Erstellt am 25. Dezember 2015, 09:03

von Josef Kleinrath und Carina Pürer

Tourismus braucht Umbenennung nicht. Tourismus-Vertreter reagieren auf Rädlers Vorstoß – für touristische Werbung sei der Name irrelevant.

Christoph Madl, Geschäftsführer der Niederösterreich-Werbung. Markus Fürst, Geschäftsführer der Destination Wiener Alpen. Franz Piribauer, ÖVP-Tourismusstadtrat in Wiener Neustadt.  |  NOEN, Baldauf (2), Pürer
Gegen eine Umbenennung des Industrieviertels hätte die Tourismuswirtschaft prinzipiell nichts einzuwenden. Das räumt auch Christoph Madl, Geschäftsführer der NÖ Werbung auf den Vorstoß von ÖVP-Nationalratsabgeordneten Hans Rädler ein. Aber er stellt eines klar: „Urlaub im Industrieviertel, damit wirbt ja niemand.“ Deshalb greife das Tourismusargument von Rädler zu kurz.

Das betont auch Markus Fürst, Geschäftsführer der Destination Wiener Alpen: „Dem Gast gegenüber war der Begriff Industrieviertel nie ein Thema.“ Vielmehr würden unter den Destinationen auch die Regionsbezeichnungen, wie Bucklige Welt oder Schneebergland, transportiert.

Destination, nicht Bezeichnung entscheidend

Wiener Neustadts ÖVP-Tourismusstadtrat Franz Piribauer sieht keinen Anlass für eine Umbenennung: „Aus touristischer Sicht tangiert mich das überhaupt nicht. In Sachen touristische Werbung und Positionierung ist die Destination entscheidend und nicht die politische Bezeichnung des Viertels.“

Für wenig sinnvoll hält eine Umbenennung auch Erich Panzenböck, Betreiber des Unterbergs, dem größten Skigebiet der Region: „Ich sehe keine Notwendigkeit, wir haben weit Wichtigeres, womit wir uns derzeit befassen sollten. Mit der Buckligen Welt, dem Schneebergland und den Wiener Alpen sind wir zudem touristisch auch so sehr gut aufgestellt.“

"Kein klingender Name“

Aber in der Tourismusbranche hat Rädlers Idee auch Befürworter. Josef Laferl, ÖVP-Bürgermeister der Gemeinde Hohe Wand und Obmann der Region Schneebergland, steht einer Umbenennung positiv gegenüber: „Aus touristischer Sicht ist ,Industrieviertel‘ kein klingender Name“, findet er, hat aber selbst ad hoc keinen Namensvorschlag parat. Ein Vorschlag, den in der Vorwoche Dorferneuerungs-Obmann Walter Ströbl brachte, gefällt ihm aber: „Schneebergviertel würde ich natürlich super finden.“

Fritz Trimmel, Regionsobmann der Buckligen Welt, sieht die Causa ähnlich: „Der Name ,Industrieviertel‘ ist im Vergleich zu Namen der anderen Viertel sehr heterogen –  wenn man eine passende Bezeichnung findet, macht eine Umbenennung Sinn.“ Thermenviertel könnte er sich vorstellen.
„Eine Umbenennung macht Sinn, allerdings nur, wenn alle Bereiche des Tourismus in den neuen Namen miteinbezogen werden“, findet Walter Kois, Geschäftsführer der Therme Linsberg Asia, „,Thermenviertel‘ halte ich deshalb für unpassend, da bleibt doch so einiges außen vor.“