Erstellt am 26. April 2016, 01:04

von Josef Kleinrath

Vom Spital weggeschickt: 54-Jährige tot. 54-jährige Frau kommt mit starken Beschwerden wegen angeblichem Harnwegsinfekt ins Wiener Neustädter Spital. Wenig später stirbt sie an Bauchfellentzündung.

Walter Riedl hat voriges Jahr seine Frau verloren. Er geht an die Öffentlichkeit, damit Fehler künftig nicht mehr passieren.  |  NOEN, Kleinrath

Der Fall liegt jetzt zwar schon ein Jahr zurück, die Familie Riedl ist jetzt damit an die Öffentlichkeit gegangen. „Damit alle Fehler ausgeräumt werden“, sagt Walter Riedl, der seit dem verhängnisvollen 17. März 2015 Witwer ist.

Was ist passiert? Der Hausarzt von Elisabeth Riedl hatte bei ihr einen Harnwegsinfekt diagnostiziert. Kurz wurden die Beschwerden besser, danach hatte die 54-jährige wieder massive Schmerzen im Bauch. Walter Riedl bringt seine Frau ins Spital. Zuerst auf die II. Interne, wo die beiden weggeschickt werden, dann auf die I. Interne. Wieder keine Untersuchung, keine Aufnahme.

Trotz massiver Schmerzen heimgeschickt

Riedl bringt seine Frau dann auf Anweisung des Spitalspersonals mit dem Rollstuhl auf die Urologie. Nach einer Untersuchung steht für die behandelnden Ärzte fest: Es braucht lediglich das Antibiotikum weiter verordnet werden. Die Frau wird trotz massiver Schmerzen heimgeschickt. Das ist am 16. März, gegen 17 Uhr.

Am 17. März, um 7 Uhr ist Elisabeth Riedl tot. „Seit der Untersuchung tut ihr der Bauch noch mehr weh, hat sie zu mir gesagt. Als ich in der Früh nach ihr geschaut habe, nachdem ich mir ein Frühstück gemacht habe, ist sie tot im Bett gelegen“, ist Walter Riedl verzweifelt. Er will gar keine Entschädigung vom Spital. „Das macht meine Frau nicht lebendig.“ Aber er will, dass so etwas nicht wieder passiert.

Bluttest wäre notwendig gewesen

Und passiert ist offenbar einiges. Denn die Patientenanwaltschaft hat in ihrem Gutachten doch einige relevante Punkte festgehalten:

Riedl habe sich nicht mit den typischen Beschwerden eines Harnweginfekts im Spital präsentiert.

Trotz für einen Harnwegsinfekt untypisch stärker werdender Beschwerden wurde einfach das Antibiotikum weiterverordnet – dabei wäre bei der betreffenden Patientin aufgrund von Vorerkrankungen dafür ein Bluttest notwendig gewesen.

Untersuchung des Unterbauchs fehlte

Zwar sei ein Nierenultraschall durchgeführt worden, nicht jedoch eine Untersuchung des Unterbauchs – was sinnvoll und angebracht gewesen wäre. Dabei wäre die Peritonitis – an der die Frau letztlich verstorben ist – wohl zu sehen gewesen. Schließlich hatte die Frau bereits einen dreiviertel Liter Eiter in der Bauchhöhle.

Zwar räumt die Patientenanwaltschaft ein, dass es sich „um eine schwere, rasch verlaufende Krankheit mit tödlichem Ausgang“ gehandelt habe, bei der Fehldiagnosen gestellt wurden. Wobei eine richtige Diagnose wohl keine Änderung am „schicksalhaften Verlauf“ gebracht hätte.

Allerdings sei „von der Abteilung für Urologie eine umfassendere Abklärung“ zu erwarten gewesen. Wichtig sei, so der Patientenanwalt, aus solchen Abläufen zu lernen: Jede noch so kleine Chance für Patienten müsse wahrgenommen werden.

"Schicksalhafter Verlauf war nicht erkennbar"

Seitens des Landesklinikums heißt es dazu in einer Stellungnahme gegenüber der ORF-Sendung heute konkret: „Aufgrund der klinischen Symptome war keine weitere Untersuchung nötig. Die Patientin konnte das Klinikum nach etwa einer Stunde gehend verlassen. Der weitere schicksalhafte Verlauf war zum Zeitpunkt der ambulanten urologischen Versorgung nicht erkennbar.“

Detail am Rande: Kurz vor Auftreten dieses Falls hat Personalvertreterin Gerlinde Buchinger eine Strukturmangelanzeige wegen möglicher Gefährdung von Patienten eingebracht.