Erstellt am 13. Juli 2016, 11:26

Alpinpark - Weg der Extreme. Im Landschaftsschutzgebiet Mieminger und Rietzer Innauen findet man ein einzigartiges Highlight: die Diversität der Lebensräume.

Auf dem Weg zur Wallfahrtskirche Maria Locherboden hinauf erfuhren die Militärgymnasiasten im Rahmen ihrer Projektwoche am 24. Juni 2016 von Moritz Falch (Westösterr. Biologenvereinigung) viel über das Gebiet, unter anderem über Auswirkungen des kontinentalen Klimas an den sonnigen Kalksüdhängen des Fiechter Köpfls.

Begonnen hat die biologische Entdeckung nach der Stamser Hängebrücke, wo die Militärgymnasiasten zu einem Wasserfall, der fast in den Inn stürzt, geführt wurden. Dort bewunderten sie die herunter strömenden Wassermassen. Die Teilnehmer wurden ersucht, für sie interessante Pflanzen zu suchen, damit der Biologe sie erklären kann.

Dies nutzte er, um die besondere Situation der Au zu beleuchten: Die befinde sich zwischen den nördlichen Kalkalpen und den silikatreichen Zentralalpen. Durch regelmäßige Überschwemmungen werden nicht nur Gesteine aus den umliegenden Gebirgen, sondern auch Unmengen an Nährstoffen im gesamten Augebiet verteilt.

Wanderung durch den Auwald

Man findet einige Pflanzenarten, die auf hohe Stickstoffkonzentration im Boden schließen lassen (Brennessel, Knäuelgras, Waldrebe). Bei Hochwasser könne alles überschwemmt werden, das Wasser reiße Steine der gegenüberliegenden Gebirgszüge mit und vermischen sich im Au-Gebiet. Mit Hilfe von Salzsäure zeigte Moritz Falch die verschiedenen Gesteinsarten. Aufgrund der (unterschiedlichen) sauren oder basischen Verwitterung; Kalk (basisch) und Silikatgestein (sauer) verwittert unterschiedlich, was Auswirkungen an den pH-Wert des Bodens hat.

Das hat Auswirkungen auf die Nährstoffverfügbarkeit, an die sich die Pflanzen angepasst haben. Im Anschluss erläuterte der Studierende der Universität Innsbruck die mitgebrachten Blumen, auch mit Hilfe des Geruchssinns. Kosmopoliten sind Pflanzen, die überall auf der Welt vorkommen – Bedingungen müssen nicht extrem sein. Im Falle des Adlerfarns sind sie das auch nicht. Der Adlerfarn ist aber die einzige Gefäßpflanze, die eine weltweite Verbreitung aufweist. Sonst machen das nur Algen. Darin liegt die Besonderheit. Man findet auch ein paar wirklich streng geschützte Pflanzenarten wie die Deutsche Tamariske.

Der Weg der Extreme ging dann weiter mit einem Höhenunterschied von 250 m Richtung Maria Locherboden, eine Wanderung durch den Auwald und entlang der trockenen Kalksteilhängen des Locherbodens. Hier erlebten die Militärgymnasiasten die unglaubliche Artenvielfalt eines inneralpinen Trockenrasens und seiner naturnahen Schotterflächen. Am Trockenhang unterhalb des Locherbodens wächst noch das Federgras, eine Pflanze, die sonst eher im Mittelmeergebiet und in Steppenlandschaften beheimatet ist.

Auf dem Weg wurden Gehölze wie Fichten, Birken, Haselnusssträucher und Föhren erklärt. Die Militärgymnasiasten wurden auch auf das EU-Projekt „Natura 2000“ aufmerksam gemacht: „Mit Hilfe der FFH-Richtlinien (Flora, Fauna, Habitat) kann man den Grad der Gefährdung, bzw. die Schutzwürdigkeit eines Lebensraumes einschätzen. Ein Beispiel dafür sind eben Flussauen. In Europa sind 90% der Augebiete zerstört, was nicht nur für die Natur ein Fiasko darstellt, sondern auch für uns Menschen gefährlich ist (Hochwasserschutz). Darum fallen sie in diese Natura-2000 Richtlinien. Ähnliches gilt für die Trockenwiese, die wir oben gesehen haben.“, so Falch.