Erstellt am 15. März 2016, 13:08

von APA/Red

Prozess: Lokalgast durch Messerstiche verletzt. Weil er einem 50-Jährigen im Oktober 2015 in einem Lokal zwei Messerstiche zugefügt hatte, ist ein 45-Jähriger am Dienstag am Landesgericht Wiener Neustadt wegen schwerer Körperverletzung zu 15 Monaten Freiheitsstrafe, davon zehn bedingt, verurteilt worden.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at

Die Anklage hatte auf versuchten Mord gelautet. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab, deshalb ist das Urteil nicht rechtskräftig.

Der Mann hatte vor den Geschworenen die Tat eingestanden, aber eine Tötungsabsicht bestritten. Mit Hinweis auf seinen damaligen Vollrausch konnte er sich auch nicht erinnern und sprach von einem "Filmriss". Auch wenn reichlich Alkohol im Spiel gewesen war, war der Steirer laut psychiatrischem Gutachten zurechnungsfähig.

Motiv: Eifersucht und Demütigung

Als Motiv, weshalb der Angeklagte mit bisher unbescholtenem Leumund dermaßen ausgerastet sein soll, ortete die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Demütigung. Die Auseinandersetzung eskalierte in dem Lokal, in dem die damalige Lebensgefährtin des Angeklagten, die übrigens seit dem blutigen Vorfall kein Wort mehr ihm gesprochen hat, als Kellnerin tätig war. Der 45-Jährige verdächtigte seinen Kontrahenten, dass dieser die Frau "anbraten" wollte. Daraufhin kam es gegen 23.00 Uhr zu einer ersten Schlägerei, die damit endete, dass man den angeschlagenen Steirer vor die Tür setzte und das Lokal zusperrte.

Doch der Mann kam wieder, mit gezücktem Messer, zerbrach eine Scheibe der Lokaltür. Der 50-jährige Lokalgast wollte die Situation kalmieren, ging vor die Tür - und bekam sofort einen Stich ab. "Hätte ich mich nicht gewehrt, wäre ich tot", resümierte das Opfer im Zeugenstand. "Letztendlich ist es dem Zufall zu verdanken, dass der Mann überlebt hat", sagte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte selbst (Verteidiger Christian Stocker) will sich an die Messerattacke nicht mehr erinnern können: "Ich habe einen Filmriss gehabt." Laut psychiatrischem Gutachten war der 45-Jährige allerdings trotz des Alkoholspiegels "Herr seiner Sinne" und somit zurechnungsfähig.