Erstellt am 22. März 2016, 14:04

von Mathias Schranz

Terror-Anschlag: Wiener Neustädter berichtet aus Brüssel. Der Wiener Neustädter Michael Mayer (27) lebt derzeit in Büssel, arbeitet dort für die Arbeiterkammer. Für die NÖN hat er seinen Tag zusammengefasst:

 |  NOEN, zvg
Seit einem Jahr wohne ich jetzt schon in Brüssel, und seit ich dort bin, prägen Polizisten und Soldaten das Stadtbild. Immerhin ist das hier der Sitz der Europäischen Kommission, des Parlaments, der Rates, die Hauptstadt der EU eben. An das hat man sich relativ bald gewöhnt – Schwerbewaffnete in Uniform sind eben Teil dieser Stadt.

Und trotzdem ist was passiert. Dienstagmorgen, ich wache auf. Kurz aufs Handy geblickt – unzählige verpasste Anrufe, besorgte Nachrichten, und gleich darauf dämmert es mir: Es muss was passiert sein – ein Bombenanschlag auf den Brüsseler Flughafen, gefolgt von einem auf eine U-Bahnstation.
Auf den ersten Schock folgt Sorge: Familie anrufen, Freunde, versuchen, die Menschen, die man in Brüssel kennt, zu kontaktieren. Erste Erleichterung: Meinen Kollegen und Freunden hier in Brüssel geht’s gut.

Allgemeine Ahnungslosigkeit macht sich breit: Wie geht’s jetzt weiter? Es gibt die Empfehlung des nationalen Sicherheitsrates, dort zu bleiben, wo man ist. Man würde ohnehin nicht weit kommen – die Gegend rund um Schuman ist abgesperrt, Bahn, Bus und Zugverbindungen sind eingestellt. Es gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe. Die Stimmung ist gespenstisch. Rund um Schuman fahren im Sekundentakt Krankenwägen, Polizeiautos, Hubschrauber kreisen in der Luft.

Mein Büro liegt in der Nähe der Metro-Station, in der eine Bombe explodiert ist, etwa 400 Meter entfernt. Purer Zufall, dass ich heute nicht dort bin – ich bin etwas kränklich und daher heute daheim geblieben. Die Ständige Vertretung hat eine Notfallnummer eingerichtet, via Twitter kommen jetzt im Minutentakt neue Meldungen.

Mittlerweile sitz ich im Wohnzimmer und schau eine Sondersendung nach der nächsten. Gegenüber meiner Wohnung ist eine Schule, die Kinder dürfen allerdings nicht raus. Das Europäische Parlament bleibt morgen geschlossen, viele Büros ebenso. Insgesamt ist es eine komische Stimmung, eine Mischung aus Angst, Ohnmacht, und Fassungslosigkeit.

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