Erstellt am 23. Oktober 2015, 14:44

von APA/Red

Reumütiger Angeklagter bei Prozess um Mordversuch an Zeitungszusteller. Wegen Mordversuchs an einem pakistanischen Zeitungszusteller hat sich am Freitag ein 50-jähriger Prokurist aus dem südlichen Niederösterreich am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten müssen.

 |  NOEN, Erwin Wodicka / wodicka@aon.at
Der reumütige Angeklagte wies diesen Vorwurf zurück und bekannte sich des versuchten Totschlags schuldig. Ein Urteil wurde für die Abendstunden erwartet.

Mit 15 "äußerst wuchtigen Messerstichen, davon drei in die Brust, drei in den Oberbauch und einen in die rechte Halsseite" (Staatsanwalt) soll der 50-Jährige in den frühen Morgenstunden des 28. März 2015 den in dessen Wagen schlafenden Pakistaner am Bahnhofsgelände in Wiener Neustadt attackiert haben. Motiv soll laut Anklage folgendes gewesen sein:

Der Prokurist sei wütend gewesen, weil er den im Zustell-Unternehmen seiner Schwiegermutter tätigen 49-Jährigen verdächtigte, fortlaufend Zeitungen gestohlen zu haben. Das hätte ihm zusätzliche Mühen aufgebürdet: Er habe "zu Unzeiten" (so der Ankläger) immer wieder frühmorgens nach Wien fahren müssen, um die Fehlbestände an Blättern für Ersatzzustellungen abzuholen.

"Der Angeklagte wollte den Mann zunächst zur Rede stellen. Aber dann hat er die Tür aufgerissen und den Plan gefasst, den 49-Jährigen zu töten. Er hat zugestochen und es ernsthaft für möglich gehalten und sich damit abgefunden, dass der Mann dabei stirbt", erläuterte der Staatsanwalt.

Dagegen konterte Verteidiger Rudolf Mayer, dass die Tat "ohne Planung" abgelaufen sei. "Es war Wut und Verzweiflung, die meinen Mandanten zustechen ließ. Er war sehr erregt und in dem Moment war es ihm egal, was mit dem Opfer geschieht. Er, der nie einer Fliege etwas zuleide getan hat, hat sich einfach hinreißen lassen. Aber dann hat er von seinem Opfer freiwillig abgelassen. Das kann man nur als Körperverletzung bewerten."

Der Angeklagte schlug in dieselbe Kerbe. Unter Tränen beteuerte er, keine Tötungsabsicht gehabt zu haben: "Ich war immer einer, der alles im Guten regeln wollte." An jenem Morgen seien bei ihm allerdings die Sicherungen durchgebrannt. Der Beschuldigte hat auch "finanzielle Reue" gezeigt und seinem Opfer bereits 6.600 Euro überwiesen. Weitere 4.000 Euro sollen folgen.