Erstellt am 19. Mai 2016, 04:24

von Josef Kleinrath

„Steg“ war vor 20 Jahren der große Aufreger. Im Mai 1996 sorgte der „Sidewalk“ des japanischen Künstlers Tadashi Kawamata am Hauptplatz für Kontroversen.

Mit dem »Sidewalk« rund um das Grätzl am Hauptplatz erhielt Wiener Neustadt große mediale Aufmerksamkeit. Während der Umbauarbeiten am Hauptplatz vor genau 20 Jahren konnten Passanten vom Steg einen Blick in die Baustelle werfen und auch einen anderen Blickwinkel einnehmen. Foto: Hans Wetzelsdorfer  |  NOEN, Hans Wetzelsdorfer
Der „Sidewalk“ am Wiener Neustädter Hauptplatz gehört zu jenen Projekten, zu denen fast jeder Wiener Neustädter eine eigene Geschichte hat. Genau jetzt feiert die so umstrittene wie auch geliebte „Steg“-Installation Jubiläum: Genau vor 20 Jahren säumte das begehbare Holzkunstwerk des japanischen Installationskünstlers Tadashi Kawamata den Hauptplatz.

Eine der Geschichten ist jene von Daniela und Manfred Schermann. „Da hat es bei uns Zoom gemacht“, erinnert sich das mittlerweile seit Jahren verheiratete Unternehmer-Ehepaar noch genau an den „Sidewalk“, „bei uns ist am Steg im Mai 1996 der Groschen gefallen.“

Der Neufelder Fotograf Hans Wetzelsdorfer ist erst vor kurzem anlässlich des 20. Steg-Jubiläums mit dem japanischen Installationskünstler in Wien zusammen getroffen: „Kawamata lebt jetzt in Paris, hat dort einige Projekte gemacht. Er ist mittlerweile einer der weltweit bekanntesten Künstler in diesem Bereich.“

„Weltoffenheit fehlt seit längerem völlig“

Der ehemalige SPÖ-Bürgermeister Peter Wittmann, später Kultur- und Sportstaatssekretär, in dessen Amtszeit der „Steg“ realisiert wurde, erinnert sich gerne und mit Stolz zurück: „Die Konzerte, mit denen wir großen Erfolg hatten, haben uns alle nachgemacht. Deshalb haben wir einen neuen Schwerpunkt gesetzt.“ Dabei sei der Hauptplatz einmal im Jahr Künstlern zur Verfügung gestellt worden, so Wittmann. „Auch das Acht-Frauen-Projekt und die Hrdlicka-Ausstellung waren umstritten“, erinnert sich Wittmann.

Aber nur weil schon etwas am Hauptplatz passiert sei, hätte der internationale Künstler Tadashi Kawamata für die Installation gewonnen werden können. „Das war alles eingebettet in eine große Konzeption“, erklärt Wittmann, „und das hat uns eine unbezahlbare Werbung für Wiener Neustadt gebracht.“

Stundenlang berichteten österreichische und deutsche Fernsehsender damals über Wiener Neustadt, so Wittmann: „Das war ja kurz nach der Öffnung Europas. Wir wollten die Menschen hier weltoffener machen. Das ist das, was der Stadt jetzt vollständig fehlt –  schon seit längerem.“

Für Wittmann stellen der „Sidewalk“ und die dahinterliegende Konzeption einen wesentlichen Teil seiner Ära dar: „Nur über Kunst, Kultur und Sport kannst du auf eine Stadt aufmerksam machen. Wir haben das Image der Stadt damit verbessert, wir haben die Stadt zu einer modernen, offenen und weltgewandten Stadt gemacht und es geschafft, dass sich junge Menschen beteiligen. Das ist alles wichtig für eine Zukunft der Stadt, etwa für Betriebsansiedelungen. Manager schauen sich genau an, was es im Umfeld gibt.“