Erstellt am 03. August 2017, 05:57

von Mathias Schranz

Europameisterin pokert „nur nebenbei“. Die Wiener Neustädterin Jessica Teusl (26) ist nach ihrem Sieg im Casino Velden die erste Europameisterin im Pokern.

Konzentriert am Pokertisch: Jessica Teusl auf dem Weg zur Europameisterin.  |  zVg

NÖN: Was machst du mit den 3.300 Euro Preisgeld?

Jessica Teusl: Etwas Konkretes hab‘ ich mir ehrlich gesagt noch gar nicht überlegt.

Willst du mit Pokerspielen dein Geld verdienen oder siehst du das eher als Spaß an?

Teusl: Um ehrlich zu sein, ist es der Traum jedes Pokerspielers, sein Geld mit Pokern zu verdienen. Es ist die Mischung aus Spaß, Unterhaltung und der Möglichkeit, mit einem Hobby Geld zu verdienen. Nur zum Spaß machen es die wenigsten, denn wenn man auf Dauer nur verliert, macht es irgendwann keinen Spaß mehr. Ich pokere nebenbei und verdiene den Hauptteil meines Geldes mit meiner Werbeagentur und einen Teil mit Poker. Nur von Poker zu leben, kann ich mir im Moment nicht vorstellen.

Wie trainierst du?

Teusl: Ich habe bereits einige Bücher gelesen und bin aktuell wieder dabei, eines zu lesen. Viele sehen Poker ja leider als reines Glücksspiel in der Gesellschaft an und wissen nicht, dass in diesem Spiel sehr viel Mathematik, Theorie und damit auch verbundene Wahrscheinlichkeitsrechnungen stecken. Aber natürlich gehört auch die Praxis trainiert, welche man sich natürlich beim Spielen aneignet, um ein besseres Gefühl für die Karten zu bekommen.

Schaust du dir Tricks im Fernsehen ab oder spielst du einfach viel?

Teusl: Ich schau‘ mir natürlich Videos von gespielten Händen, guten Turnieren bzw. Spieler, wo mir der Spielstil gefällt, im Internet an. Dazu gehören zum Beispiel Videos von Daniel Negreanu, Liv Boeree oder Fedor Holz. Diese Spieler leben auch wirklich von Poker.

Ist es ein Unterschied, ob man gegen Frauen oder Männer spielt?

Teusl: Ja, es ist ein Unterschied, gegen wen man spielt. Männer spielen meist viel aggressiver als Frauen. Frauen sind meist recht tight. Das Lustige ist ja, ich habe zwar schon bei verschiedenen Turnieren Frauen an den Tischen gehabt, aber noch nie ein reines Frauenturnier gespielt. Die Pokereuropameisterschaft für Frauen war mein erstes Frauenturnier. Ich hatte hier nicht viel Erfahrung, wie es ist, nur mit Frauen zu spielen. Ich hab‘ daher meinen Spielstil beibehalten und ihn ein wenig an die Tische angepasst, wo ich saß.

Wird man als Frau ernst genommen, wenn man mit Männern Poker spielt?

Teusl: Also im Normalfall schauen sich die Spieler immer einige Zeit lang das Spiel an und wissen dann, ob man das Spiel beherrscht. Danach wird man natürlich auch als Frau ernst genommen.

Seit wann spielst du und wie bist du dazu gekommen?

Teusl: Ich spiele, seit ich 18 Jahre alt bin, Poker, mein Papa hat mir das Spielen gelernt. Anfangs spielten wir zu Hause, dann haben wir ab und zu im „Poker Royale Wiener Neustadt“ begonnen auf 50 Cent-Tischen zu spielen. Ich habe dann aber aufgrund von Beziehungen & Co. das Pokern eigentlich nicht so ernst genommen und dann etliche Jahre fast gar nicht gespielt. Seit rund 1-1,5 Jahren hab‘ ich mich dann wieder mehr damit beschäftigt.

Was ist dein Tipp für ein erfolgreiches Pokerspiel?

Teusl: Man sollte auf jeden Fall klein anfangen und nicht um Geldbeträge spielen, die man sich nicht leisten kann und „wirklich weh“ tun, wenn man sie verliert. Übung macht ja bekanntlich den Meister und ich würde sagen, dass auch hier auf jeden Fall auch die Praxis hilft, sich zu verbessern.

Weiters sollte sich ein Pokerspieler, auch wenn man es nur hobbymäßig macht, ein wenig mit den Wahrscheinlichkeiten beschäftigen.