung zeigt jetzt Früchte“

ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll: „MedAustron ist ein richtungsweisendes Projekt im niederösterreichischen Wissenschafts- und Forschungsprogramm. Heute zeigt sich, dass die langjährige Planung und die intensive Vorbereitungsarbeit Früchte tragen: Mit der Übergabe des Forschungsraumes an die Wissenschafter ist das einzigartige Zentrum endgültig dem Projektstatus entwachsen und in Kürze wird es auch den medizinischen Betrieb als Ambulatorium aufnehmen.“

Drei Forschungsgruppen werden die Beschleunigeranlage für die nichtklinische und translationale Forschung nutzen. Gemeinsam hat man ein Forschungsprogramm für die erste Periode bis 2018 erarbeitet, viele Arbeitspakete davon werden interdisziplinär bearbeitet. Erkenntnisse aus der medizinischen Strahlenphysik können die Bestrahlung von beweglichen Zielen, wie zum Beispiel der Lunge, deutlich verbessern, während die Strahlenbiologie danach trachtet, Patienten noch individueller zu behandeln. Die Ergebnisse der Strahlenphysik sollen auch zur Verbesserung von Bestrahlungsplanungssystemen beitragen und die Überwachung der Therapie mittels in-vivo Reichweitenmessung ermöglichen.

Die medizinische Anwendung der Teilchenstrahlen lässt bei MedAustron nicht mehr lange auf sich warten, wie der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Schneeberger erklärte: „Der erste Patient ist in Griffweite. Die Anlage ist schon bereit, wir müssen lediglich noch Nachweise zur Erfüllung gesetzlicher Auflagen erbringen und die Patientensicherheit in einer Reihe von Tests bestätigen. Damit liegen wir gut im Plan, sodass wir ab November mit den ersten Patientenbehandlungen beginnen können.“