Neudörfl

Erstellt am 05. April 2017, 04:20

von Judith Jandrinitsch

Nach Drohung mit Klage musste Wein Namen wechseln. Toni Piribauer musste wegen Klagsandrohung durch ein deutsches Weigut eine spezielle Weißweincuvée umbenennen. Jetzt heißt der Wein „Spitzbua“.

Gleich drei Spitzbuam. Michael und Toni Piribauer mit ihrem jugendlichen, spritzigen Wein „Spitzbua“.  |  Judith Jandrinitsch

Es war ein Moment des Schreckens, der Augenblick, als der Brief eines deutschen Rechtsanwaltes ins Haus der Heurigenfamilie Piribauer flatterte. In dem Schreiben wurden die Heurigenbesitzer mit der Tatsache konfrontiert, dass es ein deutsches Schlossweingut gibt, das einen Weißwein unter der gleichen Bezeichnung erzeugt und vertreibt wie die Piribauers in Neudörfl.

Der entscheidende Unterschied: Der Name des deutschen Weines war markenrechtlich geschützt, darum brachten die Schlossweingut-Betreiber durch ihren Anwalt eine markenrechtliche Unterlassungsklage gegen die Piribauers ein.

"Die Deutschen waren im Recht"

Die Neudörfler Winzer ahnten bis zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, dass es im benachbarten Deutschland einen markenrechtlich geschützten Weißwein gibt, der den gleichen Namen trägt wie ihr lokales Produkt. „Der Weinhandel läuft heute global ab, wir waren ja gemeinsam mit anderen Rosalia-Winzern vor Kurzem auf der Pro Düsseldorf, der größten Weinfachmesse der Welt. Dadurch muss man als Weinproduzent selbst bei der Namensgebung alle Eventualitäten in Betracht ziehen“, hat Toni Piribauer die Lehren aus der Klagsandrohung des deutschen Weingutes gezogen.

„Die Deutschen waren im Recht, unser Problem in diesem Fall war, dass wir diesen Wein auch in Deutschland verkauft haben. Die Deutschen legen das Markenrecht viel strenger aus als wir hier in Österreich, darum die Klagsdrohung“, erzählt Toni Piribauer offen. Auch in seinem Fall gilt: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Die Piribauers unterschrieben eine Unterlassungserklärung und informierten ihre Weinkäufer über den Umstand, dass besagter Wein unter diesem bestimmten Namen nicht mehr verkauft werden darf. Das betrifft auch den Verkauf durch Dritte, wie z. B. Restaurantbesitzer. 5.100 Euro hätten die Piribauers Strafe zahlen müssen, pro Verkauf, wenn die deutschen Schlosswinzer diesem auf die Spur gekommen wären. Die Neudörfler Weinbauern haben die Lehren aus dem Fall gezogen – der Cuvée heisst nun „Spitzbua“.