Wiener Neustadt

Erstellt am 22. Juli 2016, 12:37

Bürgermeister Schneeberger: Türkische Fahnen entfernen!. Türkische Beflaggung sorgt für Wirbel in Wiener Neustadt: In einem offenen Brief fordert Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger jene Personen, die türkische Fahnen auf Häusern oder Balkonen aufgrund der aktuellen Ereignisse in der Türkei gehisst haben, auf, diese zu entfernen.

Türkische Beflaggung auf einem Wohnhaus in der Porsche Siedlung.  |  Magistrat

Der offene Brief werde - laut Aussendung der Stadt - direkt den türkischen Vereinen in der Stadt zugestellt, mit dem Ersuchen, sich von derartigen Aktivitäten zu distanzieren und die Mitglieder aufzufordern, diese zu unterlassen.

Gleichzeitig wird der offene Brief den Wohnbaugenossenschaften zur Verfügung gestellt, um ihre Mieter zu ersuchen, die Beflaggung zu unterlassen.

Schnedlitz: “Flaggen nicht mit Hausordnung im Einklang“

Der freiheitlichen Wohnstadtrat Bürgermeister-Stv Michael Schnedlitz hat die Verwaltung beauftragt mit den Mietern in Kontakt zu treten, damit diese die türkischen Flaggen abnehmen. "Der Großteil der Flaggen wurde entfernt.“, so Schnedlitz in einer Aussendung. Schnedlitz begründet den Schritt so: „Die Flaggen stehen nicht im Einklang mit der Hausordnung. “ 

“Wer bei uns in einer Gemeindewohnung wohnen will, der hat unsere Regeln und unsere Werte zu akzeptieren. Wer Erdogan unterstützen will, kann gerne ausziehen. Wir haben ohnehin genug Personen auf der Warteliste, die eine Wohnung benötigen. Die Entwicklung rund um die Türkei und die Unterstützung der Entwicklung in Wiener Neustadt lehne ich kategorisch ab.“ so Schnedlitz abschließend. 

Der offene Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wiener Neustadt ist eine weltoffene, tolerante Stadt. Aufgrund des hohen Zuzugs von Migrantinnen und Migranten ist jedoch die Frage der Integration eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Damit Zusammenleben funktionieren kann, bedarf es des Zugehens der unterschiedlichen Kulturen, Religionen und Volksgruppen aufeinander. Dieser Dialog soll gegenseitiges Verständnis und Respekt erzielen, er darf aber nicht dazu führen, dass die in Wiener Neustadt jahrzehntelang gelebten Traditionen und Werte verloren gehen. Ganz im Gegenteil. Gerade in unsicheren Zeiten, ist es notwendig aus den Lehren der Vergangenheit die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten.

Dafür bedarf es zweier Grundvoraussetzungen: Einerseits die deutsche Sprache als Basis der Verständigung. Andererseits ein Bekenntnis zur Stadt Wiener Neustadt. Einer Stadt, die nach dem Zweiten Weltkrieg und der fast völligen Zerstörung von mutigen Frauen und Männern wieder aufgebaut wurde. Einer Stadt, die sich zu einem attraktiven Wohn-, Arbeits-, Bildungs-, Kultur-, Gesundheits-, Forschungs- und Wissenschaftsstandort entwickelt hat. Einer Stadt, die mutig die Herausforderungen anpackt, um Weiterentwicklung möglich zu machen.

Dieses Bekenntnis setzt voraus, dass die derzeitigen Entwicklungen in der Türkei nicht durch Symbole, wie türkische Fahnen auf Privathäusern, mitten in unsere Stadt gebracht werden. Ich fordere daher alle auf, die ihre Häuser bzw. Balkone mit türkischen Fahnen beflaggt haben, diese unverzüglich zu entfernen. In Wiener Neustadt geht es nicht um innenpolitische Fragen der Türkei, sondern darum, wie wir unsere Stadt wieder auf die Überholspur führen. Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es das Bekenntnis zu Wiener Neustadt. Dieses Bekenntnis fordere ich von allen, die hier leben, ganz egal ob sie immer schon hier wohnen oder woher auch immer sie zugezogen sind, ein. Wer sich nicht zu Wiener Neustadt bekennt, hat in unserer Stadt auch keinen Platz. Genauso wie türkische Fahnen abseits von sportlichen Großereignissen.

Beste Grüße

Mag. Klaus Schneeberger

Bürgermeister

Wiener Neustadt, 22. Juli 2016

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