Erstellt am 06. Oktober 2015, 04:22

von Josef Kleinrath

Nach 19 Jahren Flucht: Freispruch für Hans Sitter. Seit 19 Jahren hat der Unternehmer, der vor über 20 Jahren eine schillernde Persönlichkeit in Wiener Neustadt war, Österreich nicht mehr betreten.

Hans Sitter am vorigen Samstag im Witetschka: Er ist froh über das Urteil, will jetzt US-Bürger werden und nicht mehr nach Österreich zurückkehren.  |  NOEN, Josef Kleinrath

Hans Sitter kommt in Lederhose und Holzfällerhemd zum NÖN-Gespräch ins Witetschka. Fast 20 Jahre war er nicht mehr in Österreich. Wegen eines Haftbefehls, den das Finanzamt wegen angeblich zu Unrecht geltend gemachten Vorsteuerabzugs erwirkt hat. Sitter lebte damals bereits in Monaco, wanderte dann in die Vereinigten Staaten aus. In Houston, Texas, hat er sich eine neue Existenz aufgebaut. Mit neuer Frau und seinem heute knapp über 20 Jahre alten Sohn.

In Wiener Neustadt erinnern sich viele an den damals schillernden Unternehmer. Freizeittempel, Beverly Hills, Spielautomaten, 17 Restaurants, fünf Lokale wie das „Krügerl“, zwei Tanzlokale, eine Peep Show in Linz. Sitter, er hat bei Pepi Giessauer Fleischer gelernt, hatte sich ein umfangreiches Imperium aufgebaut. Zuvor war er wegen seiner Automaten im Konkurs, dazu gab es eine Verurteilung wegen betrügerischer Krida.

Hat noch jemand offene Rechnungen mit ihm? „Jein. Persönliche Freunde sicher nicht, aber beim Zwangsausgleich sind sicher einige um ihr Geld gekommen. Aber das ist ja gesetzlich so geregelt“, erklärt Sitter und räumt ein: „Es könnte schon sein, dass wer böse ist.“ Aber er habe keine Angst, in Wiener Neustadt wo hinzugehen.

„Haftbefehl war wie ein  Schlag auf den Schädel“

Dass damals ein Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde, sei für ihn „wie ein Schlag mit dem Hammer auf den Schädel“ gewesen: „Das war ein Rachefeldzug gegen mich.“ Er glaubt, resultierend aus seinem Konkurs. Und weil er immer sehr provokant gewesen sei, etwa mit einem Bentley mit monegassischem Kennzeichen gefahren sei. Anfangs habe ihn der Haftbefehl sehr belastet.

Jetzt ist er froh, dass es so gekommen ist: „Ich bin allen dankbar, weil ich sonst nie weggegangen wäre. Ich bin niemandem mehr böse.“ Wobei ihn eines doch besonders getroffen hat: „Ich konnte nicht einmal zum Begräbnis meiner Eltern nach Österreich kommen, weil ich sonst gleich verhaftet worden wäre.“

Nur auf eine Feststellung legt er wert: „Ich war nicht auf der Flucht, alle wussten immer, wo ich bin. Selbst die Vereinigten Staaten haben mich nicht ausgeliefert.“

"Große Genugtuung für mich"

Das Verfahren jetzt habe in erster Linie auf sein Betreiben hin stattgefunden – weil er Klarheit wollte: „Der Haftbefehl wurde aufgehoben.“ Jetzt fährt Sitter mit dem – nicht rechtskräftigen – Freispruch wieder zurück. „Das ist eine große Genugtuung für mich, ich bin froh, dass ich rehabilitiert bin.“

Jetzt geht es zurück in seine Heimat. Denn seine Heimat ist nun in Houston. Auch dort hat er einmal wirtschaftlich Schiffbruch erlitten. „Aber in Amerika kannst du leichter wieder neu anfangen.“ Das hat er gemacht. Neben einem Car-Wash-Center hat er ein Lokal mit 40 Sitzplätzen eröffnet. Jetzt hat „Kings Biergarten“ 340 Plätze, wurde drei Mal zum besten deutschen Lokal der USA gewählt.

Österreich hat Sitter wenig begeistert: „Das war jetzt mein letzer Aufenthalt in Österreich. Nicht einmal um 100.000 Euro im Monat würde ich wieder hier leben wollen.“ Jetzt wird er die österreichische Staatsbürgerschaft aufgeben und US-Bürger werden. Und auf sein nächstes Ziel hinarbeiten: „Ich will in Panama, direkt am Meer, noch ein Hotel mit einem kleinen Casino bauen.“